Müll türmt sich

Viele Probleme am Singliser See: Stadt Borken muss täglich Berge von Unrat entsorgen

Ein Mann  steht vor einem kleinen Lieferfahrzeug und entleert eine Mülltonne
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Manfred Fennel hat in diesen Tagen am Singliser See viel zu tun: Der Mitarbeiter des Borkener Bauhofs sammelt nach heißen Tagen bis zu drei Container Müll auf – Sektflaschen gehören zu harmlosen Funden.

Der Singliser See wird in diesen Tagen von Besuchern überrannt: Wenn die gehen, bleibt tonnenweise Müll zurück. Mitarbeiter des Bauhofes räumen ihn weg – und werden dafür noch verlacht.

Borken – Als Manfred Fennel sich am Sonntagmorgen daran machte, die Mülltonnen am Singliser See zu leeren, musste er sich in aller Frühe die ersten Beschwerden anhören: Wie es denn bitteschön auf der Liegewiese aussehe, wollte der Badegast wissen, der sich da beklagte. Fennel solle zusehen, dass jetzt endlich der ganze Müll wegkäme, der da herumliege.

Becher, Pizzakartons, Windeln: Es gibt nichts, was Manfred Fennel nicht rund um den See findet.

Es sind Momente wie diese, die den Mitarbeiter des Bauhofs sprachlos machen. Schließlich war es Sonntag, Fennels Einsatz also alles andere als selbstverständlich. Doch einige wenige Badegäste sind deutlich netter: Neulich reichte ihm doch eine Frau eine Flasche Wasser und ein Gebäck als kleines Dankeschön fürs unermüdliche Aufräumen. „Aber sowas ist selten“, räumt er ein.

Bis zu drei großen Containern Unrat fährt Fennel am Tag mit seinem kleinen roten Bauhoflaster zusammen. Dafür muss er immer wieder nach Borken fahren, um dort die Ladeflächen zu leeren, um dann weitere Windeln, Weinflaschen, Kaffeebecher aufzulesen.

Denn die befinden sich nicht etwa in den über 30 Mülltonnen, die die Stadt für die Besucher in dichten Abständen rund um den See aufgestellt hat, sondern liegen auch in den Büschen oder einfach im Gras. Am gestrigen Freitag lag sogar ein Surfbrett im Graben. Auch das wuchtete Fennel aufs Fahrzeug. Kaputte Liegen, Luftmatratzen, Sonnenschirme: „Die Leute lassen alles stehen und liegen“, sagt Fennel und setzt schulterzuckend eine Mülltonne an, die das Fahrzeug automatisch hebt und leert. Diese technische Neuerung gibt es seit Fennels Arbeitsunfall: Bis vor vier Jahren hat der 60-Jährige die Tonnen auf die Ladefläche gehoben. Exakt bis zu dem Tag, an dem sich im Behälter aber nicht leichte Abfälle, sondern schwerer Bauschutt befand. Fennel hob – und brach sich einen Lendenwirbel an. Seitdem ist er vorsichtiger geworden, sichtet den Inhalt, bevor der am Lasterchen landet.

Das alles tut er unter den Augen vieler Menschen. Und erntet auch unschöne Kommentare. „Viele Jüngere lachen mich direkt aus, dass ich diesen Job mache“, erzählt der 60-Jährige. Doch das macht ihm nichts – er macht seine Arbeit gerne. Über fünf Stunden dauert seine tägliche Säuberungstour rund um Stockelache und Singliser See. Gerade an Letzterem habe das Mülllaufkommen dramatisch zugenommen, sagt Fennel. Die Kosten für dessen Entsorgung trägt die Stadt, genau wie für die Dixie-Toiletten, die am Ufer für die Besucher bereitstehen.

Viele Badegäste nähmen das, obwohl sie keinen Eintritt, sondern nur Parkgebühren zahlen, als selbstverständlich hin, sagt Stadtsprecherin Susanne Norwig. So selbstverständlich, dass sie sich am Eigentum der Stadt vergreifen: Manche Tonne verschwinde einfach, berichtet Fennel. Dabei sind an jedem Tag zwölf Ordnungsamtsmitarbeiter und Sicherheitsleute unterwegs, um zu schauen, dass alles rund läuft. Vor allem dann, wenn die Massen den See stürmen. (Claudia Brandau)

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