Fahrzeug ist immer donnerstags unterwegs

Er bringt die Borkener voran: Bürgerbus seit einem Jahr unterwegs

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Schätzen Zuverlässigkeit: Ursula Rheingans aus Gombeth, Annemy Busch aus Kleinenglis und Koordinatorin Gabi Michel (von links) freuen sich, dass der Bürgerbus mit ehrenamtlicher Hilfe durchs Stadtgebiet rollt.

Borken – Pünktlich zu sein ist für Ursula Rheingans Ehrensache. Als der Bürgerbus vor ihrem Haus in Gombeth vorfährt, steht die 78-Jährige schon vor der Haustür. Dabei ist Fahrerin Irmtraud Hahn auf die Minute pünktlich. 

„Ich lasse die Leute ungern warten“, sagt die Gombetherin und verstaut ihren Trolley im Kofferraum des Busses. Ursula Rheingans fährt oft donnerstags zum Einkaufen nach Borken – weil an diesem Tag der Bürgerbus unterwegs ist.

Mittwochs anrufen, donnerstags bequem fahren – dieses Angebot nutzt auch Annemy Busch aus Kleinenglis. Es war erst das zweite Mal, dass die rüstige 87-Jährige den Service nutzte, den die Stadt Borken seit einem Jahr anbietet. 67 Jahre lang ist Annemy Busch gerne Auto gefahren – jetzt steigt sie auf den Bürgerbus um, wenn sie in die Kernstadt will.

Das ist ihre Chance, um mal raus kommen: Fatemeh Hosseini mit Tochter Melina (links) und Maryam und Sara Rezai fahren von Kleinenglis zur Oase nach Borken.

Im selben Jahr, in dem Annemy Busch ihren Führerschein machte, wurde Irmtraud Hahn geboren: Die Borkenerin gehört zu den insgesamt sechs ehrenamtlichen Fahrern. Irmtraud Hahn ist Frau der ersten Stunde und überzeugte Bürgerbusfahrerin: „Es macht Spaß. Man kommt mit Leuten zusammen – und die meisten sind wirklich dankbar fürs Angebot.“ So wie Fatemeh Hosseini und Maryam Rezai. Die beiden Frauen, die aus Afghanistan stammen und in Kleinenglis leben, fahren in die Oase, den Treffpunkt für geflüchtete Frauen. Auch die Montagsangebote würden sie gerne nutzen, damit sie und ihre Kinder besser Deutsch lernen – doch der Bus rollt nur einmal die Woche.

Ilse Koch aus Gombeth gehört zu denen, die das Angebot das ganze Jahr über beständig annehmen: Sie legt sich alle Termine so, dass sie sie mit dem Bürgerbus wahrnehmen kann. Früher, sagt Ilse Koch, sei sie bei Wind und Wetter mit ihrem Rollator bis zur Bushaltestelle gerollt, heute nutze sie die Chance, dass sie zu Hause abgeholt und auch wieder heimgebracht wird.

Der Vormittag ist fast vorbei, Irmtraud Hahn hat mehrere Runden gedreht. Nach einem Jahr hinter dem Steuer des Bürgerbusses kennt sie sich aus im Stadtgebiet, hat viele Straßen und Schleichwege neu entdeckt. Am Donnerstag hat sie bis elf Uhr sieben Passagiere transportiert – und zwar ausschließlich Frauen.

„Wir bieten eben viel Frauen-Power“, sagt Koordinatorin Gabi Michel und lacht. Doch tatsächlich ist es auffällig, dass weniger Männer den Bus nutzen. Bislang sind 68 Fahrgäste, also Menschen, die häufig den Bus bestellen, registriert – vor allem weibliche. Doch die Nutzerzahl steigt. „Mir war immer bewusst, dass ein solches Projekt langsam wachsen muss“, sagt Gabi Michel. „Es dauert seine Zeit, bis es in den Köpfen der Menschen angekommen ist.“

„Die Umstellung vom eigenen Auto auf den Bürgerbus fiel mir schwer“, sagt Annemy Busch, als sie am Bürgerhaus aus dem Bus kraxelt. „Aber das ist wirklich ein toller Service.“

Um den Service auszubauen, sucht die Stadt noch Ehrenamtliche für den Telefon- und Fahrdienst. Wer ins Team Bürgerbus einsteigen will, kann sich bei Gabi Michel unter Tel. 0 56 82 / 80 81 65 melden.

Wer donnerstags mitfahren will, sollte sich mittwochs zwischen 15 und 17 Uhr unter Tel. 05682/808-174 anmelden.

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