In Niedermöllrich hat eine Gruppe einen alten Stollen wieder zugänglich gemacht

Ein Bergwerk lebt auf

Niedermöllrich. Tief unter der Landstraße zwischen Cappel und Niedermöllrich waren einst Bergleute zugange. Sie förderten Eisenerz aus dem Boden. Jetzt hat eine Gruppe aus dem Dorf dafür gesorgt, dass Teile des alten Stollens wieder zugänglich sind.

Bereits 1867 wurde das kleine Bergwerk als Holzhäuser Grube III vermerkt, hat der Geologe Dr. Günter Berthold herausgefunden. Gefördert wurde dort allerdings nichts. Offenbar ging es den Betreibern zunächst nur darum, das Erzvorkommen zu sichern.

Erst im Zweiten Weltkrieg änderten sich die Vorzeichen. Die Nationalsozialisten wollten Deutschland unabhängig von anderen Ländern machen. So wurde versucht, auch noch den letzten Rest an Rohstoffen aus dem Boden zu holen.

Förderung lohnte sich nicht

Für Niedermöllrich bedeutete das: Nun wurde tatsächlich Eisenerz aus dem Stollen geholt, der direkt am Ufer der Eder beginnt. Von 1939 an lief der Betrieb drei oder vier Jahre. Erfolgreich war das Unternehmen im wirtschaftlichen Sinne nicht. „Es hat sich nie gelohnt“, sagt Dr. Berthold.

Ein Lokschuppen, eine Verladerampe, ein Wetter- und ein Förderschacht gehörten unter anderem zu der Anlage. Später diente der Tunnel den Niedermöllrichern als Schutz vor Bombenangriffen. Dramatisch muss es am 30. April 1945 zugegangen sein.

Die Ederbrücke war gegen die anrückenden Amerikaner gesprengt worden. Das konnte die US-Truppen jedoch nicht aufhalten. Da die Amerikaner wohl im Stollen feindliche Soldaten vermuteten, soll es zu einem Schusswechsel gekommen sein. Doch die weiße Fahne war gehisst, und es gab keine Toten.

Noch heute gibt es im Stollen Spuren der Zeit. Liebespaare hatten Herzen, ihre Initialen und die Jahreszahl 1944 in die Mauersteine geritzt.

Als Spielplatz zu gefährlich

Eine Zeitlang spielten nach dem Krieg noch Kinder im Stollen, der früher einmal länger als einen Kilometer war. Doch das erschien den Eltern bald als zu gefährlich, der Tunnel wurde gesperrt.

Bis sich anlässlich der 800-Jahrfeier 2009 eine Gruppe rund um den ehemaligen Ortsvorsteher Herbert Jahn der Sache annahm.

Mit viel ehrenamtlicher Hilfe und Unterstützung der Gemeinde wurden auf 25 Metern Länge die erhaltenen Mauern ergänzt. Den Stollen verschließt jetzt ein Tor mit der bergmännischen Aufschrift „Glück auf!“. Für Besucher kann es zu besonderen Anlässen geöffnet werden. In der Regel wird es aber verschlossen sein. Durch die Sitzbänke vor dem Eingang kann der Stollen dennoch zu einem Ausflugspunkt an der idyllischen Eder werden. 

Eröffnung: Samstag, 14. August, ab 14 Uhr. Strandweg, Niedermöllrich. Vortrag von Geologe Dr. Berthold, Kuchen, Getränke, Bratwurst, volkstümliche Musik.

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