Wechsel aus Präsenz- und Distanzunterricht

Webcam statt Stift und Papier: Abiturientin erzählt vom Lernen im Lockdown

Die Abiturientin Vianne Mogk an ihrem Heimarbeitsplatz.
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Die Abiturientin Vianne Mogk an ihrem Heimarbeitsplatz.

Nach dem Aufstehen die Zähne putzen, anziehen, einen Kaffee schnappen und ab vor den Laptop. So sieht derzeit ein typischer Morgen von Vianne Mogk (19) aus. Zumindest an Wochentagen, denn für sie findet Unterricht digital statt.

Bad Zwesten - „Das Oberteil sollte präsentabel sein, untenrum tragen sowieso alle Jogginghose“, sagt sie und lacht.

Was früher Stift und Papier war, ist heute der Laptop mit Mikrofon und Webcam. Ihre Leistungskurse Biologie und Politik und Wirtschaft (PoWi) sowie Mathematik und Deutsch finden für die Abiturientin im Präsenzunterricht statt, alles andere im Home-Schooling. Konkret bedeutet das: 18 Unterrichtsstunden in der Schule, der CJD Oberurff, der Rest in den eigenen vier Wänden in Bad Wildungen.

Das Problem an der Sache: Der alte Stundenplan sei beibehalten worden. So könnten die ersten zwei Schulstunden online, die dritte und vierte in der Schule und die letzten zwei wieder online stattfinden. Für viele Schüler bedeutet der Schulweg damit ein großes Problem. Denn er kostet Zeit. Zeit, die im Unterricht durch die Hin- und Herfahrerei verloren geht.

Das Internet biete aber auch Möglichkeiten: „Die Lehrer stellen Materialien ins Internet. Das können Arbeitsblätter, Filme und Aufgaben sein.“ Zugang erhalten Lehrer und Schüler über die schuleigene Cloud – eine Art virtueller Klassenraum. Den nutzen die Schüler auch, um ihre Aufgaben, Texte und Ergebnisse untereinander und den Lehrern zugänglich zu machen. Außerdem finden über das Internet Live-Unterricht und Gruppenarbeiten statt. „Dabei sehen und sprechen wir uns über Mikrofon und Webcam“, erklärt Mogk. Ihr helfe die Kamera enorm. „Lehrer und Mitschüler zu sehen kann für Verständnis sorgen, verbessert die Kommunikation und schafft einfach eine wichtige zwischenmenschliche Ebene.“ Gerade diese komme zurzeit oftmals zu kurz.

Die vergangenen Monate nicht mit den Mitschülern und den Freunden verbringen zu können, sei schwer. Manchmal kämen Gedanken auf wie „Was hätten wir alles gemeinsam unternehmen können?“ „Das ist echt schade“, sagt die Abiturientin. Zumal die Wege sich nach der Schule meist trennen. Während Mogk vor einem möglichen Studium eine Ausbildung zur Rettungssanitäterin anstrebt, werden die Wege ihrer Freunde in verschiedene Richtungen gehen. „Einige wollen ins Ausland, andere sind auf der Suche nach einem Ausbildungs- oder Studienplatz.“

In Bezug auf den nahenden Schulabschluss ist die 19-Jährige optimistisch. „Die Vorbereitung auf das Abitur empfinde ich grundsätzlich als positiv – trotz der aktuellen Umstände.“ Für die Schüler würden – wenn überhaupt – nur kleinere Nachteile durch das aktuelle System entstehen.

Anders sieht es bei den Lehrern aus. „Der Aufwand für sie ist enorm.“ Der Spagat zwischen Präsenz- und Heimunterricht sei eine enorme Herausforderung, trotz der strukturellen Verbesserungen. Server und Cloud liefen mittlerweile problemlos. Es gelte, füreinander Verständnis und bisweilen auch Geduld zu haben.

Nach getaner Arbeit klappt Vianne Mogk gegen 14 Uhr ihren Laptop zu. „Manchmal muss ich mich schon zwingen, mich zu konzentrieren“, sagt sie und lächelt. Sie freut sich, an den Nachmittagen zu ihrem Pferd zu fahren. Es sei ein willkommener Ausgleich zum Büffeln. (Raphael Digiacomo)

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