Gegen Leerstand im Ortskern

Baulotsen sollen ungenutzte Flächen im Schwalm-Eder-Kreis koordinieren

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Zuständig für Wabern: Frank Trautmann ist von der Leader-Region Schwalm-Aue als Baulotse ausgewählt worden. Im Hintergrund sind die Reste des Hofes Hocke in Zennern zu sehen, wo derzeit Stück für Stück ein Neubaugeb iet entsteht.

Leer stehende Gebäude in den Ortskernen – ein Problem, das im Schwalm-Eder-Kreis längst bekannt ist. Während an den Rändern ein Neubaugebiet nach dem nächsten entsteht, verschwindet das Leben aus der Ortsmitte mehr und mehr. Das soll sich ändern. 

Der Verein Regionalentwicklung Schwalm-Aue hat für die sechs Kommunen der Leader-Region ein Projekt entwickelt, mit dem er dem sogenannten Donut-Effekt entgegenwirken will. In einem Online-Kataster wird derzeit erfasst, wie es tatsächlich um die Baulücken und Gewerbe-Leerstände bestellt ist. „Wir setzen dafür die Einwohnerdaten jeder Kommune mit der vorhandenen Wohnfläche ins Verhältnis“, erklärt Sonja Pauly vom Regionalmanagement Schwalm-Aue. 

Im Herbst dieses Jahres soll es mithilfe der erhobenen Daten an die Umsetzung gehen. Einer der Vorschläge: Geschulte Baulotsen, also Mitarbeiter der jeweiligen Liegenschaftsämter und Bauverwaltungen, sollen leer stehende Gebäude und ungenutzte Flächen koordinieren und Interessenten als Ansprechpartner zur Verfügung stehen. 

Mit Workshops und kostenlosen Beratungen will der Verein Einwohner dafür sensibilisieren, dass es sich auch in älteren Gebäuden im Ortskern zu leben lohnt. Was ist bei einer energetischen Sanierung zu beachten? Was sind die Vorzüge einer Altbauwohnung? All diese Fragen sollen in den Gesprächen geklärt werden. 

„Es ist ganz wichtig, die landwirtschaftlichen Flächen an den Rändern zu schonen und stattdessen die Ortskerne wiederzubeleben“, betont Claus Steinmetz, Waberner Bürgermeister und Vorsitzender des Vereins. Durch die Neubaugebiete werde immer wieder wertvoller Boden verbraucht, obwohl innerhalb des Ortes schließlich genügend Platz wäre. 

Hessenweit werden täglich drei Hektar an Wiesen- und Ackerflächen durch Verkehrs- und Siedlungsbauten ersetzt. Dies soll sich durch das neue Vorhaben ändern.

Schon mehr als 100 Projekte gefördert

Wabern, Borken, Neuental, Schwalmstadt, Willingshausen und Schrecksbach – das sind die sechs Kommunen, die zur Leader-Region Schwalm-Aue gehören. Schon seit 12 Jahren ist die Region Teil des EU-Förderprogramms zur Entwicklung des ländlichen Raumes. In der zweiten Periode bis 2020 wird die Region mit etwa zwei Millionen Euro gefördert. Insgesamt sind bereits 108 Projekte mit rund 3,4 Millionen Euro bezuschusst worden.

Er ist Baulotse in Wabern

Welche Gebäude stehen leer? Lohnt es sich, das Haus zu sanieren? Was passiert mit dem alten Bauernhof, in dem schon seit Jahren niemand mehr lebt? Für diese Fragen gibt es in Wabern einen Ansprechpartner. Frank Trautmann ist Bauamtsleiter und bald auch einer der Baulotsen aus dem Projekt der Leader-Region Schwalm-Aue.

„In meiner Funktion als Baulotse wird es vor allem darum gehen, Kontakte herzustellen“, erklärt Trautmann – und zwar zwischen den Inhabern alter Bauruinen und den potenziellen Kaufinteressenten. Über allem steht das Motto: Leerstand in den Ortskernen vermeiden. „Dafür gibt es in Wabern und seinen Ortsteilen abgesehen vom Baulotsen-Projekt bereits ganz verschiedene Strategien“, so Trautmann.

Da wäre zum Beispiel das Baugebiet „Im Oberdorf“ in Zennern. Auf dem etwa 6000 Quadratmeter großen Grundstück des ehemaligen Hofes Hocke sind durch die Gemeinde acht neue Bauplätze entstanden. Drei neue Wohnhäuser stehen schon. „Auch solche Vorhaben sorgen dafür, das Leben wieder in die Ortskerne zu verlagern“, sagt Bürgermeister Claus Steinmetz.

Ein weiteres Gebäude, das die Gemeinde erworben hat und gern für einen sinnvollen Zweck umfunktionieren möchte, ist die alte Molkerei an der Bahnhofstraße in Wabern. „Die Straße wird gerade saniert, der alte Bahnhof wurde bereits wieder hergerichtet – da ist so eine alte Bauruine ein Störfaktor“, sagt Trautmann. Was genau mit der Molkerei passiert, ist noch nicht klar: „Ob ein Gebäude abgerissen oder saniert werden muss, ist immer Abwägungssache.“ Unter anderem sei die Bausubstanz entscheidend dafür, ob noch Geld investiert werde. Sobald das Projekt der Leader-Region Schwalm-Aue in die Umsetzung geht, gibt es einen kompletten Überblick über die zuständigen Baulotsen der Kommunen.

Als Bauamtsleiter der Gemeinde Wabern ist Frank Trautmann schon jetzt unter 0 56 83 / 50 09 50 und bauamt@wabern.de zu erreichen.

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