Ausbau-Befürworter machen an Stockelache und in Schlierbach mobil

A 49-Demo: Mit lautem Trillern gegen die Gegner

Zahlreiche Befürworter der A49 haben sich mit bunten Bannern um Norbert Heller, Initiator der Demo, versammelt. Er macht seine Position mit einem Megafon deutlich.
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Viele machten für den Autobahn-Ausbau mobil: An der Stockelache in Borken haben sich am Samstag zahlreiche Menschen getroffen, um ihre Meinung kundzutun. Norbert Heller von der Bügerinitiative Pro A 49 machte seine Position über ein Megafon deutlich.

Bereits zum vierten Mal taten die Gegner des A 49-Weiterbaus ihre Meinung kund, in dem sie über die gesperrte Autobahn fuhren. In Borken und Schlierbach trafen sie auf A 49-Befürworter, die ordentlich mobilisiert hatten.

„Wenn es den Lückenschluss schon vor 40 Jahren gegeben hätte, hätte unsere Region nach der Wiedervereinigung stark profitiert. Die A 49 ist eines der wichtigsten Infrastrukturprojekte Nordhessens“. Als Lothar Klitsch aus Jesberg diese Worte sagt, bricht ihm die Stimme, in seinen Augen stehen Tränen. Er ist am Samstagmittag einer der Ersten an der Stockelache in Borken. Bis zur Durchfahrt der Rad-Demonstranten, die sich gegen den Weiterbau der Autobahn aussprechen, wird auf dem Parkplatz des Sees kaum noch ein Stellplatz zu finden sein. Etwa 250 Autobahn-Befürworter haben mobil gemacht.

In kleinen Gruppen stehen sie da, hier und dort entrollt ein Befürworter ein Banner, hängt sich sein Plakat um. Die Stimmung ist gelöst, in sicherem Abstand und ausgestattet mit Mund-Nasen-Schutz, den an diesem Tag nahezu alle vorbildlich tragen, unterhält man sich. Einer sagt: „Heute zählt doch nicht, ob man links ist oder rechts. Heute geht es um die Sache.“ Um die eine Sache, die sie eint: Kinder, Frauen, Männer – alle von ihnen wollen den Ausbau der A 49, wollen eine Entlastung der stark befahrenen Bundesstraße.

Der neue Autobahnabschnitt ist wichtig für die Anwohner der Bundesstraße. Das wird an diesem Samstag in Borken deutlich. Die einen wollen die A 49, um täglich zur Arbeit zu kommen, die anderen erhoffen sich eine Lärmberuhigung in ihrem Wohnort. Als der Parkplatz gegen 12.30 Uhr voller und voller wird, ruft Norbert Heller, Organisator der Demo, die Menschen zusammen. „Ich habe gerade gehört, dass 40 Radfahrer auf dem Weg sind. Ich habe 60 Trillerpfeifen gekauft“, sagt er und sorgt damit für Gelächter.

Während sich die Ausbau-Befürworter allmählich an der Landesstraße in Richtung Borken versammeln, ihre Plakate und Banner aufstellen und auch die Polizei in Wartestellung ist, radeln die A 49-Gegner über die Autobahn. Von Kassel aus haben sie sich auf den Weg zum Dannenröder Forst gemacht, bei Wabern geht es nach einer Kundgebung für sie auf die Autobahn, die für sie gesperrt wurde. Von 37 Teilnehmern berichtet die Polizei. Banner mit der Aufschrift „Nö 49“ flattern an ihren Rädern. Sie fühlen sich nach wie vor im Recht. „Auch im Dannenröder Forst ist täglich eine große Zahl an Polizisten im Einsatz. Unsere Demo ist ein Spiegel dessen“, berichtet Finn Becker, Mitinitator der Rad-Demo. Würde der Polizeieinsatz zurückgefahren, würde auch der Protest der Aktivisten beendet, macht er im HNA-Gespräch klar.

Über die gesperrte Autobahn: Von Wabern bis Borken konnten die Ausbau-Gegner über die A 49 fahren.

Nach Meinung zahlreicher Gegendemonstranten macht die Polizei einen guten Job. Als die ersten Durchsagen der Einsatzkräfte ertönen, brandet Applaus auf. Dennoch müssen die Beamten die Wartenden mehrfach darauf hinweisen, nicht auf die Fahrbahn zu treten. Es sei zu ihrer eigenen Sicherheit, heißt es. „Bisher gibt es keine Anzeichen von Krawall. Das ist super“, sagt Sascha Nette, Mitorganisator der Befürworter-Demo. „Wir wollen friedlich bleiben.“

Als die knapp 40 Radfahrer von der Polizei begleitet auf der Landesstraße auftauchen, werden die Demonstranten laut. Buhrufe, lautes Pfeifen und der eine oder andere beleidigende Zwischenruf ertönen. Die A 49-Gegner indes bleiben entspannt, winken. Simon Volkers von der Initiative „Wald statt Asphalt“ macht die Politik verantwortlich für die Situation. Innerhalb weniger Minuten sind die Raddemonstranten an der Gruppe vorbeigezischt. Einer zeigt sich regelrecht enttäuscht: „Wie, das war’s schon?“, fragt er verblüfft, als der letzte Fahrradfahrer an ihm vorbeigezogen ist.

Erneute Wortgefechte kommen in Schlierbach auf. Laut Polizei bleibt es aber auch dort friedlich. Beide Gruppen tauschen ihre Argumente aus. In Sachen Verkehrsbelastung stimmten die Aktivisten den Ausbau-Befürwortern zu, äußert sich Gregor Anselmann, Wortführer der Ausbau-Gegner, gegenüber der HNA. „Die von Pkw- und Lkw-Verkehr ausgehenden Belastungen sind in der Tat unerträglich.“ Doch würde der Ausbau der Autobahn nicht für weniger, sondern mehr Verkehr sorgen. „Dieser Verkehrszuwachs wird sich nicht auf die A 49 beschränken, sondern auch den Verkehr auf Zubringerstraßen massiv erhöhen“, ist Anselmann sicher. (Chantal Müller und Daria Neu)

Eine Bilderstrecke zur Demo gibt es hier.

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