Fristen verjähren

30 Jahre Grubenunglück Stolzenbach: Es wurde nie ein Schuldiger benannt

Gerettet (von links): Heinz Röse, Wilfried Dönch, Helmut Gessner, Ahmet Batkan, Egon Dehn und Thomas Geppert am 4. Juni 1988

Borken. Die Staatsanwaltschaft hat das Buch früh zugemacht: Beim Grubenunglück von Stolzenbach, das sich am Freitag zum 30. Mal jährt, ist nie ein Schuldiger benannt worden worden.

Daran wird sich auch nichts mehr ändern: Strafrechtlich ist das das Unglück längst verjährt, am Freitag enden auch alle zivilrechtlichen Fristen.

Nur 16 Monate nach der Katastrophe, bei der 57 Bergleute starben, acht verletzt und sechs gerettet wurde, hatte die Staatsanwaltschaft im Oktober 1989 die Ermittlungen einstellt. Die Begründung: Nach dem damaligen Stand von Wissenschaft und Technik sei eine solche Explosion, wie sie sich 1988 in Stolzenbach ereignet hatte, niemals für möglich gehalten worden.

Doch längst sind Experten nicht mehr sicher, ob diese Erklärung der Justiz nach drei Jahrzehnten so stehen bleiben kann. Denn vor acht Jahren hatten Reporter des Hessischen Rundfunks in einem Archiv ein Gutachten entdeckt, das bereits Ende der 60er-Jahre – 20 Jahre vor dem Unglück – der damaligen Betreiberfirma PreußenElektra (Preag) und auch hessischen Bergämtern vorlag.

Ingo Sielaff

Der Inhalt belegt, dass es bekannt war, dass trockener Braunkohlestaub als hochexplosiv bekannt war. Der Gesteinssprengstoff Donarit 1, wie er in Stolzenbach verwendet wurde, war damit der völlig falsche. Denn Donarit 1 war preisgünstiger als andere Sprengstoffe – aber alles andere als sicher. Wegen der Gefahr eines enormen Funkenfluges hätte er nur zu Sprengungen grubenfeuchter Kohle verwendet werden dürfen, sagt Ingo Sielaff, Leiter des Borkener Bergbaumuseums.

Der Historiker hat im vorigen Jahr im Bergarchiv Clausthal-Zellerfeld zusätzliche Dokumente eingesehen. Sie bestätigen die Vermutungen, dass Fachleute die Gefahren in der Grube Stolzenbach kannten. Dennoch kann niemand mehr Klage erheben: Jede Frist ist abgelaufen. 

Lesen Sie auch mehr zum Grubenunglück von Stolzenbach im Regiowiki. Außerdem finden sich auf HNA.de historische Fotos

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