Medizinische Versorgung seit 74 Jahren 

Ärztepaar Gimbel schließt ihre Praxen in Borken 

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Geben schweren Herzens ihre Praxen auf: Die Gynäkologin Dr. Gudrun und der Allgemeinmediziner Dr. Wilhelm Gimbel schließen zum Jahresende ihre Praxen. Foto:  Claudia Brandau

Borken. Dieser Entschluss fiel ihnen alles andere als leicht: Frauenärztin Dr. Gudrun Gimbel und Allgemeinmediziner Dr. Wilhelm Gimbel schließen ihre Praxen.

Und zwar für immer. Damit endet in Borken nach 74 Jahren die medizinische Versorgung durch die Familie Gimbel. Auch Vater und Vorgänger Otto Gimbel hatte dort 46 Jahre lang praktiziert.

Die Nachricht von der Schließung der beiden Praxen bestürzt in Borken viele Menschen: „Es sind schon Tränen bei den Patienten geflossen“, sagt Wilhelm Gimbel. Er übernahm 1991 die Praxis, kennt viele Borkener im Wortsinne in- und auswendig.

Umso schwerer fällt es dem 68-Jährigen nun, Ende Dezember zu gehen – zumal es auch keinen Nachfolger gibt, der die Praxis weiterführen wird. „Ich habe mich jahrelang bemüht und gesucht, aber ohne Erfolg“, sagt der 68-Jährige. Jetzt hat er schweren Herzens beschlossen, in den Ruhestand zu wechseln. Zur Jahreswende stehen für alle deutschen Arztpraxen grundlegende teure technische Änderungen bevor – für Dr. Gimpel ein Zeichen dafür, dass genau jetzt der richtige Zeitpunkt ist, um zu gehen.

Der richtige Zeitpunkt ist es auch für Dr. Gudrun Gimbel, doch sieht ihre Situation anders aus, denn sie hat eine Nachfolgerin gefunden. Frauenärztin Dr. Bettina Spanknebel übernimmt die Praxis – verlegt sie allerdings aus der Borkener Krausgasse in die Treysaer Bahnhofstraße 18.

Dass die Arzträume in Borken leer stehen werden, hat sich das Ehepaar Gimbels wohl wirklich nie vorstellen können. So wie auch Vorgänger Dr. Otto Gimbel auf Fortschritt setzte und als einer der Ersten ein EKG anschaffte, waren die Gimbels unter den ersten Ärzten der Region, die über ein Ultraschallgerät verfügten. „Mein Vater war auch in dieser Hinsicht ein Vorbild“, sagt Dr. Gimbel. Seine Frau, die aus dem Altmühltal stammt, hatte er in Süddeutschland kennengelernt, wo die beiden auch gern geblieben wären. Doch damals gab es zu viele Ärzte und keine freien Arztsitze, heute gibt es, so verrückt es klingt, viele freie Sitze und keine Ärzte.

Die Beiden kehrten nach Borken zurück, übernahmen und eröffneten ihre Praxen. Bereut haben es die Gimbels nie: „Es ist schön in Nordhessen“, sagt die 65-Jährige. „Es war die ideale Region, um unsere beiden Kinder groß zu ziehen: Hier haben die Menschen noch Bodenhaftung.“

Und die Borkener haben auch einen Sinn für Wertschätzung: Neulich erhielt das Auto von Gimbel einen Brief. Eine ältere Patientin dankte darin dem Wagen, dass er den Doktor stets ohne Murren zu den Kranken bringe. Als Dankeschön dafür lege sie einen Tankgutschein bei: Ein paar Tropfen Benzin, schrieb sie, täten dem Motor bestimmt gut. Den Arzt bewegten diese Zeilen sehr. Aber der Brief wird auch nicht das letzte Dankeschön gewesen sein: Der Abschied zum Jahresende, das wissen die Gimbels schon jetzt, wird hart.

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