Einziges Gerät in Klinik im Umkreis von 200 Kilometern

Wieder laufen lernen: Klinik in Bad Zwesten bietet Therapie mit Gangtrainer

Die Physiotherapeutinnen (von links) Anne Duschek und Sabine Schubert testen den neuen Gangtrainer in der Hardtwaldtklinik I.
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Die Physiotherapeutinnen (von links) Anne Duschek und Sabine Schubert testen den neuen Gangtrainer in der Hardtwaldtklinik I.

In der Hardtwaldklinik I gibt es ein neues Therapiegerät: einen Gangtrainer. Im Umkreis von rund 200 Kilometern ist er laut Verwaltungsdirektor Götz Pfannkuche das einzige Gerät dieser Bauart in einer Klinik.

Bad Zwesten - Der Gangtrainer unterstützt die Wiederherstellung der Gehfähigkeit bei Rollstuhlfahrern und Fußgängern mit Gehhilfe. Vor allem Schlaganfallpatienten, an Multipler Sklerose oder an Parkinson erkrankten Menschen hilft der Gangtrainer, ihre motorischen Fähigkeiten wiederzuerlangen, und ermöglicht den Weg zurück in einen selbstbestimmten Alltag.

Auch nach einem Bandscheibenvorfall, einem Schädelhirntrauma oder nach dem Einsetzen eines künstlichen Kniegelenks oder einer künstlichen Hüfte, unterstützt das innovative Therapiegerät die Patienten dabei, wieder fit zu werden. Seine Anschaffungskosten haben laut Verwaltungsdirektor Götz Pfannkuche im sechsstelligen Bereich gelegen.

Gangtrainer in Bad Zwesten: 30 Prozent des Körpergewichts können Patienten an Gerät abgeben

Eine Seite des Geräts ist ausziehbar, sodass ein Rollstuhlfahrer bis zur Gurthalterung hineinfahren kann. Jeder Patient wird im Gangtrainer an den Füßen fixiert und hängt im Gurt. Bis zu 30 Prozent des Körpergewichts können die Patienten zu Beginn der Therapie an das Gerät abgeben. Nach und nach bekommen sie es dann zurück. Der Gangtrainer steht vor einem großen Spiegel. Darin können die Patienten ihre Haltung sehen und korrigieren.

Die Physiotherapeuten stellen die gewünschte Schrittlänge- und Geschwindigkeit über den Computer des Geräts ein. Bei der Einstiegsgeschwindigkeit von 1,8 Kilometer pro Stunde werden 50 Schritte pro Minute erreicht. Maximal möglich sind vier Kilometer pro Stunde. Eine zu langsame Laufgeschwindigkeit ist laut Schubert für die Patienten jedoch anstrengend.

Ziel sei es, das Tempo und die Dauer im Gerät langsam zu steigern sowie das eigene Gewicht komplett selbst zu tragen, um wieder ohne apparative Unterstützung laufen zu können. Eine Geschwindigkeit von mindestens 2,5 Kilometer pro Stunde und rund 20 Minuten Gehzeit sollten erreicht werden. Gestartet werden kann nur, wenn die Patienten ordnungsgemäß fixiert sind. Das dauert rund fünf Minuten. Für Notfälle gibt es am Gerät, in Reichweite des Nutzers, zwei rote Schalter. Der Gangtrainer eignet sich laut Schubert für Personen bis maximal 150 Kilogramm Körpergewicht und einer Größe zwischen einem und 1,95 Meter.

Gangtrainer in Bad Zwesten: Rückmeldungen der Patienten sind positiv

Je höher die Anzahl der Schritte pro Therapieeinheit ist, desto größer ist laut Schubert der Erfolg. Die Rückmeldungen der Patienten, die den Gangtrainer bereits nutzen durften, seien positiv. Physiotherapeut Uwe Achenbach berichtet: „Der Gangtrainer macht emotional viel mit den Patienten. Ein Mann fing fast an zu weinen, als er das erste Mal nach vielen Jahren wieder aufrecht stehen und gehen konnte.“ Täglich nutzen das Gerät derzeit rund sieben Personen, bis zu 14 wären möglich.

Der Gangtrainer ergänzt das Physiotherapie-Angebot in der Hardwaldklinik I in Bad Zwesten. „Wir konnten ihn vor einiger Zeit testen und haben ihn für sinnvoll befunden“, sagt Physiotherapeutin Sabine Schubert. Vor dem Einzug des neuen Geräts verwendeten die Physiotherapeuten ein Laufband, um mit den Patienten zu üben. „Das hat uns viel Kraft gekostet, da wir die Füße händisch in gebückter Haltung nach vorne setzen mussten“, sagt Schubert. Der Gangtrainer erleichtert die Arbeit der Physiotherapeuten. (Christina Zapf)

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