Etliche 14 Meter hohe Fichten gekappt

Böse Überraschung: Nachbarin ließ Bäume in Borken absägen

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Nur noch so hoch wie die Büsche rundherum: Die bis zu 14 Meter hohen Fichten im Garten von Georg Gärtnerhoffer werden nach Ansicht eines Gutachters wohl kaum wieder austreiben.

Borken. Als Georg Gärtnerhoffer aus dem Urlaub zurückkam, waren etliche Fichten auf seinem Grundstück nur noch Stümpfe. Eine Nachbarin hatte die Bäume absägen lassen.

Als Georg Gärtnerhoffer aus den Ferien kam, wollte er seinen Augen nicht trauen: Von dem dichten Rotfichtenbestand, der hinter seinen Garagen im Borkener Gartenweg gestanden hatte, war nichts mehr übrig. Wo vor seinem Urlaub ein Dutzend Bäume 14 Meter hoch aufragten, steht jetzt eine Reihe trostloser mannshoher Stämme. Die Fichten wurden radikal zurückgeschnitten.

Drei Tage lang habe es gedauert, bis die Fichten gekappt und der Baumschnitt entsorgt waren, erfuhr der fassungslose Borkener von Anliegern. Georg Gärtnerhoffer hatte eine Ahnung, wer diesen Auftrag zum Baumschnitt gegeben haben könnte – die Eigentümerin eines direkt angrenzenden Mehrfamilienhauses.

Der 72-Jährige machte kein langes Federlesen. Er suchte gar nicht erst das Gespräch mit der Frau, sondern zog sofort einen Rechtsanwalt hinzu. Außerdem beauftragte er einen Gutachter damit, den Schaden zu schätzen. Letzterer kommt in seiner Expertise auf eine hohe Summe.

Nur noch so hoch wie die Büsche rundherum: Die bis zu 14 Meter hohen Fichten im Garten von Georg Gärtnerhoffer werden nach Ansicht eines Gutachters wohl kaum wieder austreiben. Der Schaden ist immens. Jetzt geht es um die Schuldfrage.

Die Bäume seien „derart brutal zurückgeschnitten worden, dass ein neuerlicher Austrieb ausgeschlossen sei“, heißt es im Gutachten. Dadurch sei das Grundstück um „wesentliche wertbildende Faktoren“ beraubt, Gärtnerhoffer als dessen Eigentümer geschädigt worden. Die verbliebenen mannshohen Stämme müssten nun samt Wurzeln ausgegraben und entsorgt, zudem neue Bäume gepflanzt werden. Der Gutachter schätzt die Kosten für die Wiederherstellung auf 11.000 Euro.

Georg Gärtnerhoffer kann die ganze Aktion noch immer nicht begreifen, sie stellt für ihn „einen einzigen großen Irrsinn“ dar. Einen Irrsinn, dem kein einziges Wort oder gar Gespräch vorausgegangen sei. Die Auftraggeberin der Arbeiten habe weder vorher noch nachher mit ihm gesprochen. „Wir haben noch nie zusammen geredet, schon gar nicht über die Bäume.“

Die Aktion sei für ihn völlig unvermittelt erfolgt, sagt er. Und erzählt, dass er beim Anblick der trostlosen Stämme auf seinem Grundstück nicht nur stocksauer, sondern regelrecht schockiert gewesen sei.

Jetzt komme zum Schock noch jede Menge Ärger und Schriftverkehr hinzu: „Das kann doch nicht wahr sein“, sagt der 72-Jährige. Bislang habe er die Bäume selbst alle zwei Jahre zurück geschnitten. Aber behutsam – damit sie neu austreiben können. Das Thema des frischen neuen Grüns aber ist nun laut Gutachter endgültig rum: An diesen Stümpfen, so heißt es in der Expertise, wachse keine Nadel mehr.

Georg Gärtnerhoffer lässt keinen Zweifel daran, dass er das nicht akzeptieren wird. Er hat alle rechtlichen Schritte eingeleitet. 

Das sagt der Anwalt:

Dieser Fall stelle „eine Verkettung von unglücklichen Umständen“ dar, sagt Rechtsanwalt Michael Kreutzmann aus Borken. Seine Mandantin habe Arbeiten beauftragt, die sich missverständlicherweise auf das Grundstück von Herrn Gärtnerhoffer erstreckt hätten. Nun sei der Fall an die Privathaftpflichtversicherung seiner Mandantin übergeben worden, die ja eintrete, wenn ein fahrlässiger Schaden entstanden sei. 

Fahrlässig seien in diesem Falle zwei Dinge. Zum einen sei derjenige, der die Bäume gestutzt habe, irrtümlicherweise davon ausgegangen, dass die Bäume wieder nachwachsen würden. Zum anderen sei er auch davon ausgegangen, dass Georg Gärtnerhoffer als Grundstückseigentümer seine Zustimmung zu den Arbeiten gegeben habe. „Es waren gleich mehrfache Missverständnisse, die in diesem Fall zusammen kamen“, sagt Michael Kreutzmann. 

Die Versicherung prüfe derzeit die Schadenshöhe und die Frage, ob und wie viel Geld sie auszahlen wolle. Michael Kreutzmann betont: „Meine Mandantin hatte nie Herrn Gärtnerhoffer vorsätzlich schädigen wollen.“

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