Borkener Flüchtlingskoordinator: Ehrenamtliche Helfer sind überfordert

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Engagiert sich in Borken für Flüchtlinge: Rolf Waldeck.

Borken. Mit Sorge beobachtet der Borkener Rolf Waldeck, dass die ehrenamtlichen Helfer bei der Betreuung von Flüchtlingen überfordert sein könnten.

Er selbst kümmert sich seit 2014 um Menschen, die in seiner Heimatstadt gestrandet sind. Der 73-Jährige, der die ehrenamtliche Hilfe in Borken koordiniert, befürchtet, dass Integration unter den gegebenen Umständen nicht gelingen kann.

Er wünscht sich unter anderem mehr Personal beim Landkreis für die Betreuung von Flüchtlingen, vor allem um das Angebot an Sprachkursen zu verbessern. Die Volkshochschule ist nach seinem Eindruck mit dieser Aufgabe überfordert, die Absprache mit den ehrenamtlichen Arbeitskreisen für Flüchtlinge funktioniere nicht gut.

Waldeck: „Manche Flüchtlinge absolvieren gleich zwei Kurse, andere gar keinen. Für eine Ausbildung ist es aber wichtig, dass die Menschen Deutsch sprechen können. Kinder lernen in der Schule Deutsch, aber die Erwachsenen lässt man hängen.“ Waldecks Forderung: Der Bund sollte Deutschklassen an Schulen einrichten, wo auch Erwachsene fünf bis sechs Stunden lernen könnten.

Intensive Betreuung

Die ehrenamtlichen Helfer seien bei der persönlichen Begleitung der Flüchtlinge stark gefordert. Dort, wo es keine oder schlechte Busverbindungen gebe, würden die Flüchtlinge von Ehrenamtlichen zu Sprachkursen gefahren. Die Menschen würden auch bei Arztbesuchen begleitet, was oft viel Lauferei und Papierkram bedeute.

„Kinder lernen in der Schule Deutsch, aber die Erwachsenen lässt man hängen.“

Ein Problem sieht der 73-Jährige in der Perspektivlosigkeit der Flüchtlinge. Er kritisiert beispielsweise die Entscheidung des Bundes, die Familienzusammenführung einzuschränken. Waldeck: „Viele Menschen, die auf dem richtigen Weg sind, haben keine Perspektive.“

Von den etwa 200 Flüchtlingen, die derzeit in Borken und den Stadtteilen leben, gebe es etwa 60, die eine Arbeit oder eine Ausbildung bräuchten. Nur etwa 20 hätten aber ein Praktikum oder würden auf eine berufliche Tätigkeit vorbereitet.

Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge bemühe sich zwar um eine schnellere Bearbeitung der Anträge, aber bis zu einer Entscheidung über das Aufenthaltsrecht dauere es noch immer viel zu lange. Waldeck: „Manche warten ein bis zwei Jahre.“

Bei Flüchtlingen, die eine Aufenthaltserlaubnis haben, sollte sich ein 900-stündiger Integrationskurs anschließen. Aber auch hier seien die Wartezeiten lang.

Es gebe aber auch positive Entwicklungen, sagt Waldeck. In Borken gebe es beispielsweise ein Begegnungscafé, das sehr gut läuft. Dort habe man Zeit, auf die Menschen einzugehen. Im Januar soll zusammen mit der Kirche eine Kleiderkammer eingerichtet werden. Die Wohnsituation für die Menschen in den Wohnblocks in der Borkener Habichtswaldstraße habe sich verbessert. Die untragbaren Zustände hatte Waldeck im März 2016 kritisiert. Manchmal dauere es aber immer noch Wochen, bis Reparaturen ausgeführt werden.

Insgesamt 40 ehrenamtliche Helfer kümmern sich in Borken um die Betreuung der Flüchtlinge. Im Landkreis sind es insgesamt über 500.

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