„Wir müssten die Integration systematischer angehen“

Flüchtlingsbetreuung in Borken: Müll ist ein großes Problem

Sperrmüll und herumfliegender Abfall: Flüchtlingshelfer Rolf Waldeck sortiert oft selbst den Müll an den Wohnungen in der Habichtswaldstraße. Das Sofa, das da auch rumsteht, gehört zum Sperrmüll. Foto:  Brandau

Borken. So manches Mal, wenn Flüchtlingskoordinator Rolf Waldeck vor den Wohnblöcken in Scheibenweg oder Habichtswaldstraße aus dem Auto steigt, kümmert er sich erst einmal um den Müll. 

Dann wirft er Tüten voller Abfälle in Container und zerkleinert Pappe, um sie in die Blaue Tonnen zu werfen. Vor den Wohnblöcken stehen viele große Container – aber das ändert nichts daran, dass das Müllproblem im Bereich der Wohnblöcke groß ist.

Rolf Waldeck ist seit gut drei Jahren Koordinator der Flüchtlingsarbeit in Borken. Als er das Amt übernahm, habe er keine Ahnung gehabt, was auf ihn zukommen würde, sagt der 74-Jährige. Die Situation rund ums Thema Flüchtlinge sei sehr übersichtlich gewesen – sowohl was die Zahl der Menschen, als auch die damit verbundenen Aufgaben anging.

Heute ist er Ansprechpartner von 270 Flüchtlingen. Wenn Waldeck an den Wohnungen und Unterkünften auftaucht, kommen die Menschen auf ihn zu, wenden sich mit zig Fragen an ihn. Dann muss er Antworten parat haben, muss wissen, wann Deutschkurse beginnen, Arztbesuche anstehen, Termine im Jobcenter anberaumt sind. Alles Wissen aber schützt ihn nicht vor noch mehr Arbeit: „Jedes Mal, wenn ich wieder heimfahre, habe ich dutzende neue Aufgaben für mich und meine ehrenamtlichen Helfer im Gepäck“, berichtet er.

Wie ein Ortsvorsteher

Waldecks Aufgabe ähnelt ein bisschen der eines Ortsvorstehers: Er ist Ansprechpartner für 270 Menschen – immerhin genau so viele wie im Jesberger Ortsteil Hundshausen leben. Nur dass die Schützlinge von Rolf Waldeck meist wenig Deutschkenntnisse, dafür aber viel Angst und Fluchterfahrung haben – und auch nur wenig Perspektive auf einen Job. „Der Zustrom an Flüchtlingen ist schwächer geworden, die Situation hat sich beruhigt – dennoch ist die Arbeit nicht weniger geworden“, berichtet Waldeck.

Auch nicht die, die mit den Wohnungen in den Wohnblöcken rund um Scheibenweg und Habichtswaldstraße verbunden sind. Oft weisen die Unterkünfte Rohrbrüche und Wasserschäden auf, auch die Heizungen funktionierten längst nicht immer.

Mit Hausverwaltungen zu reden, Reparaturen zu veranlassen: Auch das ist Teil der Flüchtlingsarbeit, sagt Waldeck, der sie aus Überzeugung und Motivation leistet.

Auch wenn die Unsicherheiten bei den Aufenthaltsbewilligungen und abgelehnten Asylverfahren oft nur schlecht auszuhalten seien. Doch es gibt Hilfe, wie beispielsweise vom neuen Verein Indimaj in der Bahnhofstraße 73 (wir berichteten) und den ehrenamtlichen Helfern. Auch die Treffen und Angebote im „Café Hope“ und im Stöber-Stübchen würden gut angenommen, zudem leisteten die Borkener Schulen und Kindergärten eine sehr gute Integrationsarbeit, betont Waldeck.

Dennoch bleibe viel zu tun: Es gelte, für 150 Erwachsene Arbeit zu finden, bislang haben nur 220 Flüchtlinge einen Job oder eine Ausbildung gefunden. Was Waldeck vermisst, ist eine individuelle Förderung: „Wir müssten die Integration systematischer und struktureller angehen“, sagt er. „Jetzt geschieht noch vieles eher nach dem Zufallsprinzip.“ Waldecks Hoffnung: Dass die Stadt Borken einen Sozialarbeiter einstellt, der ebenfalls Ansprechpartner ist.

Kontakt:Rolf Waldeck, Tel. 05682/73 83 36, rc@waldeckfamily.de

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