Borkens Bücherfrau geht bald in den Ruhestand

Stadtbüchereileiterin Barbara Jüngling aus Borken übers Lesen in der Krise

Auf dem Bild ist eine Frau mit einem Buch in der Hand zu sehen. Daneben sind Stofftiere abgebildet. Sie sitzt vor Regalen mit Büchern.
+
Die Leseförderung ist das Ziel von Barbara Jüngling: Die Gombetherin hat fast 30 Jahre die Borkener Stadtbücherei geleitet. Bald geht sie in den Ruhestand.

Wenn sich Barbara Jüngling etwas für ihre letzten Arbeitsmonate hätte wünschen können, dann wäre es wohl von allem viel „mehr“ gewesen: Mehr Kontakte zu den Lesern, mehr Besuche von Kindergartengruppen, mehr Austausch mit den Kolleginnen. Doch die Krise hat das unmöglich gemacht, denn natürlich ging coronabedingt in der Stadtbücherei im Frühjahr nur wenig. Mittlerweile aber läuft der Betrieb wieder rund – wenn auch ganz anders als zuvor.

Gemischte Gefühle

Und es sind schon viele Jahre, die Barbara Jüngling die Einrichtung leitet: Im April 1991 zog die Bücherei ins Alte Amtsgericht, seitdem laufen alle Fäden bei Jüngling zusammen. In diesen 30 Jahren hat sie zig tausend Bücher, CDs und Filme gekauft, katalogiert, inventarisiert. Und wohl jeden Einzelnen, der mehr als 3000 Nutzer kennengelernt. Wenn jetzt für Barbara Jüngling ihre letzten drei Monate als Leiterin der Bücherei anbrechen, wird sie die mit gemischten Gefühlen erleben.

Zum einen ist da Wehmut, zum anderen aber auch Zuversicht, wenn sie auf den Ruhestand blickt. Der wird von der Familie, besonders von den vier Enkeln, geprägt sein.

Der Schritt soll einen „klaren Schnitt“ fürs Team darstellen. Wer Jünglings Nachfolger sein wird, steht noch nicht fest. Die Stadt Borken hat die Stelle ausgeschrieben.

Große Veränderungen in den letzten Jahrzehnten

Diese Stelle hat Barbara Jüngling immer mit viel Herzblut erfüllt. Als die Bücherei 1991 eröffnete, dauerte es nicht lange, bis sie aufs Drängen der Gombetherin erweitert wurde: 1993 entstand im zweiten Stock die große Kinderbuchabteilung. „Kinder sind die Leser von morgen“, sagt die gelernte Buchhändlerin: „Sie müssen in Sachen Lesen gefördert werden.“ Doch in Zeiten der Digitalisierung, in denen schon Zweijährige gerne auf Tablets tatschen, ist es nicht leicht, die Begeisterung für Bücher zu wecken. Längere Sätze, wie sie in „Pippi Langstrumpf“ und anderen Kinderbüchern vorkommen, sind für heutige Leseanfänger oft hartes Brot. „Erwachsenen geht es ja nicht anders“, sagt Jüngling: „Die Sprache von Thomas Mann und Günther Grass ist eine ganz andere, als wir heute gewohnt sind.“ Es hat sich viel verändert in den Jahrzehnten – sowohl in der Literatur als auch in der Bücherei. „Bücher aus Haushaltsauflösungen sind kaum mehr gefragt“, sagt Jüngling. Denn das Lesen ist seit Johannes Simmel und H.G. Konsalik in den 1970er-Jahren ein ganz anderes. Die Einbände sind heute bunt, die Schriften groß – das Buch an sich ist längst eine Ware, die optisch viel hermachen muss. Als die Bücherei nach der Coronaschließung wieder öffnete, war der Ansturm groß. „Viele Leser hatten darauf gewartet, Mütter sagten, dass sie während der Zeit zu Hause gar nicht so viel Bücher kaufen konnten, wie es die Kinder gerne gehabt hätten“, sagt Jüngling.

Die Gombetherin spricht oft vom großen Ziel, Kinder ans Lesen heranzuführen. Hat sie das erreicht? „Wir haben auf jeden Fall viele Kinder fürs Lesen begeistern können“, sagt sie und erzählt von den regelmäßigen Besuchen der Kindergartenkinder in der großen bunten Bilderbuch- und Leseabteilung.

Das war immer toll.

Barbara Jüngling, Stadtbüchereileiterin

„Oft gab es ganz positive Rückmeldungen“, sagt sie. „Das war immer toll.“ Toll sei auch der Zusammenhalt im ehrenamtlichen Bücherei-Team. Dieses Ende Oktober dann zu verlassen, das wird Barbara Jüngling schwerfallen. Doch das Team Familie wartet bereits auf sie.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.