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Die Fleischerei Kohl-Kramer führt ihren Betrieb klimaneutral

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Absolut praktisch, die neuen Edelstahlboxen, die die zum Verkaufen, Lagern und Zubereiten verwendet werden können: Fleischermeister Fritz Kästel und Tochter Christine Kästel zeigen die gelungene Kombination.
Absolut praktisch, die neuen Edelstahlboxen, die die zum Verkaufen, Lagern und Zubereiten verwendet werden können: Fleischermeister Fritz Kästel und Tochter Christine Kästel zeigen die gelungene Kombination. © Helga Hebeler

Die Fleischerei Kohl-Kramer ist eine der ersten klimaneutralen Fleischereien in Deutschland. Um diesen Status zu erreichen, setzt der Betrieb setzt auf Eigenverantwortung.

Trockenerfurth – Wenn die Insektenwelt über der Metzgerei Kohl-Kramer in Trockenerfurth summt, brummt und flattert, merkt das die Kundschaft im Gebäude nicht.  Direkt über dem Laden wurde eine für Bienen, Hummeln und Schmetterlinge ideale Blumenwiese angelegt. Dieses Ökosystem ist Teil einer Reihe, mit der die Fleischereifamilie Gabriele und Fritz Kästel ihrer Idee von einem klimaneutralen Unternehmen nahekommen. Die Fleischerei Kohl-Kramer gehört nun zu einer der ersten klimaneutralen Fleischereien Deutschlands.

Mit ihrem nun neu erworbenen Zertifikat „Klimaneutrales Unternehmen“ beweist die Familie, dass neben der Tradition auch ein Bewusstsein für Ökologie und Nachhaltigkeit möglich ist.

Schon zu Beginn ihrer Berufung im Fleischerhandwerk hatte Gabriele Kästel das Thema Nachhaltigkeit beim Verkauf im Blick gehabt. Sie probierte so lange neue Verpackungen aus, bis sie der Lösung für die strengen Hygienevorschriften einerseits und ihren ökologischen Vorstellungen andererseits ein Stück näherkommen konnte. Edelstahlboxen sorgen nun für weniger Abfall.

Energieeffizient: Betrieb soll mit Energie sparsam haushalten

Fritz Kästel tüftelte jahrzehntelang daran, die Technik im Betrieb so energieeffizient und sparsam wie möglich einzurichten. Dabei half ihm Ralf Klee, Freund, Energieberater und Sachverständiger für Energiefragen.

Der große Wurf gelang mit dem Anbau 2012. Die Kühl- und Räucher-Räume erhielten doppelte Dämmungen, um ohne großen Aufwand sommers wie winters ein gleichbleibendes Klima zu garantieren.

Zugleich wurde die neue Klimatechnik mit einer Wärmepumpe versehen, die bis zu 4500 Liter Warmwasser vorheizt. Die anfallende Wärmeenergie wird so effizient genutzt. Eine moderne Pelletheizung heizt das Wasser auf die vorgeschriebene Temperatur nach. Die hochwertigen und deshalb etwas teureren Pellets stammen aus der Nähe, aus Schwalmstadt – lange Transportwege entfallen.

Photovoltaikanlage: Strom selbst erzeugen

Der Unternehmer investierte auch in eine Photovoltaikanlage, die Fleischerei in Trockenerfurth produziert die Energie für die die elektrischen Anlagen weitgehend selbst. Für die zusätzlich benötigte Energie kauft Kästle Ökostrom zu.

Zertifikat: Fleischerei ist klimaneutral

All das floss nun in eine Untersuchung ein, die zu dem Zertifikat der Klimaneutralität führte. Tochter Christine hatte dafür viele Fragebögen gewissenhaft ausgefüllt. Darin ging es nicht nur um Heiz- und Klimatechnik, sondern auch um weitreichende Fragen zu Verpackung, Verbrauch von Wasser und Kühlmitteln und Anfahrtswegen der Mitarbeiter. Auch die Tiere waren Thema: Sie kommen alle aus dem Borkener Einzugsbereich und verbringen nach dem kurzen Anfahrtsweg auch eine Nacht im Stall in Trockenerfurth. Das soll den Stress möglichst niedrig halten.

Im Referenzjahr 2020 gab es ein Leck im Kühlmittelkreislauf, sodass noch keine hundertprozentige CO2 -Neutralität bestätigt werden konnte. Deshalb haben sich Kästels für den Einkauf von Umweltzertifikaten entschieden (siehe Kasten). Sie können nun mit Recht behaupten, einer von wenigen Fleischereibetrieben Deutschlands zu sein, die klimaneutral produzieren.

Neue Verpackung: Kein Plastik

Nachhaltigkeit ist ein Lebensthema von Gabriele Kästel – und mit dem Zertifikat „Klimaneutrales Unternehmen“ längst nicht abgeschlossen. Nachdem es aus hygienischen Gründen nicht mehr möglich war, mitgebrachte Plastikgefäße der Kunden zu befüllen, hat sie es mit Transportschalen, teils aus Porzellan, teils aus Metall mit Deckeln probiert. „Natürlich ist es aufwendiger, wenn man aufschreiben muss, wer was mitbekommen hat und noch mehr Aufwand ist es, wenn man Behälter mit Pfand ausgibt“, schildert sie.

Nun hat sie aber eine ganz neue Idee für eine nachhaltige Verpackung, die Müll einspart und trotzdem die Hygienestandards des Familienbetriebes erfüllt: Edelstahlboxen mit Plastikverschlussdeckel. Sie verhindern beim Transport, dass Bratensaft ausläuft. Die Dosen können in den Kühlschrank gestellt und anschließend – ohne den Deckel – in den Backofen geschoben werden. Nach der Reinigung nimmt die Fleischerei sie wieder zurück. Diese Behälter sind ein gelungener Kompromiss zwischen Hygienestandards einerseits und Nachhaltigkeit andererseits.

Wiederverwendung: Komplette Familie unterstützt Nachhaltigkeit

Die ganze Familie steht hinter dem Gedanken der Nachhaltigkeit: So werden Kartons und Kühlakkus von Lieferanten wiederverwendet, Klebeband aus Papier genutzt und Prospekte aus Umweltpapier hergestellt. Seit 2016 gibt es keine Plastiktüten mehr, dafür werden speziell angefertigte Kühltaschen angeboten.

„Wir sind stolz darauf, eine der ersten klimaneutralen Fleischereien Deutschlands zu sein und freuen uns, dass uns die Kunden in unserem nachhaltigen Engagement unterstützen“, so Fleischermeister Fritz Kästel. (Helga Hebeler)

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