Borkaner ist wieder zu Hause

Steinkopf aus der Bergmannstadt könnte 42.000 Jahre alt sein

Will den alten Steinkopf zurück nach Borken bringen: Dr. Karl Pitz mit dem „ältesten Borkaner“.
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Will den alten Steinkopf zurück nach Borken bringen: Dr. Karl Pitz mit dem „ältesten Borkaner“.

Vor 64 Jahren zeigte der Schüler Kurt Schreiber seinem Lehrer Heinrich Pitz bei einer Wanderung der Stadtschule einen ganz besonderen Stein, den er gefunden hatte – denn der ähnelt einem Menschenkopf.

Borken - Fünf Jahre, nachdem Dr. Karl Pitz, Sohn des damaligen Lehrers, mit Hobby-Historiker Friedrich Döring über diesen Fund gesprochen hat, soll der Stein in der Bergmannstadt ausgestellt werden. Der Clou: Der Stein aus Quarzit könnte bis zu 42 000 Jahre alt sein.

Es sieht aus, als habe die Natur ganz ohne menschliche Einwirkung einen Menschenkopf nachgebildet: Augen, Nase, Mund, Kinn, Hals, Brustansatz und linkes Ohr – alles ist da. Auf der Standfläche sind Bearbeitungsspuren zu erkennen – das Geofakt wird damit zum Artefakt. Der Stein befindet sich heute im Eigentum von Dr. Karl Pitz.

Erstmals untersucht wurde der Steinkopf 1954 von Dr. Otto Uenze vom Landesamt für Vor- und Frühgeschichte in Marburg. Der hatte festgestellt, dass wohl „der Eiszeitmensch“ dem Steinkopf die gewünschte Form gegeben haben könnte, berichten Dr. Karl Pitz und Friedrich Döring.

Professor Jens Lüning, Wissenschaftler für Ur- und Frühgeschichte an der Frankfurter Goethe-Universität stellte dann vor fünf Jahren fest: Bei dem Stein, der wohl für kultische Zwecke genutzt wurde, handele es sich um ein Naturschauspiel. Oder um ein von Menschen behauenes Kunstwerk.

Der Steinkopf gelte mit seinen zwei Kilo Gewicht und 21 Zentimetern Größe als der „älteste nachweisbare Borkaner“, sagen die beiden Steinkopf-Experten. Wie alt er jedoch tatsächlich ist, lasse sich derzeit jedoch noch nicht sagen. Falls er bearbeitet wurde, als der Homo Sapiens in unseren Breiten lebte, könnten laut Pitz und Döring bis zu 42 000 Jahre alt sein. Wenn er zur Zeit der Neandertaler bearbeitet wurde, wäre er sogar noch um einiges älter. Da der Stein 1953 in unmittelbarer Nähe eines Hügelgrabes gefunden wurde, könnte er vor etwa 3500 Jahren der obere Abschluss eines Hügelgrabes gewesen sein. Heute steht der besondere Stein in einer Vitrine im Eingangsbereich des Borkener Rathauses. (Rainer Zirzow)

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