Exponate stehen seit 1991 unter freiem Himmel

Rost nagt an den Maschinen: Bergbaumuseum Borken muss sanieren

Ein Riesenprojekt: Der Schaufelradbagger im Freilichtmuseum Borken muss wohl für mehr als 100.000 Euro saniert werden.
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Ein Riesenprojekt: Der Schaufelradbagger im Freilichtmuseum Borken muss wohl für mehr als 100.000 Euro saniert werden.

Borken. Die Stadt Borken verweist an vielen Orten mit Exponaten im Stadtgebiet auf ihre Bergbaugeschichte. Allerdings nagt der Zahn der Zeit an ihnen. 

Allein das Schaufelrad, das an der Singliser Hauptstraße steht, muss für 9000 Euro saniert werden. Diese Entscheidung stößt auf Kritik: Der Stiftungsvorstand des Hessischen Braunkohlemuseums hat die Schmalspur-Elektrolok Nr. 1 verschrotten lassen, die jahrzehntelang lang vor dem Freilichtmuseum stand. Das, so Kritiker Rudolf Wolf, bedeute, dass historische Teile zerstört worden seien. Man hätte auch wichtige, seltene Teile zuvor ausbauen und verwerten können.

Es stimme, dass die Lok verschrottet wurde, sagt Ingo Sielaff, Leiter des Bergbaumuseums. Der Beschluss des Stiftungsvorstands sei aber gut begründet: Er habe sich von der Lok getrennt, weil es im Themenpark bereits sieben andere, sehr ähnliche Modelle gebe. Für die Lok, die da so lange ungenutzt neben dem Museum stand, habe es aber keine Chance für eine Sanierung oder einen Verkauf gegeben: Für das eine habe das nötige Geld, für das andere ein Interessent gefehlt.

Ein Riesenprojekt: Der Schaufelradbagger im Freilichtmuseum Borken muss wohl für mehr als 100.000 Euro saniert werden.

Das Bergbaumuseum muss seine finanziellen Ressourcen schonen, denn demnächst muss es eine im Wortsinne riesige Auf- und Ausgabe schultern: Der Schaufelradbagger, das mit Abstand größte Exponat, muss saniert werden, bevor ihn der Zahn der Zeit zernagt: Mehr als 100 000 Euro sind veranschlagt. „Andere Museen stellen einen Picasso aus – unser Picasso ist der Schaufelradbagger“, sagt Sielaff „Der langfristige Erhalt von Industriekultur ist teuer“, sagt der Museumsleiter und verweist aufs große museale Ensemble der Geräte und Maschinen, die der Besucher auf dem 3,5 Hektar großen Freigelände in Borken vorfindet.

Sie alle zu unterhalten sei eine Aufgabe, die viel Zeit, Kraft und Geld kosten werde: Kälte und Frost, Sonne und Regen sorgten für ständige Zersetzungsprozesse. Und der Begriff Sanierung bedeute bei weitem nicht, dass nur Roststellen ausgebessert würden – Ziel einer guten Instandsetzung sei es, so viel wie möglich von der originalen Substanz erhalten.

All das aber sei für die Lok, die über einen so langen Zeitraum außerhalb des Geländes stand und langsam zerfiel, nicht möglich gewesen. Eine Sanierung hätte um die 20.000 Euro gekostet, sagt Ingo Sielaff.

Der Schrottwert aber sei eine willkommene Einnahmequelle gewesen: „Wir brauchen jeden Cent, um jene Maschinen zu erhalten, die den Themenpark für Besucher richtig attraktiv machen“, sagt Sielaff. Von einem Angebot aus dem vorigen Jahr, bestimmte Teile aus der Lok auszubauen, wisse er nichts. 

Auch für Bürgermeister  Marcel Pritsch-Rehm ist es selbstverständlich, dass die Stadt die Museumslandschaft erhalten will. Um Neues etablieren zu können sei es wichtig, sich von alten, nicht mehr benötigten Dingen zu trennen. Der Stadt fehle die finanzielle Kraft, um jedes einzelne zwischengelagerte Exponat wie z.B. die verschrottete E-Lok für die Nachwelt zu bewahren. „Es wäre schön gewesen, die Lok zu erhalten“, sagt der Bürgermeister: „Verschrotten kann man sie nur ein einziges Mal – aber es gab keine Anfragen von Museen.“ Denn wer ein solches Exponat kaufe, der wisse genau, dass er damit auch Kosten für Transport und Restaurierung übernehme.

„Wir haben bei diesem Thema viele Aufgaben“, sagen Marcel Pritsch-Rehm und Ingo Sielaff. „Das Wichtigste ist, dass wir die Industriekultur für die Nachwelt bewahren.“ Das aber, da sind sie sich einig, müsse finanzierbar sein.

Viele Exponate seit 1991 im Regen

Die meisten großen Geräte des Themenparks stehen seit 1991, seit dem Ende der Bergbauära Borken unter freiem Himmel: Es braucht ein ganzes Konzept, um ihre Instandsetzung und Restaurierung zu steuern. Demnächst muss der Schaufelradbagger in Ordnung gebracht werden. Bei dem 10 Meter breiten, 27 Meter langen und 65 Tonnen schweren Gerät handele es sich um ein Industriekulturgut von überregionaler Bedeutung, sagt die Stadt Borken.

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