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Beteiligte an der d15 aus dem Landkreis über die Antisemitismus-Debatte

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Von: Maja Yüce

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Hat die Arena im Ruru-Haus ausgestattet: Teja Habbishaw von der Teppichmanufaktur aus dem Homberger Stadtteil Rückersfeld. Außerdem hat er Sitzteppiche für die Besucher hergestellt.
Hat die Arena im Ruru-Haus ausgestattet: Teja Habbishaw von der Teppichmanufaktur aus dem Homberger Stadtteil Rückersfeld. Außerdem hat er Sitzteppiche für die Besucher hergestellt. © documenta und museum fridericianum gGmbH/Nicola Wefers

Documenta-fifteen-Teilnehmer aus dem Schwalm-Eder-Kreis äußern sich zu den Antisemitismusvorwürfen, denen die Kunstausstellung wiederholt ausgesetzt ist.

Schwalm-Eder – Das auf der documenta fifteen wegen Antisemitismusvorwürfen in die Kritik geratene und mittlerweile entfernte Gemälde „People’s Justice“ sorgt auch bei den Teilnehmern der Kunstausstellung aus dem Schwalm-Eder-Kreis für Gesprächsstoff. Denn bei ihnen war und ist die Freude groß, dass auch lokale Akteure von den Kuratoren, dem Künstlerkollektiv Ruangrupa, gesehen werden.

Bei der Weltkunstausstellung in Kassel dabei sind die Kulturinitiative Landrosinen und die Waberner Werkstätten mit künstlerischen Beiträgen. Dabei ist auch die Teppichmanufaktur Habbishaw aus Rückersfeld mit Sitzteppichen und die Weberei Egelkraus aus Trutzhain mit Schals, die im Shop der d15 gekauft werden können.

Antisemitismusvorwürfe: Teilnehmer der documenta fifteen aus dem Landkreis äußern sich

Dass Antisemitismus weder bei einer Kunstausstellung noch insgesamt in der Gesellschaft Platz haben darf, ist für Silvia Pahl und Klaus Wilmanns vom Theater „3 hasen oben“ selbstverständlich. Sie nehmen mit einer Präsentation im Ruru-Haus an der documenta teil. „Die große Wunde Deutschlands steht jetzt im Mittelpunkt. Das ist traurig für die Kunst. Da ist offenbar im Vorfeld vieles schief gelaufen“, sagt Pahl.

Das sei schade und ein Desaster für die Kunst. Denn die documenta 15 habe viele wichtige und auch elementare Themen im Fokus – etwa, dass Künstler aus dem globalen Süden mit ihrer Kunst dem Westen den Spiegel vorhalten. Als Beispiel dafür nennt sie das Kunstwerk „Return to the sender“ des ostafrikanischen „The Nest Collective“, welches europäischen Elektronik-Schrott zurück zum Herkunftsort gebracht und in Ballen gepresst in der Karlsaue deponiert hat.

„Es ist traurig, wenn diese Themen nun untergehen.“ Und: Auch der Ansatz der Kuratoren Ruangrupa, Kunst für alle von allen zu präsentieren, sei wichtig. „Es ist ein auf den Kopf stellen der Idee, dass Kunst Stars und große Namen braucht“, sagt Pahl. Die Schlussfolgerung aus der Antisemitismus-Debatte dürfe nun aber nicht sein, dass man die Kunst boykottiere. Vielmehr brauche es einen differenzierten Blick auf die documenta 15. „Mir fehlen aktuell auch noch zu viele Informationen, um mir ein abschließendes Bild zu machen“, sagt Pahl. Die aktuelle Diskussion berühre aber ihre Teilnahme an der documenta nicht, sagt sie.

documenta fifeteen: Es werden viele wichtige Themen aufgegriffen

Nicht beeinflussen lassen will sich Udo van der Kolk von der Weberei Egelkraut aus Trutzhain, die Schals für den documenta liefert, von der Debatte. „Sie wird sich nicht auf unser Produkt auswirken, aber sicher nicht schadlos an der documenta vorübergehen“, sagt er im HNA-Gespräch. Insgesamt sei die ganze Diskussion aber sehr aufgeheizt, so seine Einschätzung. Das in die Kritik geratene Gemälde „People’s Justice“ werde ja auch nicht zum ersten Mal gezeigt, „das ist 20 Jahre alt“, sagt van der Kolk.

Es gebe auf der documenta jede Menge sehr wichtige Themen, die von den Künstlern aufgegriffen werden, sagt auch Teja Habbishaw. „Es wäre schade, wenn diese Themen jetzt nicht mehr beachtet und die Künstler durch die Diskussion um die documenta einen Schaden erleiden“, sagt er. Aber ganz klar sei, dass Antisemitismus bei der documenta keinen Platz haben dürfe.

Er hoffe, dass die Aufbruchsstimmung für die die documenta eben auch stehe, erhalten bleibe und das Bewusstsein für Antisemitismus durch die Diskussion geschärft werde. Auf seine positive Grundstimmung zur documenta wirke sich die Diskussion derzeit noch nicht aus, so der Chef der Teppichmanufaktur. „Unser Produkt werden wir nicht zurückziehen“, sagt Habbishaw mit Blick auf die Sitzteppiche. Sollten aber weitere Kunstwerke auftauchen, die antisemitisch oder auf andere Art menschenverachtend seien, werde er darüber neu nachdenken. Es sei wichtig, dass die Diskussion laufe und weitergeführt werde, damit die documenta danach bereinigt zu Ende gebracht werden könne. (Maja Yüce)

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