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Jede Platine zählt für den Recyclingdienst in Borken

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Von: Claudia Brandau

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Beim Recycling- und Umweltdienst in Borken wird Elektroschrott genauestens sortiert: von links Geschäftsführer Michael Müller und Silke Krählinger und Linda Schmitz, Mitarbeiterinnen der Abfallwirtschaft Lahn-Fulda, vor Gitterboxen in der Borkener Halle.
Beim Recycling- und Umweltdienst in Borken wird Elektroschrott genauestens sortiert: von links Geschäftsführer Michael Müller und Silke Krählinger und Linda Schmitz, Mitarbeiterinnen der Abfallwirtschaft Lahn-Fulda, vor Gitterboxen in der Borkener Halle. © Claudia brandau

Elektroschrott gehört nicht in die Mülltonne. Im Landkreis gibt es zig Möglichkeiten, ihn umweltfreundlich zu entsorgen. Und das dazu noch kostenfrei.

Borken/Wabern – Wenn die Mitarbeiter des Borkener Recycling- und Umweltdiensts (RU) auf ihren Touren alte Gefriertruhen abholen, trauen sie sich of gar nicht, die zu öffnen. „Wir haben in alten Eisschränken auch schon aufgetaute Weihnachtsgänse gefunden“, berichtet Geschäftsführer Michael Müller.

Aber längst nicht jedes Gerät, dass der RU abholt, birgt solch hässliche Überraschungen. Und es sind unzählige ausrangierte Maschinen und Geräte, die in der Borkener Erstbehandlungsanlage für Elektroaltgeräte anlanden, wie der RU „auf Bürokratisch“ heißt. Der Betrieb gilt seit der Gesetzesnovelle 2005 als „zertifizierte Erstbehandlungsanlage“. Was kompliziert klingt, meint: Der RU ist ein Garant für umweltverträgliche Entsorgung. „Unser System im Landkreis ist simpel, kostenfrei und es funktioniert“, sagt Müller. „Wir machen es den Verbrauchern so einfach wie möglich.“

Und genau darum geht es der Abfallwirtschaft Lahn-Fulda (ALF), in deren Auftrag der RU Borken die Geräte einsammelt. Warum aber trotz dieses so einfachen und noch dazu kostenfreien Entsorgungsangebots noch immer so viele Kühlschränke und Waschmaschinen im Wald abgekippt werden, ist nicht nur Silke Krähling und Linda Schmitz von ALF ein Rätsel.

„Man kann es nicht nachvollziehen, warum sich jemand die Mühe macht, ein Kühlgerät auf einen Hänger zu wuchten und in die Natur zu fahren“, sagt Linda Schmitz. „Es ist so viel einfacher, billiger und günstiger, das Gerät vor die Tür zu stellen und abholen zu lassen.“

Doch neben den Ignoranten, die dieses Angebot nicht nutzen und lieber ein Bußgeld riskieren, gibt es ungezählte Menschen im Landkreis, die gerne darauf zurückgreifen. Kein anderer Landkreis in Hessen weist so hohe Einsammelquoten vor wie der Schwalm-Eder-Kreis: Rund 2000 Tonnen Elektroschrott sammelt der RU pro Jahr. Das sind 10,5 Kilo pro Kopf und Jahr – vier Kilo waren die ursprüngliche Vorgabe. „Das ist ein richtig gutes Ergebnis, aber wir wollen es noch weiter steigern“, sagt Schmitz: „Es müssten noch deutlich mehr alte und nicht mehr gebrauchsfähige Geräte im Umlauf sein.“

Dass dem so ist, merkten die Mitarbeiter des RU in der Pandemie, denn da wurden mehr Geräte gebracht und geholt als je zuvor: „Die Menschen haben 2020/21 die Zeit genutzt und ihre Keller ausgeräumt“, sagt Michael Müller. „Dabei kam offenbar so mancher Schrott zutage.“

Der ist oft gefährlich: Elektrogeräte dürfen aus gutem Grunde nicht in den Restmüll geworfen werden, enthalten Kondensatoren und Schwermetalle, belasten oder vergiften gar die Umwelt. „Das haben aber noch nicht alle auf dem Schirm: Kleine Geräte landen viel zu oft in der Restmülltonne“, sagt Krähling: „Da ist noch ganz viel Luft nach oben.“

Um diese Luft nach oben dünner zu machen, sind nun auch Supermärkte und Fachhändler gefragt: „Den Herstellern wird der Kreislaufgedanke noch einmal bewusster gemacht – und sie werden stärker in die Verantwortung genommen“, sagt Silke Krähling. Denn die Vertreiber und Hersteller müssen sich eigene Recyclingwege suchen: Die Zusammenarbeit mit dem RU Borken ist ausgeschlossen.

Alte Geräte können Schaden in der Natur anrichten

Jedes Gerät, das der Recycling- und Umweltdienst Borken (RU) im Landkreis abholt, schützt die Umwelt: Denn wenn Elektrogeräte nicht fachgerecht entsorgt werden, können Schadstoffe wie Blei, Cadmium, Quecksilber oder FCKW zu massiven Umweltschäden führen. Der dringende Appell: Alte Geräte deshalb niemals einfach in der Feldgemarkung entsorgen. Die Schadstoffe vergiften die Natur. Es ist einfacher, den einen Termin mit dem RU auszumachen als den Elektroschrott in den Wald zu karren.  (Von Claudia Brandau)

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