Wahl am 26. September

Bürgermeisterwahl in Borken: Marcel Pritsch will wieder ins Rathaus

Unikat: Borkens Bürgermeister Marcel Pritsch ist im Alltag wie im Wahlkampf mit seinem Citroen 2CV unterwegs. Die Ente ist Baujahr1981 – und sein unverwechselbares Hobby.
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Unikat: Borkens Bürgermeister Marcel Pritsch ist im Alltag wie im Wahlkampf mit seinem Citroen 2CV unterwegs. Die Ente ist Baujahr1981 – und sein unverwechselbares Hobby.

Bürgermeister Marcel Pritsch möchte im Rathaus bleiben. Er tritt bei der Wahl für die FWG an. Seine Konkurrenten sind Yvonne Winter und Andreas Becker. 

Borken – Die Ente kurvt geschmeidig auf den Parkplatz an der Stockelache. Der Borkener Bürgermeister Marcel Pritsch ist gerne mit dem Oldtimer unterwegs, der in diesen Wochen nicht nur sein Auto, sondern auch sein Wahlkampfmobil ist: Der 51-Jährige tritt am 26. September an, um wieder gewählt zu werden. Getragen und unterstützt wird er nicht nur von der Freien Wählergemeinschaft, sondern auch von der Borkener CDU.

Seit 2015, als er zum ersten Mal als Kandidat antrat, hat sich sein Leben um 180 Grad gedreht: Er ist nicht mehr Angestellter von B. Braun in Melsungen, sondern ist Chef im Rathaus Borken, lebt nicht mehr mit der ersten Familie in Arnsbach, sondern mit der zweiten in Bad Zwesten, trägt keinen Doppelnamen mehr, sondern nur noch seinen eigenen. Viele Veränderungen in nur fünf Jahren. „Ich bin heute tatsächlich nicht mehr der, der ich damals war“, sagt der Borkener: „Das Leben zeigt, das vieles nicht planbar ist.“

Bürgermeisterwahl in Borken: Marcel Pritsch wohnt in Bad Zwesten und lebt in Borken

Weder plan- noch vorhersehbar sei der Wohnortwechsel nach Bad Zwesten gewesen – der Liebe wegen. Pritsch will dieses Thema gar nicht umschiffen, im Gegenteil, er steuert in den ersten Sätzen direkt darauf zu: „In Bad Zwesten wohne ich nur, in Borken lebe ich, vor allem lebe ich das Bürgermeisteramt dort voll aus“, sagt er.

Sein Wegzug aus der Großgemeinde – wenn auch nur ins einen Steinwurf von Kerstenhausen entfernte Bad Zwesten – war ein großes Thema in Borken, im Karneval ließ sich kaum einer die Chance entgehen, drüber herzuziehen. Pritsch konterte in der Bütt: „Alle reden vom Spruch: Hör auf dein Herz, hör, was es spricht – nur für den Bürgermeister, da gilt das nicht.“

Bad Zwesten ist der Standort, an dem er mit seiner Lebensgefährtin Noreen Meyer und deren Töchtern lebt, von seinen eigenen drei Kindern sind zwei bereits erwachsen, die Jüngste besuche ihn regelmäßig. Der Wohnort ist für ihn nicht diskutabel, ein Umzug kommt nicht in Frage: „Ich habe viel für mein wichtiges Amt aufgegeben, aber meine Familie gebe ich auf gar keinen Fall auf.“

Bürgermeisterwahl in Borken: Hallenbad, Kindergärten und Belebung der Innenstadt sind wichtige Themen für Pritsch

Mit ihr wohnt er zwar in Bad Zwesten, besuche aber mit seiner Lebensgefährtin fast ausnahmslos Veranstaltungen in Borken: „Wir gehen überall dorthin, wo Menschen sind, wo wir erfahren, was sie bewegt. Der laute Hund, das hohe Gras, die gestiegenen Gewerbesteuern: Das alles gehört zum Bauchladen eines Bürgermeisters dazu.“ In seinem „Bauchladen“ befinden sich noch andere, wesentlich schwerere Themen. Grubenunglück, Strukturwandel, die fehlenden Jahresabschlüsse und die damit verbundene vorläufige Haushaltsführung.

„Das Thema kann zwar kein Mensch mehr hören, hat mir aber das Arbeiten so schwer wie nie gedacht gemacht“, sagt Pritsch von seiner ersten Amtszeit. Zu gerne würde er ab 2022 in die zweite gehen, eine, in der er jetzt, wo die Stadt ausgeglichene Haushalte vorlegt, wieder „Herr des Verfahrens“ sein würde, wie er es nennt.

Auch wenn harte Themen und Zeiten anstehen: Das Hallenbad muss für 15 Millionen Euro saniert, Kindergärten gebaut und renoviert, ein Konzept für die Seenlandschaft erstellt, der Handel und die Innenstadt belebt und das Mittelzentrum Borken damit auch wieder ein bisschen neu erfunden werden. „Das ist eine große Agenda – aber ich würde sie sehr gerne in den kommenden Jahren abarbeiten“, sagt er.

Bürgermeisterwahl in Borken: Marcel Pritsch schöpft Kraft aus der Bewegung in der Natur

Das wollen seine beiden Herausforderer Yvonne Winter und Andreas Becker (beide aus Borken, beide unabhängige Kandidaten) auch. Die nächsten Wochen werden hart, der Wahlkampf wohl auch. Wo tankt er Energie? „Ich bewege mich gerne in der Natur, da schöpfe ich Kraft“, sagt Marcel Pritsch.

Früher sei er mehr als Jogger und Radfahrer unterwegs gewesen, das komme definitiv zu kurz in diesen Monaten, jetzt sei er eben Spaziergänger. Und wenn er nicht im Rathaus, mit seiner 40 Jahre alten Ente, nicht auf Feldwegen unterwegs ist? „Dann lesen meine Frau und ich uns gegenseitig vor, sind also unsere eigenen Hörbücher.“

Wie hat er überhaupt die Coronazeit erlebt? „Als eine schlechte Zeit. Aber auch als eine, in der die Borkener bewiesen haben, dass sie zusammenhalten,“ sagt er und verweist auf das Corona-Schnelltestzentrum, das DRK und DLRG mal eben geschultert hätten.

Und auch die Übertragung der Krankenpflegestation aus der Trägerschaft der Stadt ans DRK im September spreche von Mut und von Vertrauen. Zwei Eigenschaften, die auch Marcel Pritsch nun wohl auch selbst häufig gebrauchen kann. (Claudia Brandau)

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