Fatih Dogan über religiösen Extremismus: Jugend sucht Antworten

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Erzieher, Lehrer, Polizei und Jugend waren beim Vortrag dabei: Sie interessieren sich für die Hintergründe des Islamismus, über die Referent Fatih Lüfti Dogan in Borken sprach.

Borken. Um radikalen Islamismus bei den Jugendlichen ging es jetzt bei einem Vortrag von Salafismus-Experte Fatih Lüfti Dogan in Borken. Der Frankfurter Sozialberater sprach auf Einladung des Projekts „Gewalt geht nicht" im Haus der Türkisch-Islamischen Gemeinde in Borken.

„Das Thema ist noch nicht bei uns im Landkreis angekommen, aber wir wollen und müssen uns informieren“, sagt Projektleiter Stephan Bürger. In Kassel gebe es bereits Tendenzen, dass Jugendliche von Salafisten angeheuert würden, um in den Krieg zu ziehen. Das sei nicht weit entfernt.

Faith Lüfti Dogan

Dogan arbeitet in Frankfurt mit der Polizei zusammen und ist auch seelsorgerisch in Gefängnissen unterwegs. Bei der Präventionsarbeit gebe es gute Erfolge. Er berichtete von der Vorgehensweise der radikalen Rädelsführer: Sie gingen gezielt auf junge Menschen zu, versuchten sie von ihren extremen Ansichten zu überzeugen und bedrängten sie bewusst, um sie für ihre Sache zu gewinnen. „Jugendliche haben eine große Sehnsucht nach Antworten auf ihre Fragen - und die Salafisten geben Antworten“, fügte Stephan Bürger hinzu. Oft würden Jugendliche auch mit Geld gelockt.

Der Großteil der radikalisierten Jugendlichen in Deutschland stamme aus muslimisch geprägten Familie. Anders als bei jenen deutschen Jugendlichen, die sich rechtsradikalen Gruppen zuwendeten, sei der Salafismus nicht gesellschaftlich politisch, sondern religiös geprägt. Viele gefährdete junge Leute stammten aus Elternhäusern, die den Glauben nicht lebten, oder aus solchen, die keine Antwort auf religiöse Fragen gäben - im Gegensatz zu radikalisierten Islamisten, die Nachwuchs anwerben.

Die Extremisten reduzierten sich auf ein dogmatisches und archaisches Moralverständnis. Es sei eine Entfremdung vom Alltag der Muslime. Die salafistischen Gruppen seien nicht für Neuerungen und legten den Koran nach ihren Vorstellungen aus.

Für Eltern hatte Dogan einen Rat, der von Mohammed selbst stammen soll: „Bildet eure Kinder zeitgemäß“.

• In Hessen als erstem Bundesland wurde zum Schuljahr 2013/14 Islamunterricht eingeführt, 1080 Schüler werden im Moment an 38 Schulen unterrichtet.

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