Idylle mit Tieren

Junges Paar baut alte Mühle in Singlis zum Erlebnishof aus

Es gackert überall im Garten der ehemaligen Singliser Mühle: Die Altsteirer Hühner von Christian Gelpke und Franziska Holzhauer haben eine beachtliche Kükenschar.
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Es gackert überall im Garten der ehemaligen Singliser Mühle: Die Altsteirer Hühner von Christian Gelpke und Franziska Holzhauer haben eine beachtliche Kükenschar.

Biologin Franziska Holzhauer und der Landschaftsplaner Christian Gelpke haben machen aus der alten Singliser Mühle einen Erlebnis- und Selbstversorgerhof.

Singlis – Manche Menschen haben eine glockenklare Vision von dem, was sie gern machen, leben, auf die Beine stellen wollen. Franziska Holzhauer und Christian Gelpke gehören zu diesen Visionären. Jahrelang haben die Biologin und der Landschaftsplaner von einem Hof mit vielen Tieren geträumt, jetzt erfüllen sie ihn sich: Das Paar aus Fritzlar baut die ehemalige Mühle in Singlis zu einem Erlebnishof aus.

Das erste Erlebnis hat man schon jetzt, wenn man den großen Garten hinterm Haus betritt. Dort sausen Hühner mit ihren Küken herum, der prächtige Gockel „Hubi“ gibt sich betont lässig, lässt aber seine Hennen nicht aus dem Blick. Allesamt sind sie Altsteirer, also eine Haushühnerrasse, die seit Langem in der Steiermark gezüchtet wird.

Und sie stehen für das Ziel von Franziska Holzhauer und Christian Gelpke: Sie wollen einen Selbstversorgerhof. Einen, auf dessen Streuobstwiese Hühner, Schafe, Ziegen, Esel frei herumlaufen, einer, in dessen Garten alte Gemüse- und historische Tomatensorten wachsen, so wie die „Rote Murmel“ oder „Orange Banana“.

Erlebnishof alte Mühle in Singlis: Der Gemüsegarten ist schon angelegt

Der Gemüsegarten ist bereits angelegt und umzäunt, wohl zum Ärger von Hahn Hubi und seinen Hennen, die sich dort garantiert zu gerne umsehen würden.

Die Lage der Mühle könnte idyllischer nicht sein, weit weg von Straßen, ganz nah dran an altem Mühlgraben, Schwalm und See. Das Paar hat sich viele Höfe angeschaut, nachdem unsere Zeitung vor zwei Jahren über seine Suche nach einem alten Bauernhof berichtet hatte. Doch die einen Landwirte suchten klassische Nachfolger, andere Höfe waren zu groß, zu klein, zu dicht am Verkehr. Die Mühle entdeckten die 30-Jährige und der 38-Jährige im Internet – und waren begeistert.

Paar verliebte sich in die alte Mühle in Singlis

Damals war sie gerade von der Bietergemeinschaft erworben worden, die 2019 das Gelände rund um den Singliser See gekauft hatte. Die Falkenberger Shift GmbH hatte die Mühle gekauft – jetzt gehören Wohnhaus und Scheune Christian Gelpke und Franziska Holzhauer. „Bei der Besichtigung war es um uns geschehen,“ sagt Franziska Holzhauer, die wie ihr Lebensgefährte in einem Kasseler Planungsbüro arbeitet und sich ehrenamtlich für Naturschutz und Umweltbildung engagiert.

Vor einem Jahr zog das Paar aus der Fritzlarer Neubauwohnung auf die Singliser Baustelle, das Haus hatte sieben Jahre lang leer gestanden. „Unsere Freunde haben uns für verrückt erklärt“, sagt Holzhauer. Vor allem, als im Spätherbst die Heizung ausfiel, kein Ersatz in Sicht war und nur noch ein einziger Ofen das Gebäude beheizte.

„Wir hatten beim starken Frost 0,5 Grad im Bad und von innen Eisblumen an den Fenstern“, sagt Gelpke: „Wir haben es ausgehalten, das Leben spielte sich rund um diesen Kamin ab.“ Die Eisblumen gehen garantiert in die Sanierungsgeschichte ein. Denn es steht noch viel Arbeit an: Zwei Ferienwohnungen sollen im Obergeschoss der Mühle für Familien entstehen, die ihren Kindern das Leben in der Natur zeigen wollen.

Die beiden Poitou-Esel Smilla und Elodin ziehen die Blicke von Radfahrern und Spaziergängern auf sich. Im Hintergrund die ehemalige Mühle.

Die Poitou-Esel Smilla und Elodin sind die Stars auf dem Erlebnishof in Singlis

Tiere gibt es schon jetzt jede Menge, auch wenn die Schafe und Ziegen alter Rassen noch fehlen. Mehr als 100 verschiedene Vogelarten hat Christian Gelpke, der zugleich Kreisvogelschutzbeauftragter ist, bereits am Grundstück gezählt. Allein 23 Rauchschwalbenbrutpaare haben in den alten Ställen 93 Jungvögel in der ersten Brut großgezogen.

Die tierischen Superstars am Hof aber sind die beiden Poitou-Esel Smilla und Elodin. Die urigen Tiere gehören zu einer französischen Rieseneselrasse, die noch vor wenigen Jahrzehnten fast ausgestorben war. Es gab nur noch wenige Dutzend.

Erst langsam steigt die Zahl der puscheligen Langohren europaweit wieder an. Smilla und Elodin sind anhänglich und zutraulich, vielleicht auch für geführte Eselspaziergänge geeignet. Aber man muss gar nicht mit ihnen wandern gehen. Es reicht, sie zu kraulen. Allein das ist schon ein echtes Erlebnis, das den Tierfreund glücklich macht.

Christian Gelpke und Franziska Holzhauer sind es längst. Selbst dann, wenn sie an den nächsten Winter denken, der wieder eisig werden könnte. Die neue Heizung soll kommen. Und selbst wenn nicht: Angst vor Eisblumen haben sie keine mehr. (Claudia Brandau)

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