Pflege für kahle Kuppen

Basalthügel-Landschaft des Chattengaus soll erhalten werden

Den Schlehen geht’s an den Kragen: Auf dem Maderstein werden die wild wuchernden Büsche mit der Motorsäge gekappt. Um die eher kahlen Basaltkuppen zu erhalten, sind regelmäßige Pflegearbeiten notwendig. Rechts liegt Gudensberg, links der Stadtteil Maden, rechts im Hintergrund der bewaldete Nenkel.

Gudensberg. Die runden Kuppen, mal kahl, mal bewaldet, verteilt in der Ebene der Ems, geben dem Chattengau seinen ganz besonderen Charme. Schon der Naturforscher Alexander von Humboldt unternahm im Jahr 1789 von Göttingen aus eine Studienreise zu den einzigartigen Gudensberger Vulkan- und Basaltkuppen.

Damit sie als Teil der Jahrtausende alten Kulturlandschaft erhalten bleiben, dürfen sie jedoch nicht sich selbst überlassen werden, sondern müssen besonders gepflegt werden.

Darum will sich die Stadt Gudensberg verstärkt kümmern. „Die Basaltkuppen wie der Maderstein, der Schlossberg und der Wartberg sind letztlich auch das Ergebnis menschlicher Aktivitäten“, erläutert Ingo Seifert-Rösing, bei der Stadtverwaltung für Naturschutz zuständig.

Als Weide für Tiere

Die Menschen nutzten die Hügel früher für ihre Tiere, konnten sie dort weiden lassen. Bäume hatten dadurch keine Chance. Überlasse man sie sich selbst, würden sie in wenigen Jahren verbuschen und mit Bäumen zuwachsen, erläutert Seifert-Rösing.

Auf dem Schlossberg mit der Obernburg-Ruine war das schon passiert. Erst durch Rodungen kamen die Burgreste wieder zum Vorschein. Jetzt sorgen Kamerunschafe dafür, dass das Plateau frei bleibt. Auch auf dem Wartberg sind Tiere aktiv. Zurzeit laufen Pflegemaßnahmen auf dem Maderstein, dort geht es den Schlehenbüschen an den Kragen. „Diese Arbeiten laufen unter dem Titel Naturschutz“, sagt Seifert-Rösing. Denn mit dem Freihalten der Kuppen werden andere, seltene Pflanzen geschützt.

Auf dem vulkanischen Untergrund gedeihe eine besondere Vegetation, erläutert Ingo Seifert-Rösing. Da hohe Bäume fehlen, wird es im Frühjahr und Sommer schnell heiß und trocken, dadurch haben für die Breitengrade eher ungewöhnliche Pflanzen eine Chance, zum Beispiel solche mit dicken, behaarten Blättern. „Wachsen die Kuppen zu, verschwinden diese Pflanzen wieder“, sagt der Experte. Auch der Nacken zwischen Gudensberg und Dorla gehört zu den schützenswerten Kuppen, dort wächst zum Beispiel die Steppenfackel auf dem Magerrasen.

Eigenes Konzept

Für den Scharfenstein wird ein eigenes Pflege- und Schutzkonzept entwickelt. Er hat mit seinen kantigen Felsen ein ganz besonderes Aussehen und wird deshalb von Kletterern gern genutzt.

Auch dort soll der wilde Bewuchs eingedämmt werden, damit die ungewöhnliche Flora auf Dauer eine Lebenschance hat.

Von Ulrike Lange-Michael

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