Satiriker im Schwalm-Eder-Kreis

Bernd Gieseking in Borken: Manchmal hilft nur noch Satire

Der Kabarettist und einer seiner größten Fans: Zu Bernd Giesekings Auftritt in Borken kam am Donnerstagabend auch Horst Rommel aus Borken (rechts). Er feierte dort seinen 77. Geburtstag.
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Der Kabarettist und einer seiner größten Fans: Zu Bernd Giesekings Auftritt in Borken kam am Donnerstagabend auch Horst Rommel aus Borken (rechts). Er feierte dort seinen 77. Geburtstag.

Wenn es ein nordhessisches Urgestein in Sachen politischer Satire gibt, dann ist das Bernd Gieseking. Auf seinen Jahresrückblick freuen sich viele im Voraus – Horst Rommel aus Borken ist einer von ihnen. Schon seit zehn Jahren fährt er überall dorthin, wo Gieseking in der Region zu sehen ist.

Borken – Ob es an der Schnapszahl lag oder an diesem besonderen Corona-Jahr – am Donnerstagabend bereitete der Kabarettist dem Borkener jedenfalls eine echte Freude – mit seinem Auftritt just an dessen 77. Geburtstag in seiner Heimatstadt.

„Toll, dass ich heute nicht einmal weit fahren muss“, so Rommel, der die Karten für den satirischen Jahresrückblick mit Bernd Gieseking jedes Jahr von seinem Nachbarn zum Geburtstag geschenkt bekommt. Ein treuer Fan seit zehn Jahren – dies ließ selbst den Kabarettisten fast verstummen: Er schenkte Rommel spontan eines seiner Bücher – frisch signiert versteht sich.

Kabarett in Corona-Zeiten ist ein dickes Brett, denn für Tuchfühlung mit dem Publikum gibt es kaum Gelegenheit, und das Lachen droht fast bei jeder Pointe im Halse stecken zu bleiben. Am Thema Pandemie kommt 2021 keiner vorbei, doch manchmal hilft nur noch lächeln, das dachte an diesem Abend nicht nur Horst Rommel.

Das Borkener Bürgerhaus war licht besetzt, fein geordnet im Schachbrettmuster, Abstand halten fiel nicht schwer. Umso schöner, dass die Veranstaltung in diesen verrückten Corona-Zeiten stattfand – knapp 50 Besucher interessierten sich für Giesekings satirischen Jahresrückblick. „Ohne Corona hätten locker 120 Leute da sein können“, sagte Sonja Lehmann von der Buchhandlung Bücherwurm, die die Veranstaltung organisiert hatte.

Bernd Gieseking in Borken: Auch Corona war Thema in der Show des Satirikers

Gieseking hatte mit seiner Zugabe„Hymne für Drosten“ Sprachgewandtheit und Witz bewiesen – so schnell, wie auch dieses Jahr verflogen ist, in dem Corona den ersten Geburtstag feierte und überhaupt alles wiederkommt, was schon einmal da gewesen war: Sogar „TV total“ und „Wetten, dass...“, Abba und die Beatles. „Selbst der Kanzler war schon mal Vize“, so Gieseking auf Olaf Scholz bezogen. „Was machen Singles in der Pandemie, in dem fast jedes Kennenlernen unmöglich scheint?“, fragt sich Gieseking: „Früher gab es Verlobung, heute gibt es PCR-Tests“, so der Wahl-Nordhesse, Jahrgang 1958 bei seinem Gang durchs Jahr 2021. „Neue Namen hat das Land“, so der gelernte Zimmermann zur Situation nach der Bundestagswahl.

Kräftiger Beifall nach dem fiktiven Telefonat mit Noch-Gesundheitsminister Jens Spahn, für das Gieseking ein graues Drehscheiben-Telefon mit auf die Bühne brachte – Erinnerung an eine Zeit längst vor Covid 19: Warum er denn die Impfzentren habe schließen lassen? „Ich habe mit der neuen Welle erst später gerechnet, habe mich verzählt“, lässt Gieseking Spahn sprechen. „Corona hat das ganze Jahr bestimmt“, so die nüchterne Bilanz des Kabarettisten. Das ist nichts Neues, aber da hilft oft nur noch lachen, schmunzeln, Kopfschütteln sowieso, so wollte man in diesen mal bittersüßen, mal komischen, aber nie langweiligen anderthalb Stunden meinen.

Von Kerstin Diehl

Termine

Sonntag, 5. Dezember, 18 Uhr „Hotel zum Stern“, Oberaula; Sonntag, 16. Januar, 18 Uhr, Bürgerhaus Gudensberg; Online-Karten unter bernd-gieseking.de

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