Reisewarnung wird aufgehoben

Die Lust auf Urlaub und Reisen im Schwalm-Eder-Kreis steigt wieder

Das Tui-Reisecenter Borken ist ab sofort an neuem Standort zu finden: Karl-Martin Gabbey hat sein Unternehmen nach Kleinenglis verlagert.
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Das Tui-Reisecenter Borken ist ab sofort an neuem Standort zu finden: Karl-Martin Gabbey hat sein Unternehmen nach Kleinenglis verlagert.

Die Lust auf Urlaub und einen Tapetenwechsel steigt im Schwalm-Eder-Kreis deutlich. Viele Reisebüros werden jetzt von Anfragen und auch Buchungen überrollt.

Schwalm-Eder – Die Bundesregierung hat am Freitag nach mehr als einem Jahr die generelle Reisewarnung für viele touristische Reisen in Corona-Risikogebiete ab dem 1. Juli aufgehoben. Kathrin Heimer vom Reiseland MeerErleben in Homberg ist erleichtert: „Die Leute wollen und können wieder verreisen.“ Gefragt seien vor allem europäische Länder, insbesondere Gebiete, in denen für Geimpfte sowohl Tests als auch anschließende Quarantäne entfielen. Die Menschen seien erleichtert, dass sie bei vielen Ländern für die Einreise nur noch einen Schnelltest und keinen PCR-Test mehr benötigen. „Das macht das Reisen einfacher und günstiger.“ Heimer hofft auf die Sommerferien: „Ich denke, es wird ein Last-Minute-Jahr.“

Man merke deutlich, dass das Geschäft wieder anlaufe, sagt Jürgen Degethoff, Inhaber des Melsunger Tui-Reisecenters. Vor allem Griechenland, Spanien, Kanaren und Balearen seien gefragt. Dafür gebe es nur wenige Anfragen zu Fernreisen. Da die Bundesregierung keine Rückhol-Aktion wie 2020 in Aussicht stellt, bieten Veranstalter einen Covid-19-Reiseschutz an. Degethoff: „Der Kunde muss keine Angst haben.“ Pedro da Silva vom Reisebüro „Reiseland da S. reisen“ in Fritzlar zeigt vollen Einsatz, aber seine Mitarbeiterinnen sind nach wie vor in Kurzarbeit. Denn: „Wir nehmen zwar Buchungen vor, aber die Provision wird erst nach Abreise zum Urlaubsort bezahlt.“

Die entscheidende Frage bei den Kunden sei: Wohin kann man ohne große Einschränkungen reisen? Seitdem die Türkei nicht mehr als Hochrisikogebiet gilt, gebe es auch für dieses Ziel wieder Anfragen. Die Kunden benötigten aber gerade in diesen Zeiten eine gute Beratung, ergänzt Marin Gabbey vom Tui-Reisecenter Borken. Maren Thamer vom Busreisedienst Bonte in Schwalmstadt zeigt sich zuversichtlich: Am Samstag fand die erste Fahrt seit einem Jahr statt – zum Spargelessen in Delbrück.

Kurztrips stehen hoch im Kurs

Fast ein Jahr lang fuhr der Busreisedienst Bonte aus Schwalmstadt keine Touren: „Jetzt dürfen wir wieder starten, wenn auch unter Auflagen“, sagt Maren Thamer, bei Bonte zuständig fürs Marketing.Die Nachfrage sei groß: „Man merkt, dass die Leute zwar noch Bedenken haben, aber der Wille zum Reisen ist da, das ist ein Hoffnungsschimmer.“ Das Schwalmstädter Unternehmen legt seinen Schwerpunkt künftig auf Deutschland und dessen Nachbarländer. „Kurztrips an die Ostsee, in den Spreewald oder nach Berlin stehen gerade hoch im Kurs“, so Maren Thamer.

Jürgen Degethoff, Inhaber des Tui-Reisecenters in Melsungen, war gerade selbst vor 14 Tagen auf Mallorca und hat sich vor Ort für seine Kunden umgeschaut. „Die Hotels dort sind gut auf den Tourismus vorbereitet und auch auf den Flughäfen läuft alles gesittet ab“, berichtet er.

Beratung ist bei vielen Zielen intensiv

Doch die Zeiten, in denen man mal eben ganz fix eine Reise bucht, seien noch nicht wieder angebrochen, sagt Karl-Martin Gabbey, der gerade mit seinem Tui-Reisecenter von Borken nach Kleinenglis umgezogen ist. „Für manche Länder sind noch beratungsintensive Gespräche erforderlich.“ Denn viele Fluggesellschaften hätte die Plätze und Angebote verknappt, nicht alle Hotels seien bereits wieder geöffnet.

Seine Kunden wollen zurzeit vor allem in Europa Urlaub machen, die Nachfrage nach Fernreisen sei sehr verhalten. „Die Leute wollen dahin, wo das Reisen so angenehm und einfach wie möglich ist.“ Diese Ziele veränderten sich aber sozusagen gerade täglich. Gabbey hat gerade sein Reisecenter von der Borkener Bahnhofstraße nach Kleinenglis verlagert, sich trotz oder auch wegen Corona neu aufgestellt: „Ich glaube an den Tourismus“, sagt der 58-Jährige: „Er verbindet Kulturen, bildet die Menschen, macht sie weltoffener.“

Die Pandemie hat er als eine Zeit erlebt, in der die Branche durch ständig neue Vorgaben und Regen getaumelt sei. Aber: „Wir sind seit dem 11. September 2001 krisenerfahren, auch damals flogen uns die Buchungen um die Ohren – der Tourismus ist eben von Krisen immer zuerst betroffen.“ Für Gabbey sei es nie in Betracht gekommen sein Reisebüro aufzugeben: Im Gegenteil, er hat sich neu aufgestellt, bietet Video- und Onlineberatungen, an sieben Tage die Woche, rund um die Uhr. Wie wird das Reisen in Zukunft aussehen? „Wir müssen versuchen, es so gut es geht mit der Natur in Einklang bringen“, sagt Gabbey. „29-Euro-Flüge nach Mallorca sind aus ökologischer Sicht jedenfalls nicht mehr vertretbar.“ (Christina Zapf und Claudia Brandau)

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