Boeing 757 zog ihre Runden

Boeing war eine Stunde im Tiefflug über dem Schwalm-Eder-Kreis

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Rundflug wegen technischem Problem: Um Kerosin zu verbrennen, musste eine solche Boeing 757 von Condor – wie auf unserem Symbolbild – über dem Schwalm-Eder-Kreis sieben Schleifen fliegen.

Schwalm-Eder. Eine Passagiermaschine ist mit ausgefahrenem Fahrwerk eine Stunde in geringer Höhe über dem Schwalm-Eder-Kreis geflogen. Grund soll ein technischer Defekt gewesen sein.

Aktualisiert um 9.40 Uhr - Siebenmal drehte das Flugzeug vom Typ Boeing 757 am 19. Mai zwischen Neukirchen und Felsberg seine Runden. Da die Maschine bei dem Manöver in einer Höhe von 3000 Metern flog, war sie vom Boden aus gut zu sehen.

Jeweiliger Endpunkt der elliptischen Bahnen des Fliegers waren Felsberg und Neukirchen. Erst gegen 18.30 Uhr setzte der Flieger seinen Weg nach Frankfurt fort, um dort zu landen. Ungewöhnlich: Bei den Warteschleifen hatte die Boeing ihr Fahrwerk ausgefahren.

Wie die Fluggesellschaft Condor auf Nachfrage mitteilte, war die Boeing (Flug DE 1440) von Hamburg aus auf den Weg nach Fuerteventura. Wegen einer technischen Fehlermeldung habe sich der Pilot entschlossen, in Frankfurt zu landen, so eine Pressesprecherin. Zu Art und Umfang des Problems machte Condor keine Angaben.

Pilot verflog Kerosin, statt es abzulassen

Um in Frankfurt landen zu können, musste das Gewicht des Flugzeugs reduziert werden. Der Pilot habe sich dann dazu entschlossen, das Kerosin vor der Landung zu verbrennen, erklärte die Sprecherin. Statt Treibstoff notfallmäßig abzulassen, verflog der Pilot also das Kerosin. „Um den Luftwiderstand zu erhöhen, wurde auch das Fahrwerk ausgefahren.“ Nach sieben Runden hatte sich das Gewicht soweit reduziert, dass die Boeing landen konnte.

Das Startgewicht der 757 beträgt laut Hersteller rund 122 Tonnen, das Landegewicht dagegen nur 101 Tonnen. Vollgetankte Flugzeuge dieses Typs würden ein zu hohes Gewicht aufweisen, um gefahrlos landen zu können, erklärte die Sprecherin: „Das Flugzeug ist sicher und ohne Vorkommnisse am Frankfurter Flughafen gelandet.“

Wie Condor weiter mitteilte, bestand zu keiner Zeit Gefahr für Fluggäste oder Besatzung. Man habe die Passagiere bis zu ihrem Weiterflug nach Fuerteventura in Hotels untergebracht, so die Pressesprecherin.

(Komplette Grafik: Bild oben rechts vergrößern)

Warteschleifen sind eher Ausnahmen

Dass es sich bei den Schleifen um ein bewusstes Manöver gehandelt haben soll, sieht man auch daran, dass Warteschleifen heutzutage eher ungewöhnlich sind, da die Luftraumkapazität anders als in den 1970er- und 1980er-Jahren bereits vor dem Flug kalkuliert werde, so die Deutsche Flugsicherung (DFS). Dadurch dass Startzeitfenster - sogenannte Slots - vergeben werden, verbringen Flugzeuge die Wartezeit am Boden und können in der Regel verzögerungsfrei bis zum Ziel fliegen.

Klassische Warteschleifen seien nur in Ausnahmefällen - beispielsweise bei Gewittern - erforderlich, wenn Kapazitäten über dem Zielflughafen kurzfristig abgesenkt werden müssen, sagt ein  Sprecher der Flugsicherung - und erteilt Gerüchten über eine Neuordnung des Luftraums zulasten Nordhessens eine Absage: „Grundsätzlich gibt es unsererseits keine Verfahrensänderungen in diesem Bereich.“

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