Betreuung in der Einrichtung

Ein Ort gegen das Alleinsein: Borkener Tagespflege für Senioren startet in neue Normalität

Tagespflege nach der Pandemie: von links Martha Engelhardt (82) aus Gombeth, Martina Flecke von der Pflegedienstleitung, Waltraud Baumgart (83) aus Kleinenglis, Ralf Geisel, Anna Siemers (84) aus Kleinenglis.
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Tagespflege nach der Pandemie: von links Martha Engelhardt (82) aus Gombeth, Martina Flecke von der Pflegedienstleitung, Waltraud Baumgart (83) aus Kleinenglis, Ralf Geisel, Anna Siemers (84) aus Kleinenglis.

Nach dem Corona-Lockdown startet die Borkener Tagespflege für Senioren in die neue Normalität. Über das Zusammenkommen freuen sich alle.

Borken – Es herrscht ein großes Geschnatter in der Borkener Tagespflege Lebensraum: Rund 25 Senioren sitzen an Tischen zusammen, lesen alleine in Sesseln oder rätseln und spielen zusammen. Selbstverständlich ist das für niemanden, der dort arbeitet oder tageweise zu Gast ist. Im ersten Coronalockdown war die Tagespflege geschlossen, jetzt ist ein Zusammenkommen wieder mit einem strengen Hygienekonzept möglich.

„Das ist die neue Normalität“, sagt Leiter und Inhaber Ralf Geisel aus Frielendorf. Er ist Landesvorsitzender des Bundesverbands private Anbieter und soziale Dienste.

Für Martha Engelhardt aus Gombeth, Anna Siemers und Waltraud Baumgarten aus Kleinenglis stellt die neue Realität in der Einrichtung eine prima Alternative zum Alleinsein zu Hause dar. „Es hat mir richtig etwas gefehlt“, sagt Martha Engelhardt. „Hier ist es schöner als daheim, man hört und sieht was anderes und ist beschäftigt.“ Vier Tage die Woche kommt die 82-Jährige in die Tagespflege Lebensraum im Borkener Bommerweg.

Die bietet mit einer Grundfläche von 600 Quadratmetern genügend Platz, um Abstände einzuhalten – ohne dass das Gefühl des Alleinseins, das viele in der Pandemie erlebt haben, wieder aufwallt. „Die meisten waren total glücklich, als sie wieder herkommen konnten“, sagt Martina Flecke von der Pflegedienstleitung: „Die ersten Tage waren total emotional.“ Die Gäste – sie sind zwischen 60 und 102 Jahre alt – seien heilfroh darüber gewesen, wieder ihre Freunde treffen zu können, viele Angehörige erleichtert über die Entlastung.

Und genau das soll eine Tagespflege sein: Ein Ort, an dem die Senioren Kontakte knüpfen und sich gut beschäftigen können und zugleich die Familie tagsüber aus der Verantwortung nimmt. „Wir sind alles andere als eine Verwahranstalt“, sagt Ralf Geisel und lacht. 2013 hatte der heute 57-Jährige den Traum wahr gemacht und mit dem Lebensraum eine Schnittstelle zwischen ambulanter und stationärer Betreuung eröffnet.

„So können wir dazu beitragen, dass die Menschen so lange wie möglich im häuslichen Umfeld bleiben können“, sagt Geisel, der auch einen Pflegebetrieb in Frielendorf betreibt. Corona aber, so sagt er, habe das Thema der Alterseinsamkeit noch deutlicher gemacht: Viel Senioren hätten die Kontakte auf ein Minimum reduziert und sehr isoliert gelebt.

„Da besteht durchaus Gefahr, dass man sprachloser wird und das Miteinander verliert“, sagt Geisel. In der Tagespflege ist das Gegenteil der Fall. Geisel will Senioren ermutigen, solche Angebote in ihrer Umgebung anzunehmen, verweist auf die flächendeckenden Möglichkeiten und Kapazitäten im Landkreis. „Kontakte und Freizeitgestaltungen erhöhen die Lebensqualität“, ist er überzeugt.

Waltraud Baumgardt und Anna Siemers geben ihm recht. Beide kennen sich schon aus Kindertagen aus Kleinenglis – und haben sich auch im Alter noch viel zu erzählen. „Man ist in Gesellschaft und nicht alleine“, sagen die beiden, die sich in der Borkener Einrichtung wieder getroffen haben und die Unterhaltung genießen. Dann gibt es Torte, Martha Engelhardt hatte Geburtstag. Da sage noch einer, das Leben habe im Alter nichts zu bieten. (Claudia Brandau)

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