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Die Gombether haben viel Geduld

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Von: Claudia Brandau

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Freuen sich über neue Orgel und Tontechnik in der Friedhofshalle Gombeth: Pfarrer Gunther Weyershäuser (links) und Ortsvorsteher Hans-Jürgen Wichmann.
Freuen sich über neue Orgel und Tontechnik in der Friedhofshalle Gombeth: Pfarrer Gunther Weyershäuser (links) und Ortsvorsteher Hans-Jürgen Wichmann. © Claudia Brandau

Die Friedhofshalle in Gombeth ist mit einer neuen Orgel und neuer Tontechnik nun gut ausgestattet. Wenn Pfarrer Gunther Weyershäuser aber gewusst hätte, welch große Geduldsprobe ihn mit diesem Projekt erwartet, er hätte vielleicht nie Spenden fürs neue Instrument gesammelt.

Gombeth - Schon im Frühjahr 2021 war klar, dass das bisherige Instrument in der Gombether Friedhofshalle ersetzt werden muss. Die alte Orgel hatte jahrzehntelang guten Dienst geleistet, war aber abgängig. Und es gab das Angebot, eine sehr gute gebrauchte Orgel für 1900 Euro zu kaufen.

Weyershäuser zögerte nicht, er setzte einen Brief mit der Bitte um Spenden für die Musik in der Friedhofshalle auf, die Mitglieder des Ortsbeirates trugen die Post in die Häuser der Gombether Einwohner.

Und die zeigten sich sehr großzügig, gaben binnen kurzer Zeit über 3300 Euro. Mehr Geld, als für die Orgel gebraucht wurde – das aber willkommen war, um auch die defekte Lautsprecher-Technik zu ersetzen. „Wer bei Trauerfeiern vor der Halle stand, der konnte meist kein Wort verstehen“, sagt Weyershäuser. „Die Lautsprecher waren defekt, die Gemeinde draußen war vom Geschehen drinnen komplett ausgeschlossen.“ Und das in Coronazeiten, als meist weit mehr Menschen draußen standen, als Besucher drinnen saßen.

Kirchengemeinde hat ihr blaues Wunder lebt

Einstimmiger Beschluss: Der Rest des Spendengeldes sollte neue Tontechnik finanzieren. Gesagt, getan. Mikrofone und Lautsprecher waren fix bestellt und geliefert: Aber erst jetzt, 19 Monate später, konnten sie installiert werden – in der Zwischenzeit gab es niemanden, der sich erbarmt hätte. „Wir haben bei der Auftragsvergabe tatsächlich unser blaues Wunder erlebt“, sagen Weyershäuser und Ortsvorsteher Hans-Jürgen Wichmann. Keine Firma sah sich in der personellen oder zeitlichen Lage, die Geräte anzuschließen. Die einen Betriebe sagten ab, die anderen sagten zu, ließen dann aber nichts mehr von sich hören. „Damit hatten wir überhaupt nicht gerechnet, dass so was passieren könnte“, sagt Weyershäuser.

Die Lösung kam in Gestalt von Ralf Siehl daher. Der Elektromeister aus Gombeth hörte vom Problem und versprach spontan, es auf dem ganz kurzen Dienstweg zu lösen: Ralf Siehl installierte je zwei Lautsprecher drinnen und draußen, montierte Leselampen an Pult und Orgel und ersetzte die schummrig-flackernden Beleuchtungen in der Halle gegen energiesparendere Leuchtkörper.

„Mit dieser Ausstattung ist die Friedhofshalle endlich im 21. Jahrhundert angekommen“, freut sich Pfarrer Weyershäuser über die Großzügigkeit der Gombether und die Hilfsbereitschaft des Elektrikers, der exakt die Summe für seine Arbeit berechnete, die aus dem großen Spendentopf nach dem Orgelkauf übrig war. „Das war sensationell günstig – und es zeugt von der großen Hilfsbereitschaft und der Ortsverbundenheit von Ralf Siehl“, sagt Ortsvorsteher Wichmann.

Überhaupt sei die Dorfgemeinschaft stark ausgeprägt und gut: „Die Menschen sind bereit, sich für ihren Ort einzubringen“, sagt Wichmann. „Und das ist heute alles andere als selbstverständlich.“ (von Claudia Brandau)

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