Der weite Weg aus Ankara

Ali Özdemir erarbeitete sich ein eigenes Dentallabor

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Hat Ehrgeiz und Erfolg: Ali Özdemir kam als 15-Jähriger allein aus Ankara. Heute führt er ein Dentallabor in Borken. Stehend Mitarbeiter Bernd Kuhnert.

Das ist eine Karriere, wie man sie nur aus amerikanischen Filmen kennt: Als Ali Özdemir 1972 seine Heimatstadt Ankara in Richtung Deutschland verließ, hatte er nichts.

Weder Geld noch Familie noch berufliche Pläne – dafür aber jede Menge Ehrgeiz. Der zahlte sich aus, denn heute betreibt der 63-Jährige ein großes Dentallabor in Borken.

Doch es war ein weiter Weg bis zum eigenen Labor mit vier Angestellten, zwei Aushilfen und einem Auszubildenden. 

Der begann in dem Moment, als er als Achtjähriger in Ankara sah, wie die ersten Gastarbeiter für einen Urlaub zurückkamen und ihren Kindern Fahrräder und Geschenke mitbrachten. „Da wusste ich, dass ich nach Deutschland wollte“, sagt der 63-Jährige. 

Mit 15 gab es kein Halten mehr, er ließ seine Familie in Ankara zurück und machte sich allein auf den Weg ins Ungewisse.

Nach vielen Irrungen und Wirrungen und auch nach einer Zeit als Illegaler landete er in Höxter, fing dort 1973 als Aushilfe in einem Dentallabor an. 

Der Gastarbeiter ist für seine Geschichte berühmt

Sein Chef erkannte rasch das Talent und das handwerkliche Geschick. Beides hat sich weiter vererbt: Ali Özdemirs Söhne Deniz und Tolga erlernten ebenfalls den Beruf des Zahntechnikers. Die ersten beiden Silben ihrer Vornamen bilden den Namen des Labors „Dentol“. 

2004 hatte Özdemir ein erstes Labor im Bommerweg eröffnet, vor wiederum neun Jahren baute er das große Haus an der Borkener Hellweg-Kreuzung, in dessen Erdgeschoss das Labor untergebracht ist. 

Bild aus Anfangszeiten: Ali Özdemir als junger Mann im Dentallabor in Höxter.

Mit Hilfe von modernen CNC-Maschinen entstehen dort Kronen, Brücken, Implantate und Gebisse. Sie entstehen in enger Zusammenarbeit mit Zahnarztpraxen.

Es ist eine berufliche Erfolgsgeschichte, die Ali Özdemir da geschrieben hat. Und die ist so ungewöhnlich, dass auch das türkische Fernsehsehen darüber berichtet hat, sagt der 63-Jährige. 

Auch die Zeitung Hürriyet hat in einer Sonderausgabe zum Thema Gastarbeiter über Ali Özdemir, seinen Ehrgeiz und seinen Erfolg berichtet.

Den 63-Jährigen wundert das nicht. „Wir waren damals in Ankara unfassbar arm“, sagt der Borkener. 

„Ich habe hart gekämpft, um das zu ändern.“ Als harte Arbeit aber hat er seinen Job nie empfunden: „Mein Hobby ist mein Beruf.“ Wer das sagen kann, hat wirklich Glück.

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