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Christa Lux spielt seit 50 Jahren Orgel im Kirchspiel Kleinenglis

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Von: Claudia Brandau

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Sie gehört seit einem halben Jahrhundert zu den Gottesdiensten dazu: Organistin Christa Lux aus Kerstenhausen.
Sie gehört seit einem halben Jahrhundert zu den Gottesdiensten dazu: Organistin Christa Lux aus Kerstenhausen. © Claudia Brandau

Christa Lux spielt seit 50 Jahren Orgel im Kirchspiel Kleinenglis. Es geht ihr nicht darum, sich selbst zu präsentieren, sondern darum, mit der Musik Gefühle auszudrücken.

Kerstenhausen – Es gibt wohl kaum einen Menschen in der Region, der in den vergangenen 50 Jahren so viele Gottesdienste erlebt hat wie Christa Lux: Sie spielt seit einem halben Jahrhundert an jedem Sonntag die Orgel – und das nicht nur in einer Kirche: Kaum dass sie von der Orgelbank in Kleinenglis aufsteht, fährt sie zum zweiten Gottesdienst, der abwechselnd in Kerstenhausen und Arnsbach stattfindet.

Hinzu kommen Taufen, Konfirmationen, Hochzeiten, Beerdigungen – hochgerechnet, kommen in 50 Jahren rund 5000 Termine zusammen, an denen die Kerstenhäuserin die Orgeln hat ertönen lassen.

Christa Lux besuchte Organisten-Lehrgänge, übte und probte mit viel Disziplin

„Mein Mann sagt immer, dass er nicht nur mich und die Kirche geheiratet hat“, sagt Christa Lux und lacht. Sie war 19, als Organist Heinz Schneider erkrankte und von jetzt auf gleich ein Ersatz gebraucht wurde: Die Kerstenhäuserin, die bei Schneider Klavierunterricht gehabt hatte, kam als einzige in Frage. Und saß, bevor sie sich versah, schon an der Orgel. Es war ein Sprung ins eiskalte Wasser: „Die Gottesdienstbesucher brauchten damals viel Nachsicht“, sagt sie im Rückblick.

Doch Christa Lux ist keine Frau, die die Dinge halbherzig angeht: Sie besuchte Organisten-Lehrgänge in Kassel und Schlüchtern, übte und probte mit derselben Disziplin und Zuverlässigkeit, mit der sie sonntags an der Orgel sitzt. Doch das war nicht immer stressfrei: Oft spielte sie sonntags die Orgel, fuhr schnell heim, wechselte hier eine Windel, gab dort ein Fläschchen – die vier Kinder wollten genauso versorgt werden wie der Ehemann, die Eltern, der landwirtschaftliche Betrieb.

Christa Lux hat Freude an der Musik, am Gottesdienst, am Gotteshaus

„Aber es hat mich nie jemand gefragt: Muss das jetzt sein, dass du wieder fort musst?“, sagt Christa Lux. Ihre Familie habe immer Verständnis gehabt. Sogar soviel, dass sie schon vor Jahrzehnten den Heiligen Abend in den „Eiligen Abend“ um getauft hat: An kaum einem anderen Tag häufen sich die Termine einer Organistin so wie an diesem.

Christa Lux hat Freude an der Musik, am Gottesdienst, am Gotteshaus: „Ich fühle mich in unseren Kirchen aufgehoben und behütet, zusammen mit der Musik geben sie mir Lebenskraft.“ Genau das drücke ihre Musik auch aus, sagt Pfarrer Frieder Seebaß aus Kleinenglis: „Bei Beerdigungen kann manwirklich Trost aus ihrem Orgelspiel ziehen.“

Christa Lux geht es nie darum, sich selbst zu präsentieren, sondern darum, mit der Musik Gefühle auszudrücken: will die Freude bei Taufen und Hochzeiten erhöhen, Trost geben in Momenten, in denen Angehörige Abschied nehmen müssen.

Gottesdienst zu Ehren von Christa Lux in der Kirche Kerstenhausen

Gibt es ein Lied, das ihr besonders lieb ist? „Geh aus mein Herz und suche Freud“, sagt sie nach kurzem Überlegen. „Das haben wir von frühester Jugend an gesungen – man kann sich dabei so gut vorstellen, wie die Natur blüht und wächst.“

Gerade blühen und wachsen auch die acht Enkel heran, ihnen allen will sie die Freude an der Musik vermitteln. Enkel Henning hat gerade zum ersten Mal einen Choral auf der Kerstenhäuser Orgel gespielt.

Das ist ein solcher Moment, in dem das Herz aufgeht und Freude findet. Das soll es auch beim Festgottesdienst, der am Sonntag, 12. Juni, ab 10 Uhr mit Kirchenmusikdirektor Uwe Maibaum in der Kirche Kerstenhausen zu Ehren von Christa Lux stattfindet. Und zu dem alle eingeladen sind. (Claudia Brandau)

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