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Großenenglis feiert 2025 seinen 1250. Geburtstag: Die Vorbereitungen laufen

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Von: Claudia Brandau

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Ist sozusagen Borkens Bergdorf: Das hoch gelegene Großenenglis feiert 2025 seinen 1250. Geburtstag. Das
Ist sozusagen Borkens Bergdorf: Das hoch gelegene Großenenglis feiert 2025 seinen 1250. Geburtstag. Das © zeigt das alte Amtshaus. Fotos: Claudia Brandau /Peter Zerhau

Großenenglis feiert 2025 seinen 1250. Geburtstag. Es gibt bereits ein Vorbereitungsgremium. Zeit auch, um einen Blick zurück zu werfen und Anekdoten zu erzählen.

Großenenglis – Der Großenengliser Ortsvorsteher Horst Simmen hat Spaß an der Dorfgeschichte. Er verfügt über ein schier unerschöpfliches Repertoire an historischen Anekdoten – die aus der heutigen Sicht gehört und gelesen meist sehr witzig sind.

Simmens Quelle für den Anekdotenfluss ist ein altes Gemeindebuch, das er daheim auf dem Dachboden fand. Und in dem jedes Ereignis, das irgendwie fürs Dorf von Bedeutung war, in feinem Sütterlin notiert wurde.

Einer der Schreiber war Simmens Urgroßvater, der 18 Jahre lang Bürgermeister von Großenenglis war. Sein Sohn folgte ihm für sechs Jahre im Amt – er protokollierte wie sein Vater akribisch die Gemeinderatsbeschlüsse. Einen von ihnen verlas Simmen in einer Parlamentssitzung – und sorgte damit am Schluss der eher unlustigen Haushaltsdebatte doch noch für Gelächter.

Großenenglis: 45 Euro Einzugsgeld wurden verlangt

Die Geschichte ereignete sich 1851, als „Johannes Happel der III. seine zukünftige Ehefrau Anna Martha Lumpe aus Arnsbach in die „hiesige Gemeinde Großenenglis“ holen wollte. Dieses Umzugsvorhaben wurde zwar genehmigt – allerdings nur „gegen die Zahlung des gesetzlich vorgeschriebenen Einzugsgeldes“. Auf welche Summe sich diese Einzugsgebühr belief, war damals nicht notiert. Doch rund 40 Jahre später, 1898, fasste die Gemeinde Großenenglis den Beschluss, „von jedem, der auswärts geboren ist, ein Einzugsgeld in Höhe von 45 Mark“ zu erheben. „Das war damals ein ganz schöner Batzen Geld“, sagt Horst Simmen.

Die Idee, von Auswärtigen eine Art Zuzugsgebühr zu erheben, amüsierte die Stadtverordneten, von denen die meisten noch jene Zeiten kennen, in denen man am liebsten all jene, die noch nicht so recht zuzugswillig waren, mit städtischen Zuschüssen nach Borken gelockt hätte – was vor noch nicht allzu vielen Jahren fast überall so war: Die Städte und Gemeinden im Landkreis überboten sich geradezu im Werben um neue Einwohner.

Das alte dicke Gemeindebuch in Sütterlin gibt noch viele andere Geschichten her. So wie die vom Schweinehirten, der den Eber eines Großenenglisers misshandelte und sich dann im Streit über den Vorfall „solch unbürgerlicher Worte“ bedient hatte, dass er entlassen wurde.

1250 Jahre Großenenglis: Ein Vorbereitunsgremium wurde bereits gegründet

Doch der komplette Anekdotenschatz muss erst noch komplett freigelegt werden. Denn Sütterlin sieht zwar wunderbar kalligrafisch-künstlerisch aus, muss aber auch entziffert werden – und das können längst nicht alle.

Heinz Stöckler aus Großenenglis hatte sich schon einmal ans Werk gemacht und die ersten Geschichten übersetzt. Jetzt aber muss ein anderer die Fleißarbeit übernehmen – und zwar schon recht bald. Denn Großenenglis feiert im Mai 2025 seinen 1250. Geburtstag. Das klingt, als wären es noch Lichtjahre bis dahin, aber die Zeit verfliegt ja meist schneller, als man es für möglich hält.

Die Einwohner wissen das und haben bereits ein Vorbereitungsgremium gegründet. „Das ist aber keine geschlossene Gesellschaft“, betont Horst Simmen und berichtet von den Arbeitsgruppen, die alle noch gegründet werden müssen. Es steht auch die Idee im Raum, wieder eine Chronik zu erarbeiten, wie sie schon beim jüngsten Jubiläum im Jahr 2000 zusammen getragen worden war. „Das würde ungeheuer viel Arbeit bedeuten, aber auch eine neue und aktuelle Beschreibung ergeben“, sagt Simmen. Aber kein Stress, es ist ja noch ein bisschen hin: Gottlob haben wir erst 2022.

2025 wird gefeiert: Viele Orte haben dann runde Geburtstage

Es sind nicht nur die Großenengliser, die schon jetzt das Jahr 2025 in den Fokus rücken: Auch die Stadtteile Singlis und Kleinenglis feiern dann ihren 1250. Geburtstag – genau wie die Kernstadt.

Schon jetzt sind die Termine verteilt: Die Einwohner von Großenenglis feiern am Himmelfahrtswochenende Ende Mai 2025, die von Kleinenglis Mitte Juni, die in Singlis im August und die Stadt Borken begeht ihren runden Geburtstag zusammen mit dem Stadtparkfest, das traditionell im September stattfindet.

Und wer gerne schon weit im Voraus plant, der kann sich gleich noch zwei weitere Großveranstaltungen notieren, die in den nächsten Jahren stattfinden: Den Hessentag in Fritzlar im Mai 2024 haben viele längst auf dem Schirm. Aber 2024 jährt sich noch ein besonderes Ereignis: Der Schwalm-Eder-Kreis wird ein halbes Jahrhundert alt. Genau wie die Großgemeinde Borken. Schon 1972 hätten die ersten Dörfer freiwillig ihre Selbstständigkeit aufgegeben.

„Die widerspenstigen Dörfer wurden dann am 1.1.1974 sozusagen zwangseingemeindet“, sagt Horst Simmen. Nach einem halben Jahrhundert ist von dieser Widerspenstigkeit aber längst nichts mehr zu spüren. (Claudia Brandau)

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