Bahnhof Borken soll im Sommer barrierefrei sein

Bahnhof Borken: Umbau im laufenden Betrieb - Arbeiten verzögern sich

Links die alte, nun gesperrte Überführung, die bald abgerissen werden soll, rechts die neue, provisorische: Reisende legen zurzeit lange Wege bis zum Gleis zurück. Am Foto sieht man den neuen, deutlich erhöhten Bahnsteig.
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Links die alte, nun gesperrte Überführung, die bald abgerissen werden soll, rechts die neue, provisorische: Reisende legen zurzeit lange Wege bis zum Gleis zurück. Am Foto sieht man den neuen, deutlich erhöhten Bahnsteig.

Die Arbeiten am Borkener Bahnhof ruhen den Januar über: Die Deutsche Bahn AG, die den Bahnhof im laufenden Betrieb umbaut, hat keine Sperrpausen eingeplant. Doch gerade diese Stunden, in denen kein Zug über die viel befahrene Main-Weser-Strecke rauscht, sind wichtig

Borken – Nur in den Zeiten, in denen kein Zug den Borkener Bahnhof durchquert, können die Baufirmen ohne großes Risiko für Mensch und Maschinen die vorgesehenen Säulen betonieren und Brücken bauen. Vor allem kann sie nur dann die langen Bahnsteige zurück bauen, die künftig wesentlich kürzer, dafür deutlich höher sein werden: Das neue Bahnsteighöhenkonzept der Bahn erfordert die Anpassung. Ziel ist es, künftig ein barrierefreies Reisen zu gewährleisten.

Auch am Borkener Bahnhof ist das Thema Barrierefreiheit ein ganz großes: Wo bislang Reisende Koffer, Kinderwagen und Räder mühsam über Treppen erst hinauf und dann wieder hinab wuchten müssen, sollen ab Sommer 2022 zwei Aufzüge dafür sorgen, dass alle mühelos zum Zug kommen. Die Kabinen sollen so groß sein, dass man problemlos auch Räder darin befördern kann.

Bahnhof Borken: Deutsche Bahn schafft barrierefreien Zugang

Die Stadt hat gerade das Grundstück links vom Gebäude an die Deutsche Bahn AG verkauft, damit diese dort einen neuen Zugang schaffen kann, über den Reisende ohne Hindernisse die Bahnsteige erreichen. Die alte Überführung wird erst 2023 abgerissen: Die wenigen kostbaren Sperrpausen bis dahin müssen für den Ausbau genutzt werden.

Das sind gleich zwei gute Nachrichten. Erstens, dass sich niemand mehr die ungezählten Stufen hochschleppen muss, zweitens, dass die Stadt keinen einzigen Cent für die Aufzüge zahlen muss, sagt Bürgermeister Marcel Pritsch. Weder für den Umbau noch für den Betrieb – deren Kosten schultert alleine die Bahn.

Der Umbau des Borkener Bahnhofs zieht sich hin, doch ab Sommer 2022 soll er dann endlich barrierefrei sein: Bürgermeister Marcel Pritsch vor der provisorischen Überführung.

Die Stadt dagegen plant die Neugestaltung des Bahnhofvorplatzes. „Wir gehen gerade für die Detailplanungen in die Diskussion,“ sagt Pritsch. Sicher ist bislang nur, dass dort sichere und überdachte Abstellplätze samt Ladestationen für E-Fahrräder geschaffen werden sollen. „Wir wollen Pendler und Reisende dazu animieren, mit dem Rad zum Bahnhof zu kommen“, sagt Pritsch. Es gebe auch Fördertöpfe, die man dafür anzapfen könne. Die Stadt prüfe zurzeit noch, ob sie am einheitlichen Pedelec-Sharing-System teilnehmen will, das die Firma Regio Mobil aus Jesberg in den Kommunen des Rotkäppchenlandes aufbauen will. Eventuell aber würde sich auch die Zusammenarbeit mit dem örtlichen Fachhandel anbieten – es gelte noch zu prüfen, wie man in Borken ein Bike-Sharing etablieren könne, so Pritsch.

Da kann tatsächlich niemand runter stürzen - aber auch nicht drüber schauen: Die provisorische Übergangsbrücke hat hohe Seitenwände.

Eigentlich sollte der Stand der Bauarbeiten heute ein ganz anderer sein: Doch kurz vor Silvester 2017 hatte die Bahn die Stadt darüber informiert, dass sie den für 2018 geplanten Umbaubeginn wegen des geänderten Bahnsteighöhenkonzepts verschieben müsse. „Damals wussten wir, dass sich alles verzögert – aber wir haben nie von einer solch langen Spanne gesprochen“, sagt Marcel Pritsch. „Nun haben wir fast vier Jahre verloren, in denen der Bahnhof schon barrierefrei sein könnte.“

Doch Zeitverlust hin oder her, es liege ihm nicht daran, die Deutsche Bahn an den Pranger zu stellen. Im Gegenteil: „Wir sind nach wie vor froh, dass die Bahn auch kleine Bahnhöfe wie den unseren umbaut. “

Treibsand hat Arbeit am Bahnhof Borken erschwert

In den vergangenen Wochen mussten zahlreiche Sperrpausen – also jene Zeiten, in denen keine Züge fuhren, damit Umbauarbeiten mit schwerem Gerät ungefährdet vonstattengehen konnten – anders genutzt werden als geplant. Eigentlich angesetzte Maßnahmen konnten nicht angegangen werden, weil noch Dringenderes erledigt werden musste: An manchen Stellen am Bahnhof war Treibsand aufgetaucht, was die Gründungsarbeiten für Säulen und Brücken erschwerte. „Ohne den Treibsand wären wir im Plan weiter und wohl längst mit den Betonarbeiten fertig“, sagt Bürgermeister Pritsch: „ Das war eine Verkettung unglücklicher Umstände.“

Von Claudia Brandau

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