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Sie sehnen sich nach Frieden: GHS Borken hat eine Klasse nur für Kinder aus der Ukraine

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Von: Claudia Brandau

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Die Borkener Gustav-Heinemann-Schule hat eine eigene Klasse für Kinder aus der Ukraine: Mittlerweile sind es so viele Schüler, dass es eine eigene Grundschulklasse geben wird. In der Mitte am Lehrerpult Olha Shkondina.
Die Borkener Gustav-Heinemann-Schule hat eine eigene Klasse für Kinder aus der Ukraine: Mittlerweile sind es so viele Schüler, dass es eine eigene Grundschulklasse geben wird. In der Mitte am Lehrerpult Olha Shkondina. © Claudia Brandau

Die Schulen im Landkreis stehen mit der Coronapandemie und Geflüchteten vor besonderen Herausforderungen. Die Borkener GHS und die Schule am Tor bieten eigene Klassen.

Borken – Christine Sperlich findet klare Worte: Für die Borkener Gustav-Heinemann-Schule (GHS) sei Olha Shkondina ein „Geschenk des Himmels“. Die 24-jährige Studentin aus Marburg spricht perfekt Deutsch und Ukrainisch – und unterrichtet zurzeit die Intensivklasse, die ausschließlich von ukrainischen Kindern besucht wird.

Die Klasse ist gesteckt voll mit Kindern und Jugendlichen zwischen sieben und 16 Jahren. So voll, dass es nun eine eigene Grundschulklasse geben, die dann zur benachbarten Schule am Tor gehört, aber in der GHS unterrichtet wird – dort gibt es Platz und freie Räume. „Wir setzen auf Zusammenarbeit und Austausch“, sagt Christine Sperlich.

Der Altersunterschied der Kinder sei zwar extrem groß, doch werde der getragen von der kulturellen Einheit: Die Kinder kommen alle aus demselben Land, sprechen alle dieselbe Sprache, sind alle vor demselben Krieg geflohen. Jetzt lernen sie deutsche Worte und Verben, versuchen sich in eine völlig fremde Welt und Sprache einzufinden.

GHS Borken hat eine Klasse nur für Kinder aus der Ukraine

Zwei von ihnen sind Anastaii (16) und Anastasia (12). Die Mädchen sind Cousinen, stammen aus der schwer bombardierten Großstadt Charkiw. In Deutschland sei vieles anders, berichten sie: Es gebe keine Schuluniform wie zu Hause, dafür aber ein Handyverbot in den Pausen. An der GHS sollen die Kinder zwischen den Unterrichtseinheiten reden und spielen, nicht daddeln.

Das ist neu für die Mädchen. Genau wie die Tatsache, dass in Deutschland „die Menschen alle so freundlich sind“. „Jeder sagt hier Hallo, egal, ob man den anderen kennt, egal, ob man sich auf der Straße oder im Geschäft trifft“, sagen die beiden ganz erstaunt.

Olha Shkondina, die vor drei Jahren als Au-Pair-Mädchen aus der Ukraine nach Deutschland kam und blieb, übersetzt die Fragen und die Antworten – aus Anastasii und Anastasia, zu Anfang des Gesprächs noch sehr still, sprudeln dann die Worte nur so heraus, wenn es um ihr Leben zu Hause in der Ukraine geht.

„Alle ukrainischen Kinder an unserer Schule waren erst sehr schüchtern“, berichtet Schulleiterin Christine Sperlich. Anfangs war es in der Mensa, in der die Schüler ein kostenloses tägliches Mittagessen erhalten, sehr still. Erst jetzt werde es täglich lauter und lebendiger.

GHS Borken: Kinder wünschen sich Frieden

Der Krieg in der Ukraine stellt die Schulen vor ganz neue Herausforderungen. Die GHS hat deshalb zu den beiden Intensivklassen, in denen Schüler aus vielen Ländern unterrichtet werden, die ukrainische eingerichtet, mit der neuen Grundschulklasse sind es gleich zwei. Auch wenn in diesen Zeiten kaum etwas planbar ist: In der GHS soll es auch im neuen Schuljahr mindestens eine Klasse mit ukrainischen Kindern geben.

Ihre Ansprechpartnerin ist Olha Shkondina. Sie lebt in Marburg, ist über den Kontakt zu GHS-Lehrer Johannes Schmidt an die Schule gekommen und hat ihr Studium der Medienwissenschaft unterbrochen, um als zweisprachige Volontärin zu helfen, wo sie gebraucht wird.

An der GHS wird sie gerade ganz dringend gebraucht. Die Kinder helfen und unterstützen sich zwar untereinander im Unterricht – und brauchen doch jede Unterstützung, die sie bekommen können.

Das wird am Ende des Gesprächs allen am Tisch schmerzhaft bewusst. Auf die Frage, was sie sich wünschen, zucken die Mädchen zusammen. „Dass der Krieg zu Ende ist und wir nach Hause können“, sagt Anastasii. Die 16-Jährige schlägt die Hände vors Gesicht und weint. Olha Shkondina und Lehrerin Yana Popova wollen trösten. Anastasia sitzt daneben und schluckt schwer. So wie alle am Tisch. Der Wunsch nach Frieden war nie größer. (Claudia Brandau)

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