Einrichtung ist seit 1971 dicht

Eines der ersten Schwimmbäder in Fritzlar-Homberg: So war es im Freibad Pfaffenhausen

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War früher schon Übungsgelände: Die Feuerwehr Pfaffenhausen bei einer Übung im Schwimmbad 1960.

Pfaffenhausen. Es war eines der allerersten Bäder, die im Altkreis Fritzlar-Homberg gebaut wurden: Heute aber treffen sich am Pfaffenhäuser Becken nicht mehr die Schwimmer, sondern die Feuerwehrleute.

Das ehemalige Bad dient heute den Brandschützern als Löschwasserteich und dem Pächter als Fischteich. Für viele Menschen aus der Region ist dieser Ort aber immer noch mit schönen Erinnerungen verbunden.

Dieter Götte (59) weiß noch, wie das Bad 1954 unter der Regie des damaligen Bürgermeisters Fritz Dülfer gebaut wurde – und dass es von Anfang an auch als Löschwasservorrat vorgesehen war. Damals war Pfaffenhausen noch nicht an das Wassernetz angeschlossen. Erst 1958 wurde das Wasserwerk Haarhausen gebaut, von dem die Pfaffenhäuser mit Frischwasser versorgt werden. Dazu war Pfaffenhausen auch Gründungsmitglied vom Gruppenwasserwerk.

Da möchte niemand baden gehen: Das ehemalige Schwimmbad Pfaffenhausen dient schon seit 1971 als Angelteich. Pächter Thomas Haust (links) und Dieter Götte aus Pfaffenhausen beim Algenfischen. 

Im Schwimmbad gab es feste Badezeiten, dazu gab es für die Schwimmer und Planscher einen Kiosk, den Walter Aubel betrieb. Und sogar eine Poststelle war dort eingerichtet. Aubel war auch für den Eintritt zuständig, er riss die Karten von einer Rolle ab, wie man sie heute als Getränkemarken von Festen her kennt, erzählt Dieter Götte.

Erster Bademeister war Siegfried Dunitza, ein Student, der sich etwas dazuverdiente, bevor er Lehrer in Borken wurde. Dunitzas Nachfolger waren Monika Dingel und Adolf Michel, ein lustiger Mann, den man an seiner Tabakspfeife erkannt habe.

In den Wintermonaten, wenn das Bad zugefroren war, nutzten die Kinder die Eisfläche zum Schlittschuhlaufen und Eishockeyspielen, natürlich ganz geheim: Der damals zwölfjährige Dieter Götte wurde damals von seiner Mutter oft gewarnt, er solle bloß nicht aufs Eis gehen. Passiert aber, sagt er, sei nie etwas. 1971 aber entstanden rundum neue, größere schicke Bäder in den größeren Orten, der Betrieb in Pfaffenhausen wurde eingestellt. Denn dort gab es weder Toiletten noch Filteranlagen. Fortan kümmerte sich die Feuerwehr ums ehemalige Bad, das zum Löschteich umfunktioniert wurde, sie reinigt das Becken alle paar Jahre.

1972 wurde das Bad erstmals als Feuerlöschteich beim Großbrand eines Aussiedlerhofs genutzt. Eine wichtige Rolle spielte es beim Grubenunglück Stolzenbach vom 1. Juni 1988. Das Wasser wurde bis hinauf in die Gemarkung Am Silberrain gepumpt. Es war das Kühlwasser, das für jene Bohrungen benötigt wurde, mit denen am Unglückstag die Retter die Grubenschächte belüfteten.

Sie schwimmen lieber in Seen als in Freibädern? Hier finden Sie unsere große Übersicht der schönsten Badeseen der Region.

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