Flutkatastrophe

Unternehmer und Freunde helfen ehrenamtlich im Flutgebiet in Rheinland-Pfalz

Johannes Rieger mit seinem Lkw, den er in seinem Alltag als Forstunternehmer nutzt.
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Johannes Rieger mit seinem Lkw, den er in seinem Alltag als Forstunternehmer nutzt.

Unter den Helfern, die ins rheinland-pfälzische Flutgebiet reisten, sind auch Privatpersonen aus Wabern und ein Unternehmer aus Niederurff. Vor Ort packten sie ehrenamtlich mit an.

Bad Zwesten / Wabern – Noch immer stehen zahlreiche Menschen unter anderem im rheinland-pfälzischen Ahrtal vor dem Nichts. Das Hochwasser hat vor Wochen ihre Häuser teilweise oder ganz zerstört. Unermüdlich sind seither Ehrenamtliche im Einsatz, um den Flutopfern beim Aufräumen zu helfen. Unter ihnen sind auch Forstunternehmer Johannes Rieger aus Niederurff und zehn Freunde aus Wabern.

Unternehmer aus Niederurff half zweimal ehrenamtlich im Flutgebiet in Rheinland-Pfalz

Johannes Rieger ist bereits zweimal ins Flutgebiet in Rheinland-Pfalz gefahren. Das erste Mal war er vom 24. bis 25. Juli dort – nur zehn Tage nach der Katastrophe. „Es war noch alles durcheinander“, sagt Rieger. Der 36-jährige Forstunternehmer besitzt einen Schreitbagger – eine Spezialmaschine. Statt mit einem herkömmlichen Rad- oder Raupenfahrwerk sind Schreitbagger mit vier Schreitbeinen ausgestattet. Dank dieser kann die Baumaschine auch in unwegsamem Gelände sicher stehen.

Am Freitagabend, 23. Juli, hatte Rieger von einem Bauunternehmer aus Rheinland-Pfalz die Anfrage erhalten, ob er mit seinem Bagger nach Dernau, Kreis Ahrweiler, kommen könnte. Ermöglicht hatte den Kontakt die Herstellerfirma der Spezialmaschine mit Sitz in der Schweiz.

Unternehmer aus Niederurff beseitigte Schutt

Ohne lange zu zögern, setzte Rieger sich am Samstagmorgen in sein Auto und fuhr die 250 Kilometer nach Dernau. „Einige Häuser sind komplett zerstört, andere beschädigt und abrissreif. Was noch halbwegs ganz ist, muss erst getrocknet werden.“ Sein Schreitbagger kam auf einem Tieflader nach. Im Flutgebiet half Rieger, Schlamm aus Kellern zu schöpfen und beseitigte mit seinem Bagger Schutt und Müll.

Verheerende Schäden nach der Flutkatastrophe: Viele Menschen im rheinland-pfälzischen Ahrtal haben alles verloren.

Dadurch wurden Straßen, Gassen und Höfe freigeräumt. „Ich hatte nicht damit gerechnet, dass die Zustände so schlimm sind.“ Was er vorfand: Beschädigte Kläranlagen, eine verseuchte Ahr sowie ein zerstörtes Strom-, Wasser-, und Gasnetz. Der Schutt lag noch meterhoch an den Straßen. „Man hat permanent den Geruch von Müll, Heizöl und Verwesung in der Nase“, sagt der 36-Jährige. Abends bekam Rieger in einem Versorgungscamp der Malteser eine warme Mahlzeit. Danach arbeitete er bis 4 Uhr am Sonntag durch. „Die Leute waren glücklich und dankbar für die Hilfe.“

Deshalb stand für ihn schnell fest: Er wird ins rheinland-pfälzische Flutgebiet zurückkehren. „Man fährt weg und will nicht weg“, sagt er. Vor seiner nächsten Reise organisierte er Reifen für kleine Radlader und große Schlepper im Flutgebiet. Denn diese seien schnell verschlissen.

Es gilt noch jede Menge Schutt im Flutgebiet zu beseitigen

Als er am 1. August, diesmal mit seinem Lkw, erneut ins Flutgebiet aufbrach, war seine Schuttmulde mit Schotter der Firma Melato-Wegener aus Fritzlar gefüllt. Mit dem Material wurden Hofeinfahrten in Walporzheim, ein Stadtteil von Bad Neuenahr-Ahrweiler, wieder hergestellt.

Rieger kritisiert das Krisenmanagement von Politik und Behörden. „Ohne den ehrenamtlichen Einsatz von Landwirten, Unternehmern und anderen Helfern würde es noch so aussehen wie am Unglückstag.“

Von Walporzheim hat er eine Woche lang von 4 Uhr bis 17 Uhr mit seinem Lkw ein Gemisch aus Schlamm, Schutt und Müll auf die Deponie in Plaidt, Landkreis Mayen-Koblenz, gefahren. „In Walporzheim liegen noch 30 000 Kubikmeter Müll und anderes, das abtransportiert werden muss. An anderen Orten sieht es nicht besser aus.“ Rund 1000 Mal müsste er die Mulde seines Lkw füllen, um die 30 000 Kubikmeter wegzuschaffen.

Forstunternehmer schlief bei seinem zweiten Einsatz im Lkw

„Geschlafen habe ich im Lkw“, sagt er. In einem Zelt in Walporzheim wurde er mit Frühstück und Mittagessen versorgt. „Je weiter man das Tal hochfährt, desto schlimmer wird es“, sagt Rieger über die Ausmaße der Flutkatastrophe im Ahrtal. „Eine zerstörte Eisenbahnbrücke zeugt von der Kraft der Wassermassen. Der Wald ist stellenweise komplett weggerissen.“

Es werde noch lange dauern, bis die Infrastruktur wieder hergestellt ist. Die Schicksale der Leute, die Rieger dort kennengelernt hat, berühren ihn. „Es ist bitter das Haus einer alten Frau abreißen zu müssen.“ Die Eindrücke, die seine Einsätze bei ihm hinterlassen haben, seien schwer in Worte zu fassen. „Man muss es gesehen haben, um es zu begreifen.“

Dennoch sagt der Forstunternehmer aus Niederurff: „Am liebsten würde ich sofort wieder hinfahren.“ Wahrscheinlich sei es im September so weit. Dann will er einen Aufleger voll Brennholz ins Flutgebiet bringen. „Denn die Gasversorgung wird vor dem Winter nicht wieder hergestellt sein.“

Eine Gruppe ehrenamtliche Helfer aus Wabern hat sich privat zusammengeschlossen, um den Menschen im Ahrtal zu helfen.

Zehn Freunde aus Wabern reisten ebenfalls ins Flutgebiet in Rheinland-Pfalz

Olaf Altrichter aus Uttershausen bewegen die Eindrücke, die er Anfang August im Katastrophengebiet gesammelt hat. „Das kann man sich einfach nicht vorstellen. Es ist Wahnsinn.“ Mit neun Freunden, auch Arbeitskollegen, ist er mit einem Container-Lkw, einem Bagger, einem Pick-up, einem Minibagger und einem VW-Bus nach Rheinland-Pfalz gefahren.

Eingeteilt wurde die Gruppe in Kreuzberg an der Ahr, einem Ort, der sehr stark vom Hochwasser getroffen wurde. „Ein Team hat das Wohnhaus eines älteren Ehepaares entkernt“, erzählt Altrichter. 30 Kubikmeter Bauschutt aus Putz, Fliesen und Estrich mussten die Helfer dort herausschaffen. An anderer Stelle haben die Helfer aus Wabern mit dem Minibagger ein altes Mühlengebäude von Wasser und Gärten von angeschwemmtem Unrat befreit.

Zahlreiche Helfer aus Wabern bei einer Pause während ihres Einsatzes.

Einsatz im Flutgebiet: Hilfsbereitschaft ist weiterhin gefragt

Die Maschinen stellte der Fuhr- und Baggerbetrieb Altrichter sowie die Gemeinde Wabern. Der Edeka Pollmer hatte die Freunde zuvor mit Lebensmitteln und Getränken ausgestattet. Viele emotionale Worte seien vor Ort nicht gefallen, so dürfe man sich das nicht vorstellen, sagt Altrichter.

Es zählten in erster Linie die Handgriffe selbst. „Auch das betroffene Ehepaar, das selbstverständlich heilfroh über unsere Hilfe war, hat einfach nur gemacht.“ Wichtig sei nun, dass die Welle der Hilfsbereitschaft nicht aufhöre. Denn noch immer sei jede Unterstützung gebraucht, so Altrichter. (Christina Zapf und Daria Neu)

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