Bloß nicht mehr büffeln

Debatte an der GHS Borken: Schüler wehren sich gegen Samstagsschule

Max Adamonis und Moritz Arendt (ganz links) und Julia Esau und Schulleiterin Christine Sperlich (vorne) stehen vor Rednerpulten, im Hintergrund die Klasse.
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Ab sofort auch samstags in die Schule gehen? Max Adamonis und Moritz Arendt (ganz links) und Julia Esau und Schulleiterin Christine Sperlich (vorne) diskutierten zur fiktiven Frage mit der Klasse 8 c der GHS.

Die ganze Aufregung an der Borkener Gustav-Heinemann-Schule begann mit einem Missverständnis. Und auch mit der großen und wichtigen Frage, wie man Fake-News, also falsche Nachrichten, erkennt.

Borken - Die gesamte Klasse 8c der Borkener Gustav-Heinemann-Schule (GHS) hatte kurz geglaubt, dass sie wegen großer Wissenslücken ab sofort auch samstags in die Schule müsse. Zur Erleichterung von Schülern, Lehrern und Eltern stimmt das nicht.

Aber das Thema brachte genau den Zunder in die Klasse, den sie brauchte, um zu lernen, wie man spannende Debatten führt.

Angestoßen hatte alles Lehrerin Christin Hembd, die mit der Klasse das Thema Erörterung behandelte. Um Schwung in die Sache zu bringen, bat sie Schulleiterin Dr. Christine Sperlich um einen fiktiven Elternbrief. Und die setzte ein wirklich überzeugendes, aber dennoch erfundenes Schreiben auf: Der Distanz- und Wechselunterricht in der Coronakrise lasse die schulischen Leistungen sinken. Deshalb habe die GHS nun mit dem Staatlichen Schulamt entschieden, die Unterrichtspflicht bis Schuljahresende zu erweitern: Samstags von 8.15 bis 13.15 Uhr sollten die massiven Leistungsrückstände aufgeholt, die Schüler vom Handy ferngehalten, die Versetzungschancen erhöht werden. Das vermeide, dass sonst die Schulferien gekürzt werden müssten.

Der angeblich ernst gemeinte Brief machte in Whats App Gruppen die Runde, stürzte Schüler in Verzweiflung und Entsetzen, versetzte Eltern in Erstaunen. Das Telefon in der GHS stand nicht still. „Wir haben das Rätsel natürlich schnell auf der Internetseite aufgelöst“, sagt Christine Sperlich.

Dennoch hatte die Aussicht auf einen weiteren Unterrichtstag die Schüler derart erschüttert, dass sie wild an Gegenargumenten arbeiteten. Und so standen sich nun die Debattierer in der 8c gegenüber. Schülerin Julia Esau und Direktorin Christine Sperlich auf der Pro-Seite, die Schüler Moritz Arendt und Max Adamonis auf der Kontra-Seite. Keine ließ es an Argumenten mangeln. Die Leistung vieler Schüler hätten sich zu Coronazeiten verschlechtert, so Julia Esau – samstags bestehe nun die gute Gelegenheit, die Wissenslücken zu schließen.

Moritz Arendt hatte gleich drei starke Argumente: Samstagsunterricht bedeute Stress für die Eltern, wenig Zeit für Familieneinkäufe und Ausflüge, und vor allem sei dann jedes Vereinsleben unmöglich. Christine Sperlichs stärkstes Argument: Wer samstags in Bücher schaue, könne nicht am Handy daddeln. „Ein onlinefreier Samstag ist gut für die Entwicklung.“

Das war nun wahrlich kein Argument, das Jugendliche in Verzücken versetzt. „Gibt es denn kein Gesetz, das uns Schüler schützt?“, wollte Moritz Arendt genervt wissen. „Wir haben doch schon 40 Stunden!“ Das stimme, gab Sperlich zu. „Wenn ihr die Schule und die Hausaufgaben wirklich ernst nehmt, habt ihr tatsächlich 40 Stunden.“

Am Ende der Stunde samt zig Argumenten stellten alle Seiten fest, dass die Gegner gut waren – dass aber tatsächlich niemand Interesse am Samstagsunterricht habe – selbst nicht die Schulleiterin.

Eine Frage aber blieb: Woran erkennt man Fake News? Tipp: Nachfragen, Nachforschen, alle Stellen fragen, auf die Internetseite von Behörden schauen, nur nicht alles glauben. Und das war wohl eines der wichtigsten Dinge, die es zu lernen gab: Man darf nicht sofort alles glauben, was man hört. Wer einen wachen Verstand hat, sollte ihn einsetzen und die Dinge prüfen. Recherche hat noch nie geschadet. (Claudia Brandau)

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