Vor 25 Jahren

Trabi reihte sich an Trabi: Fritzlarer erinnert sich an Grenzöffnung

Grenzgänger: Michael Schran aus Fritzlar lebte in Heringen, als vor 25 Jahren die Grenze zwischen Ost- und Westdeutschland geöffnet wurde. Als klar war, dass die Menschen aus dem Osten ungehindert in den Westen kommen können und sich auf den Straßen Trabi an Trabi reihte, feierte Michael Schran mit Freunden und Fremden das Ereignis und war so mitten im Geschehen dabei. Foto: Eberlein

Fritzlar. Trabi reihte sich an Trabi, als Michael Schran aus Fritzlar am 9. November 1989 mit Freunden zur DDR-Grenze fuhr.

Er kann sich noch genau erinnern, wie er zwei Tage lang mit Fremden das historische Ereignis feierte.

„Der Abend des 9. November 1989 ist ein Abend, an den ich mich gerne erinnere“, sagt der 50-Jährige, der damals in Heringen im Kreis Hersfeld-Rotenburg lebte. Er war mit der innerdeutschen Grenze groß geworden - in Dankmarshausen, unweit von Heringen, war ein Grenzübergang.

„Wir fuhren ganz langsam an jedem Wagen vorbei, klatschten uns mit den Fahrern ab und freuten uns mit den Menschen, die uns da entgegen kamen.“

Am besagten Abend packte Michael Schran seine Sporttasche, um mit Freunden zu einem Squashspiel zu fahren, als er im Fernsehen die Pressekonferenz mit dem ehemaligen SED-Politiker Günter Schabowski sah. „Ich habe das zwar gehört, aber nicht weiter beachtet“, berichtet Schran. Welche Bedeutung diese Worte hatten, merkte er erst Stunden später. „Als wir aus der Squashanlage kamen, hatten wir einen eigenartigen Geruch in der Nase und hörten komische Geräusche.“ Erst nachdem die Zahl der Trabis, die an den Sportlern vorbeifuhren, immer größer wurde, erinnerte sich Michael Schran an das, was er Stunden zuvor im Fernsehen gehört hatte.

Eine lange Autoschlange 

Er beschloss, mit seinem Freund Martin Suppes und seiner damaligen Freundin Kerstin Heß zum Grenzübergang zu fahren. Was sie dort vorfanden, werden die drei wohl nie vergessen: Dort reihte sich Trabi an Trabi. „Wir waren die einzigen, die nach Osten fuhren. Die Autoschlange auf der anderen Seite schien nicht zu enden. Wir fuhren ganz langsam an jedem Wagen vorbei, klatschten uns mit den Fahrern ab und freuten uns mit den Menschen, die uns da entgegen kamen.“

Bis zur Raststätte bei Herleshausen kamen die Drei, dann stiegen sie aus und stürzten sich in die feiernde Menge. „Ein Mann ist mir bis heute im Gedächtnis geblieben“, erzählt Michael Schran. „Der saß uns mit ölverschmierten Händen gegenüber und berichtete, das er die Meldung gehört habe, als er gerade sein Moped reparierte. Keinen Moment habe er gezögert, sich auf sein Vehikel geschwungen und sei losgefahren. Bis nach Herleshausen war er gekommen, dann habe sein Moped den Geist aufgegeben.“

Auch am nächsten Tag feierte Michael Schran mit Freunden und Fremden weiter und war mitten drin im Geschehen. Was daran denn so besonders sein soll, fragt Ehefrau Gaby Schran scherzhaft. Sie selbst hat keine Erinnerungen an den Abend der Grenzöffnung. „Wer nicht dabei war, der kann sich das wahrscheinlich auch nicht vorstellen“, sagt Michael Schran. Für ihn wird es immer ein unvergessliches Ereignis bleiben.

Von Christl Eberlein

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