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Glocken-Grillen: Spendenaktion für besseren Klang in der Stadtkirche in Borken

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Von: Manfred Schaake

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Ein Juwel unter den Glocken im Schwalm-Eder-Kreis: Die dem Apostel Andreas geweihte Bronzeglocke von 1441 in der Borkener Stadtkirche mit dem Glockenexperten Dennis Willershausen.
Ein Juwel unter den Glocken im Schwalm-Eder-Kreis: Die dem Apostel Andreas geweihte Bronzeglocke von 1441 in der Borkener Stadtkirche mit dem Glockenexperten Dennis Willershausen. © Manfred Schaake

Die Borkener Stadtkirche habe eines der schlechtesten Geläute im Schwalm-Eder-Kreis. Das soll sich mit einer Spendenaktion für neue Glocken ändern.

Borken – Die Borkener Stadtkirche habe eines der schlechtesten Geläute im Schwalm-Eder-Kreis, „aus dem eines der besten in ganz Nordhessen werden wird“, sagt Glockenexperte Dennis Willershausen. Damit ist klar, die Borkener dürfen sich auf ein schönes, klangvolles Geläut freuen: die beiden Eisenhartguss-Glocken der evangelischen Stadtkirche sollen durch Bronzeglocken ersetzt werden.

Dies ermögliche zusammen mit den vier Glocken der katholischen Kirche und der Glocke auf dem Friedhof ein großes, harmonisches Stadtgeläut. Ziel ist, die neuen Glocken zum Pfingstfest 2023 zu weihen, erklären Dirk Schnurr, Vorsitzender des Bauausschusses der Kirchengemeinde, Finanzausschuss-Vorsitzender Norbert Kögel und Hartmut Paul, Vorsitzender des Kirchenvorstandes. Beim „Glocken-Grillen“ am Samstag, 3. September, ab 17 Uhr an der Kirche, wird das Projekt vorgestellt.

Die Kosten für das Glocken-Projekt in Borken

2007 wurde der Förderkreis der Stadtkirche gegründet. Er hat die komplette Außen- und die 2018 vollendete Innensanierung erfolgreich begleitet. Jetzt steht sozusagen als Krönung das Glocken-Projekt an. Die Kosten werden auf 110 000 bis 120 000 Euro geschätzt.

Förderkreis, Kirchengemeinde und Kirchenkreis finanzieren das Vorhaben. Knapp 18 000 Euro wurden für das Glockenprojekt bereits gespendet. „Wenn wir das verdoppeln können, wären wir einen großen Schritt weiter“, sagt Norbert Kögel. Und so hofft man, dass die hohe Spendenbereitschaft weiter anhält.

Der Experte stieß Anschaffung neuer Glocken an

Die Anschaffung der neuen Glocken entscheidend mit angestoßen hat Dennis Willershausen aus Homberg. Der Glockenexperte hat bisher etwa 2500 Glocken in mehr als 800 Gebäuden – Kirchen, Rathäusern, Schlössern – analysiert. Das Vorhaben in Borken liegt ihm auch deshalb sehr am Herzen, weil in der Stadtkirche Borken eine sehr wertvolle Bronzeglocke aus dem Jahr 1441 läutet.

Der Gießer war laut Willershausen vermutlich Meister Gebelen in Homberg. Er war der Vorgänger von Hans Kortrog aus Homberg, dessen Glocken wegen ihrer hervorragenden Klangqualität bekannt sind. Aus seiner Werkstatt stammen zum Beispiel sehr gut klingende Glocken in Harle, Felsberg, Gensungen, Berndshausen, Besse, Gombeth, Großenenglis, Lendorf und Trockenerfurth.

Freuen sich über zwei neue Glocken: Norbert Kögel (links) und Dirk Schnurr von der Kirchengemeinde Borken neben einer der beiden Eisenhartguss-Glocken, die durch Bronzeglocken ersetzt werden sollen.
Freuen sich über zwei neue Glocken: Norbert Kögel (links) und Dirk Schnurr von der Kirchengemeinde Borken neben einer der beiden Eisenhartguss-Glocken, die durch Bronzeglocken ersetzt werden sollen. © Manfred Schaake

Der schiefe Ton der Glocken in der Stadtkirche

Bis zum Zweiten Weltkrieg war die Borkener Glocke von 1441 im Stadtkirchturm vorhanden, zusammen mit einer großen Glocke von 1585 von Peter Nelmann in Soest und einer weiteren Glocke von 1934 aus der Gießerei Franz Schilling Söhne in Apolda. Im Zweiten Weltkrieg mussten die Glocken von 1441 und 1585 auf Anordnung der Nationalsozialisten zum Einschmelzen abgeliefert werden. Die Glocke von 1441 kehrte vom sogenannten Glockenfriedhof in Hamburg zurück, die Nelmann-Glocke aber nicht. Die Bronzeglocke von 1934 wurde im Jahre 1949 wegen Tongleichheit mit der Glocke von 1441 nach Singlis verkauft, wo sie heute noch läutet.

Zurzeit läuten nur die Eisenglocken

Seit Anfang des Jahres ist in der Borkener Stadtkirche der Motor der Bronzeglocke defekt. Aktuell läuten nur die beiden Eisenhartgussglocken. Der kaputte Motor soll erst mit der Glocken-Austauschaktion ersetzt werden. Das heißt, die alte Kombination aus der Bronze- und den beiden Eisenglocken wird nie mehr zu hören sein. Der Auftrag für den Guss der neuen Glocken soll noch in diesem Jahr erteilt werden. m.s.

Die Glocke von 1441 ist – so geht aus ihrer Inschrift hervor – dem Apostel Andreas gewidmet. Deshalb heißt sie Apostel Andreas-Glocke. 1949 wurden in der Werkstatt Weule in Bockenem im Harz zwei Eisen-Glocken in den Tönen fis und gis gegossen. Willershausen: „Sie haben keine reinen Intervalle zueinander, es klingt entsetzlich.“

1954 goss das Traditionsunternehmen Rincker in Sinn, die älteste Glockengießerei Europas in Familieneigentum, eine Bronzeglocke für den Friedhof. 1968 bekam die neu erbaute katholische Kirche vier Bronzeglocken aus der nicht mehr bestehenden Werkstatt Otto in Hemelingen bei Bremen. Dabei nahm man, so bedauert Willershausen, keine Rücksicht auf die Töne der vorhandenen Glocken: „Das Borkener Stadtgeläut hat seitdem drei Tondubletten – zweimal fis, zweimal gis und zweimal h.“ Die alte Bronzeglocke klinge schön. Da die beiden Eisen-Glocken marode seien und ersetzt werden müssten, bestehe nun die Chance für ein stimmiges Geläut.

Das neue Geläut für die Stadtkirche soll in den Tönen e und a erklingen

Die neuen Glocken werden in den Tönen e und a erklingen. „Dadurch kann ein wunderbar klingendes und würdiges neues Stadtgeläut geschaffen werden“, sagte Willershausen bei einem Gespräch mit den Kirchenvertretern. Da es in Borken Tradition sei, dass am Gedenktag des Grubenunglücks in Stolzenbach alle Glocken läuten, könne künftig auch das harmonische Stadtgeläut mit einstimmen. (Manfred Schaake)

Termin: Beim „Glocken-Grillen“ am Samstag, 3. September, ab 17 Uhr soll das Projekt im Detail vorgestellt werden. Anschließend setzen sich alle Gäste vor der Kirche bei Würstchen und Getränken zusammen.

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