Blankes Entsetzen im Dom: Das sagen Mitarbeiter

Fritzlar. Bis zum Spätnachmittag war am Freitag die Welt im Fritzlarer Dom noch in Ordnung. Dann machte die Nachricht über die Verhaftung eines Priesters die Runde. Wir konfrontierten ehrenamtliche Mitarbeiter mit diesem Schock.

Wolfgang Hehenkamp hatte gerade eine Führung von Besuchern aus Karlsruhe beendet, als er hörte, was da passiert war. Der Fritzlarer Katholik brachte nur einen Satz raus: „Ich bin entsetzt.“ Nicht anders war es im Klosterladen, wo allerlei Seifen, Düfte und Wässerchen verkauft werden. Dienst hatte gestern Nachmittag Dorothea Pristl, ebenfalls eine Ehrenamtliche, die sich in der Gemeinde engagiert und mit ganzer Kaft einsetzt.

 „Das kann ich gar nicht glauben“, sagte sie und war den Tränen nahe. Nach der ersten Nachricht vor einigen Wochen in der HNA, in der ein Verdacht formuliert war, hätten viele geglaubt, das alles sei nur an den Haaren herbeigezogen. Ein Vater, der darum bat, seinen Namen nicht zu nennen, fiel aus allen Wolken. Eine leise Ahnung hatte der Mann, dessen Kind Messdiener ist, schon vor Wochen gehabt. „Seitdem habe ich schlaflose Nächte.“

Aber: Sein Sohn, das wisse er jetzt, sei nicht betroffen. Die Missbrauchsfälle in der katholische Kirche sind für Georg Schmitt, Sprecher des Fuldaer Kreises für offene Kirche, der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen bringt: „Was muss denn noch alles passieren, damit sich die Kirche verändert?“, fragte der Mediziner aus Homberg. Er forderte, dass sich die katholische Kirche nicht am Phänomen des Zölibats abarbeitet, sondern sich endlich fragt, welche grundlegenden Dinge schief laufen.

Transparenz und Offenheit in allen Missbrauchsfällen würde vielleicht verhindern, dass Priester mit pädophilen Strukturen einen Platz in der Kirche finden, die ihnen bislang einen abgeschotteten Raum geboten hat. Der Zwang zum Zölibat vergraule viele junge Menschen, die sich nicht vorstellen könnten, auf eine partnerschaftliche Beziehung zu verzichten.

Hinweise: Missbrauchsbeauftragte des Prämonstratenserpriorats Rechtsanwältin Meike Schoeler, Tel. 05622/1771, E-Mail: mschoeler@raschoeler.de

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