Nach Massentest

Corona-Ausbruch in Borken: Mitarbeiter klagen über Ausgrenzungen

Ein Haus in Borken mit der Aufschrift Blumenhain und einem Gemälde
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Viele Corona-Infektionen wurden im Altenheim Blumenhain bestätigt

In einem Altenheim in Borken (Schwalm-Eder-Kreis) wurde nach einem Corona-Ausbruch ein Massentest durchgeführt. Die Betroffenen sind jetzt Ausgrenzungen und Anfeindungen ausgesetzt.

  • Über 20 bestätigte Corona-Infektionen in Borken (südlich von Kassel)
  • Mehr als 400 Personen wurden getestet
  • Bisher kein schwerer Verlauf der Infektion

Update vom Dienstag, 28.07.2020, um 14.20 Uhr: Nach dem Corona-Ausbruch fühlen sich viele Menschen in Borken stigmatisiert. Mitarbeiter des betroffenen Altenheims Blumenhain seien ausgegrenzt und angefeindet worden. In dem Heim in Borken (südlich von Kassel) wurden 15 Bewohner und 8 Mitarbeiter Mitte Juli positiv auf Corona getestet.

Selbst Verwandte und Kinder der Mitarbeiter seien jetzt von Ausgrenzungen betroffen, berichtet die Interimsleiterin des Heims, Manuela Freidhof. Sie verweist auf den kürzlichen Massentest aller Kontaktpersonen. Von den negativ getesteten Personen ginge weniger Gefahr aus, als von nicht getesteten Menschen.

Corona in der Region Kassel: Ausbruch und Massentest in Borken

Originalmeldung vom Sonntag, 26.07.2020, um 15.43 Uhr: Borken - Im Altenheim Blumenhain in Borken im Schwalm-Eder-Kreis südlich von Kassel sind 23 Corona-Infektionen bestätigt worden. Betroffen sind 15 Bewohner und acht Mitarbeiter, so das Ergebnis einer Reihentestung. Dabei wurden am Freitag alle 291 Bewohner und 158 Mitarbeiter getestet, sagt Erster Kreisbeigeordneter und Gesundheitsdezernent Jürgen Kaufmann.

Der erste Fall sei am 15. Juli beim Küchenpersonal aufgetreten, erklärt Kaufmann. Drei Tage später sei dann eine Bewohnerin positiv auf Covid-19 getestet worden. Seit diesem Tag stehe das Heim unter Quarantäne.

Corona in der Region um Kassel: Besuchs- und Ausgehverbot

Das bedeutet für das Seniorenheim in Borken (südlich von Kassel): Besuchs- und Ausgehverbot, Nachverfolgung der Infektionswege und Reihentestungen. Außerdem wurden die Gemeinschaftsräume geschlossen, eine Isolier- und eine Beobachtungsstation eingerichtet. Und: Für die Bewohner gilt jetzt Zimmerquarantäne.

„Das haben wir gewollt und eingefordert, es wurde auch vom Gesundheitsamt so angeordnet“, sagt Manuela Freidhof. Die Interims-Leiterin, die ihre Tochter und Heimleiterin Manuela Freidhof-Debes sowie deren Mann Florian Debes während der Sommerferien vertritt, erklärt, dass zufällig entdeckt worden sei, dass auch eine Bewohnerin mit Corona infiziert ist.

Die Frau war wegen einer anderen Erkrankung in ein Krankenhaus gebracht und dort routinemäßig auf Covid-19 getestet worden. „Sie hatte einen atypischen Verlauf und zeigte keine Symptome“, so Freidhof. Überhaupt sei der Krankheitsverlauf bei den Corona-Infizierten bislang eher mild, so Kaufmann. Doch: „Das kann sich stündlich ändern, es ist eine riskante Situation“, macht er die Brisanz deutlich. Man wisse nicht, wie sich die Krankheit bei den Infizierten weiter entwickele.

Corona in der Region um Kassel: Corona-Warnlampe beim Gesundheitsamt auf Gelb

Bislang müsse keiner der mit Corona Infizierten in einer Klinik behandelt werden – die betroffenen Mitarbeiter seien in häuslicher Isolation und die infizierten Bewohner auf einer Isolierstation.

Die 449 Tests wurden vom Kreisgesundheitsamt mit der Gesundheit Nordhessen unter Leitung des Chefarztes der Infektionsdiagnostik Dr. Marcus Thomé durchgeführt. Die Gesundheit Nordhessen Holding AG ist ein kommunaler Klinikverbund mit Sitz in Kassel. „Alles hat sehr gut funktioniert“, so Kaufmann. Auch setze das Blumenhain-Team alle Vorgaben sehr gut um.

„Unsere Warnlampe steht auf Gelb“, so Kaufmann mit Blick auf die Corona-Neuinfektionen. „Die Inzidenz liegt bei 21 Fällen in sieben Tagen.“ Steigt sie auf 50, müsse man die Reißleine ziehen. Da der Ausbruch lokal auf ein Altenheim begrenzt sei, wäre ein Lockdown unverhältnismäßig. Doch sei die Infektionszahl zuletzt insgesamt leicht gestiegen. „Man kann allen Menschen nur raten, vorsichtig zu sein und sich an die Hygiene- und Abstandsregeln zu halten – Corona ist noch da.“

Corona in der Region um Kassel: Die Pandemie ist noch nicht vorbei

Alle aktuellen Entwicklungen der Pandemie in der Region gibt es in unseren Corona-Ticker für Kassel.

In Kaufungen bei Kassel gab es den Verdacht auf einen Corona-Ausbruch. In einem Hort hatte sich eine Betreuerin infiziert.

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