Rapper Prince Kay One: Ein Abend fürs Fotohandy

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Fünf Sterne für Partytauglichkeit: Rapper Prince Kay One und seine Fans legen Wert auf Coolness und den Haarschnitt. Bodyguards ersetzten beim Auftritt im Borkener Musikpark die Bühnendeko.

Borken. Es war eine dieser typischen „Heiße Luft"-Hip Hop-Partys, bei der beim Publikum die Kameraarbeit am Handy und das ritualisierte Abfeiern den inhaltlichen Rahmen dominierte.

Der aus Friedrichshafen stammende Rapper Prince Kay One, alias Kenneth Glöckler, sorgte im gut gefüllten Borkerner Musikpark Rom für mächtig Starkolorit und bewies, das man sich hinter einer zweitklassigen Hip-Hop- Veranstaltung in Hastings, Nebraska, nicht verstecken muss.

Die raue Ghetto-Kapitalismus-Hybris mit Porsche, Jacht und Chicas hat der Prinz erfolgreich adaptiert, und wäre da nicht der Diss mit Kollege Bushido, in dem er ihm die Nähe zur Mafia und Pädophilie unterstellte, könnte er ungestört seine Runden im Swimmingpool drehen.

Muskelbepackte Guards 

Rapper Prince Kay One

So ersetzen muskelbepackte Bodyguards die Bühnendeko und Vorsicht ist angesagt. Doch wer blickt schon hinter die Kulissen. Strategisches Marketing ist ein wichtiger Bestandteil der Szene, in der Haltung, Image und Auftreten fast alles bedeuten.

Die gute Nachricht ist, das seine Tracks fünf Sterne für Partytauglichkeit verdienen und dass die Fans, zumeist mit Migrationshintergrund, wissen, wie man sich dazu bewegt. Man geht cool und sexy miteinander um und legt großen Wert auf Haarschnitt, Outfit und Style.

Die schlechte Nachricht ist, dass außer „Hände in die Höhe“, „Wollt ihr Freibier“ und „Seid ihr lauter als die Münchner“ kreativ nicht viel über den Bühnenrand schwappte.

Doch diese Events sind so ausgelegt, dass sich jeder selbst feiert, und so bleibt für den Protagonisten nur die Rolle des Zeremonienmeisters. Niemand reflektiert an solch einem Abend den Text, hört auf die Arrangements oder checkt die Reime. Sch... drauf.

Bass ist angesagt, und die Schule und die Ausbildungstelle kann uns mal. Raus aus der deutschen Mühle und rein in die Illusion, dass es Hollywood im realen Leben vielleicht doch gibt.

Hip Hop von Prince Kay One ist eine Portion Tortilla für die Seele, und wer möchte schon darauf verzichten.

Böse Zungen behaupten, dass der deutsche Weichei-Rap von Cro und Konsorten dagegen wie Tofubällchen vom Tisch rollt.

Von Andreas Köthe

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