Bauen mit Augenmaß

Borkener wehren sich gegen Bauvorhaben an der Westrandstraße

An der Westrandstraße in Borken soll gebaut werden: Am Naturschutzgebiet am Giesenbühl (hinten) sollen zwei zweigeschossige Mehrfamilienhaus entstehen. Die sechs Meter hohe Lattenkonstruktion im Hintergrund zeigt eine ungefähre Höhe an, das Gebäude soll dann um ein Staffelgeschoss erweitert werden. Von links Lena Gonska, Klaus Pfannes, David Schomberg und Daniela Stöcker sammeln Unterschriften gegen den Bau.
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An der Westrandstraße in Borken soll gebaut werden: Am Naturschutzgebiet am Giesenbühl (hinten) sollen zwei zweigeschossige Mehrfamilienhaus entstehen. Die sechs Meter hohe Lattenkonstruktion im Hintergrund zeigt eine ungefähre Höhe an, das Gebäude soll dann um ein Staffelgeschoss erweitert werden. Von links Lena Gonska, Klaus Pfannes, David Schomberg und Daniela Stöcker sammeln Unterschriften gegen den Bau.

Aus dem großen, brachliegenden Grundstück an der Borkener Westrandstraße ragen auffällige Lattenkonstruktionen heraus. Sie verdeutlichen die Ausmessungen zweier geplanter Gebäude.

Borken – Man kann es nicht übersehen: Aus dem großen brachliegenden Grundstück an der Borkener Westrandstraße ragen etliche und sehr auffällige Lattenkonstruktionen heraus. Sie verdeutlichen die Ausmessungen zweier geplanter Gebäude – der Stadt liegt eine Bauvoranfrage vor. „Das Projekt steht aber noch ganz am Anfang“ sagt Bauamtsleiter Christoph Bachmann.

Der Eigentümer des Grundstücks habe bislang lediglich die Stadt um ihre Meinung gefragt. Und die werde sie sich in der nächsten Bauausschusssitzung am Mittwoch, 17. Februar, bilden.

Doch schon jetzt sind viele Anlieger von den Ausmaßen der abgesteckten Flächen beunruhigt. Dort sollen auf einer Länge von 100 Metern zwei zweigeschossige Gebäude mit hochpreisigen Eigentumswohnungen entstehen – eines allerdings mit einem Staffeldach oben drauf, das andere mit Stellplätzen unten drunter, beide werden damit höher, als es die Latten zeigen. Zwischen den beiden Häusern verläuft laut Plan eine Durchfahrt, die dann zu einem weiteren Haus, einem in zweiter Reihe stehenden Bungalow, führt.

Protest gegen Bauvorhaben an der Westrandstraße in Borken: Unterschriften werden gesammelt

Anwohnerin Lena Gonska will sich zusammen mit anderen Nachbarn gegen dieses „riesige Bauvorhaben“ wehren. Sie sammeln bereits Unterschriften und wollen eine Bürgerinitiative gründen – gegen das Bauvorhaben, das sie als „völlig überdimensioniert“ empfinden.

Die Anwohner sind aus vielen Gründen besorgt: Zum einen werde mit den großen Gebäuden – das eine soll 50 Meter lang sein – die Sicht auf den Aussichtspunkt Giesenbühl verbaut. Ausgerechnet jenen Hügel, der die perfekte Aussicht aufs direkt hinter den geplanten Gebäuden gelegene Naturschutzgebiet den Borkener See bietet. Dann sorge eine solche Bebauung auch für mehr Verkehr und Parkplatzbedarf.

Direkt an der Westrandstraße sollen auf einer Ausdehnung von 100 Metern zwei große Wohngebäude entstehen.

Zum Dritten, sagt Anwohner Klaus Pfannes, handele es sich beim Baugrund um ein sogenanntes Bergbausenkungsgebiet. Für eine Bodenplatte, die ein 50 Meter breites Gebäude trage, müsse man tief graben: „Wir fordern deshalb ein geologisches Gutachten: Es muss uns jemand garantieren, dass unsere Häuser durch die Großbaustelle keinen Schaden nehmen.“ Eine weitere Befürchtung: Die Baustelle könnte einen Werteverlust der Grundstücke und umliegenden Häuser bedeuten.

Bauvorhaben an der Westrandstraße in Borken: Augenmaß sei verloren gegangen

Überhaupt ist es vor allem die Größe des Projektes, die die Anwohner so reagieren lässt: „Wir sind entsetzt über die Ausmaße – und strikt gegen Neubauten in den geplanten Dimensionen“, haben sie in einem Brief an Bürgermeister Marcel Pritsch geschrieben. „Da geht doch jedes Augenmaß verloren.“

Auch dabei, was die „Verbauung“ des Naturschutzgebiets angehe. Dabei handele es sich um eine der „attraktivsten Stellen in ganz Borken“, die mit Fortschritt der Bauarbeiten hinter einer meterhohen und 50 Meter langen Fassade verschwinde. Diese Front werde dann noch dazu den Schall des Verkehrs verstärken, sagen die Anwohner. „Man muss doch einen Bebauungsplan nicht bis auf den letzten Zentimeter ausreizen“, sagt Daniela Stöcker.

Die Forderung der Anwohner: Dass der Investor sein Konzept ändert oder dass die Stadt den Bebauungsplan an die Gegebenheiten anpasst. Sie haben noch viele Fragen. Auch diese: „Warum muss eine solch große Fläche am Naturschutzgebiet erschlossen werden, so es doch so viel Leerstand gibt?“ Mit den Anliegern kann man per Mail in Kontakt kommen.

Kontakt: bauplatzgiesenbuehl@gmx.de

Bürgermeister Marcel Pritsch ist für guten Austausch mit Anwohnern

In Borken sind wie überall in der Region die Bauplätze heiß begehrt. Es entstehen zurzeit in der Kernstadt einige wenige innerörtliche Grundstücke am Wasserturm auf der ehemaligen Minigolfanlage, unterhalb des Hüttschlager Wegs und in den rückliegenden Gärten an der Westrandstraße auf Höhe des Hallenbades. Dafür wurde gerade der Bebauungsplan verändert.

Dennoch falle es der Stadt gerade „nicht ganz leicht, freudig all die Möglichkeiten zu begrüßen, die das Baugesetzbuch auf dieser Fläche zulässt“, sagt Bürgermeister Marcel Pritsch. Es sei begrüßens- und wünschenswert, dass ein Investor hochwertige barrierefreie Wohnungen in Borken errichten wolle, doch der Standort sei sensibel: Die geplanten zweigeschossigen Gebäude samt Flachdach und Staffelgeschoss würden die angrenzenden und wesentlich niedrigeren Einfamilienhäuser deutlich überragen.

Es gebe viele „Irritationen und Widerstände“ seitens der Anlieger rund um die Fläche. „Mir ist an einem sehr guten Weg mit den Anwohnern gelegen“, so Pritsch.

„Es hat wohl keiner Interesse daran, ein Projekt gegen alle Widerstände durchzusetzen.“

Er könne zwar die emotionale Verbundenheit der Menschen mit dem Naturschutzgebiet verstehen, denn der Neubau werde das Landschaftsbild tatsächlich „massiv verändern.“ Doch der Vorhabenträger habe die Fläche auch auf die Vorgabe des Bebauungsplanes hin gekauft und beplant, jetzt sei die Frage, wie man gütlich und partnerschaftlich die Kuh vom Eis bekomme. „Es hat wohl keiner Interesse daran, ein Projekt gegen alle Widerstände durchzusetzen.“

Dennoch sei noch nichts entschieden. Jetzt sei die öffentliche Beteiligung und damit die Diskussion in Gang gebracht, die Anwohner informiert, außerdem stünden Ortstermine für die Fraktionen an. Sie sollen Zeit haben, das Projekt und Gelände zu besichtigen, Infos einzuholen, Rücksprachen zu halten.

Pritschs Vorschlag: Das Projekt tatsächlich in Borken verwirklichen. Aber an anderer Stelle. „Wir könnten dem Investor eine Alternative bieten.“ Wo, will der Rathauschef allerdings noch nicht verraten.

Von Claudia Brandau

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