Nur nichts so schnell wegwerfen

Recycling- und Umweltdienst Borken setzt auf Nachhaltigkeit

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Der Borkener Recycling- und Umweltdienst setzt auf Nachhaltigkeit: Werkstattleiter Wladimir Kaluschni aus Homberg repariert viele defekte Geräte – und gibt Tüftlern Tipps beim monatlichen Repaircafé.

In diesen Tagen werden unzählige Lichterketten von Fenstern, Büschen und (Weihnachts)-Bäumen abgenommen: Und viele von denen, die nur noch flackern, wandern in die Graue Tonne. 

Das aber ist der falsche Weg, sagen Michael Müller und Manfred Möller-Sauter vom Borkener Recycling- und Umweltdienst (RU): Im Schwalm-Eder-Kreis lässt sich jedes Gerät umweltfreundlich und auf kurzen Wegen entsorgen. Kleingeräte wie Lichterketten, Mixer, Kaffeemaschinen kann man auf Bauhöfen und der Homberger Kompostierungsanlage abgeben, Großgeräte holt der RU auf Bestellung und noch dazu kostenlos ab.

Immer mehr Elektroschrott

Die Zahlen des Elektroschrotts steigen beständig: 2015 sammelte der Umweltdienst im Auftrag des Landkreises 1655 Tonnen Elektroschrott ein, 2019 waren es bereits 1930 Tonnen, die beim Einsammeln von Waschmaschinen, Kühlschränken, Gefriertruhen anfielen. 

Viele dieser Großgeräte werden in Borken repariert – wenn es Markengeräte sind, für die es Ersatzteile gibt. Und gerade das ist das Problem der Zeit – es gibt immer mehr Billiggeräte, deren Funktionsdauer von vornherein beschränkt ist, für die es also auch keine Ersatzteile gibt. Das Motto „Ex und Hopp“ lässt die Berge an Elektroschrott damit immer weiter wachsen.

In Borken geht der Recycling- und Umweltdienst viele kleine Schritte, um das Bewusstsein zu schärfen und den großen Konsumwillen zu dämpfen. Das Preiswertkaufhaus setzt auf gebrauchte Haushaltsartikel und bietet selbst Schläger für Mixer an. Wem sie beim Backen brechen, kann dort schauen, ob er vielleicht gebrauchte findet, bevor er sich ein komplett neues Gerät kauft.

Ein Ziel vor Augen

Die Menge der Schrottgeräte zu reduzieren ist ein ambitioniertes Ziel. „Der Nachhaltigkeitsgedanke muss sich noch viel stärker durchsetzen“, sagt Manfred Möller-Sauter.

Dazu sollen auch die Repaircafés beitragen, die es in vielen Orten und auch im Borkener RU gibt. Die meisten Menschen, die da kommen, um ihre Stehlampen oder Toaster zu reparieren, tun das nicht aus finanziellen Gründen – sie hängen schlicht an dem, was da kaputt ist.

Die Zahl der Tüftler in Borken ist im vergangenen Jahr beständig gestiegen, um die 15 Teilnehmer kommen dort regelmäßig zusammen um zu reparieren und zu lernen.

Und das mit Erfolg: „Wir haben das nötige Wissen und Werkzeug“, sagt Möller-Sauter und verweist auf den Fachmann, unter dessen Anleitung die Fehler gesucht und meistens auch behoben werden.

300 kaputte Geräte pro Jahr repariert

Natürlich sei das Repaircafé nur ein Tropfen auf den heißen Stein, aber doch ein wichtiger, so Müller und Möller-Sauter. Denn was die Tüftler beim Repaircafé in kleinem Maße leisten, das leistet das RU Borken in viel größerem Stile: Um die 300 kaputte Großgeräte pro Jahr werden dort repariert und wieder in den Verkauf gebracht. Auch das rettet vielleicht nicht die Welt – ist aber einer der vielen Wege, der helfen soll, die Umwelt zu entlasten. Kaputte Lichterketten nicht in die graue Tonne zu werfen, ist auch einer.

Defekte Geräte gehören auf keinen Fall in den Restmüll: Jeder Bauhof nimmt sie für die umweltgerechte Entsorgung an, sagt Viktor Zeier vom Borkener Recycling- und Umweltdienst.

Tipps für den Einkauf

Viele Produkte werden so hergestellt, dass sie nach einer bestimmten Zeit kaputt gehen. Der Fachbegriff dafür lautet „Obsoleszenz“. Er bezeichnet das Veralten von Produkten in Wirtschaft und Industrie. Obsoleszenz wird erzeugt, indem technische Bauteile mit einem Defekt versehen werden, so dass eine Langlebigkeit der Geräte ausgeschlossen ist. Das kann der Käufer tun, um Geldbeutel und Umwelt zu schonen:

-  Nichts kaufen, nur weil es billig ist. 1-Euro-Shops sollte man meiden und auch Sonderangebote, bei den Bohrmaschinen oder andere Maschinen spottbillig sind. Stattdessen: Mehr Geld für die Profi-Version ausgeben und sich an der Langlebigkeit und an hoher Qualität erfreuen.

- Keinen Ramsch kaufen: Produkte liegenlassen, die allzu deutlich aus asiatischer Billigproduktion stammen.

- Wann immer es geht: Dinge reparieren, anstatt sie wegzuwerfen.

- Lokal kaufen: Wer Dinge in die Hand nehmen kann statt sie nur am Bildschirm zu sehen, erkennt eher eine schlechte Verarbeitung.

Im Vorfeld eines Kaufs gute . Ratgeber lesen. Der Verein „Murks, nein Danke“ tritt für längere Haltbarkeit ein. Dafür hat er den Preis „Mut zur Nachhaltigkeit 2018“ erhalten.

Informationen unter murks-nein-danke.de.

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