Mit "Sex, Drugs & Ahle Wurscht" kam der Durchbruch

Verrückt nach Heimat: Der Erfolg der nordhessischen Firma Casselmania

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Vertreiben Casselmania-Produkte in die ganze Welt: Ivonne Rode, die als Foodbloggerin unter dem Namen "Die Nordhessin" auch für unser Magazin schreibt, sowie Manuel Klemm aus dem Borkener Stadtteil Dillich.

Aus der Liebe zu Nordhessen hat ein Borkener Pärchen eine findige Geschäftsidee gemacht: Mit Casselmania vertreibt es T-Shirts und andere Produkte rund um die Region. Dabei war ihre Heimat lange verpönt.

Beim Diktat in der Grundschule wurde Manuel Klemm zum ersten Mal bewusst, dass die Nordhessen ein Problem mit ihrer Heimat haben. Ein Mitschüler schrieb statt "Wurst" den nordhessischen Ausdruck "Wurscht" und bekam vom Lehrer zu hören: "So etwas schreibt man nicht."

Heute ist der Begriff "Ahle Wurscht", man muss es so sagen, in aller Munde. Und Klemm ist nicht ganz unbeteiligt daran. Mit seiner Partnerin Ivonne Rode hat der Werbefachmann aus dem Borkener Stadtteil Dillich 2010 die Firma Casselmania gegründet, die Shirts und andere Produkte rund um die nordhessische Heimat vertreibt. Mit seiner Geschäftsidee liegt das Paar im Trend. "Nordhessen ist am Boomen und wird anders wahrgenommen. Man besinnt sich auf seine Stärken", hat Klemm festgestellt. Die neue Heimatbewegung ist für den 43-Jährigen ein "Gegentrend zur Globalisierung". Es hat nur ein bisschen gedauert, bis dies auch in der Region ankam.

Als IT-Berater hat der gelernte Industriekaufmann einige Zeit im Saarland gearbeitet. Dort merkte er schnell, dass "man nicht dazugehört, wenn man Hochdeutsch spricht". In Nordhessen galt man hingegen "als Bauer, wenn man Platte schwatzte". Diese Zeiten sind nun vorbei. Mit Timo Israng alias Dark Vatter gibt es sogar einen Musiker der Rock'n'Roll auf Kasselänerisch macht.

Ein Musikzitat verhalf auch dem Label Casselmania zum Durchbruch. Zwei Jahre nach der Firmengründung fiel Klemm in einer schlaflosen Nacht der Spruch "Sex, Drugs & Ahle Wurscht is all we need" ein. Das T-Shirt mit dem Slogan ist bis heute der Verkaufsschlager. Dazu kommen andere Hemden mit Sprüchen wie "Hie werd geschnuddelt un net gebabbelt!" und "Proud to be Nordhesse". Selbst aus Kanada, Südafrika und Neuseeland gibt es Bestellungen. 2000 Shirts verkauft das Borkener Paar mittlerweile im Jahr, alle mit dem Fairtrade-Logo versehen. Dazu kommen andere Produkte wie Brettchen und das kleine Küchenmesser, das in Nordhessen "Awerähmchen" heißt - benannt nach einem jüdischen Händler namens Abraham, der einst von Haus zu Haus zog, um seine Waren zu verkaufen. Andernorts nennt man das Messer "Hümmelchen" oder "Kneipchen".

Casselmania ist in der Region längst zur Marke geworden, die Nachahmer gefunden hat. Allein von ihr können Klemm und Rode jedoch nicht leben: "Dazu ist Nordhessen zu klein." Im Hauptberuf sind die beiden immer noch Betreiber ihrer Werbeagentur Zeroblues, mit der sie klassische Werbung machen - vom Bedrucken von Flyern bis zur Gestaltung von Webshops.

Sie nennen Zeroblues eine "Wald- und Wiesenwerbeagentur", weil sie dort arbeiten, wo andere Urlaub machen. Dillich liegt zwischen Kellerwald und Borkener Seenplatte. Hier sagen sich Hase und Fuchs gute Nacht. Für Klemm ist Heimat vor allem Geborgenheit: "Hier kennt man jeden Baum mit Vornamen."

Trotzdem ist er viel unterwegs. Seit vorigem Jahr auch als Schlagzeuger des Homberger Singer/Songwriters Ben Black, der mit einer Nordhessen-Hymne einen kleinen Hit gelandet hat. Der Song heißt bezeichnenderweise wie Klemms Label "Casselmania". Der Begriff ist doppelt gut gewählt. Denn er macht klar: Hier ist jemand verrückt nach seiner Heimat. Und: Kassel ist das Aushängeschild. Selbst wenn jemand in der Fuldametropole noch nie etwas von Dillich gehört haben sollte, so gehören Stadt und Land doch zusammen. "Die Ahle Wurscht verbindet uns alle", sagt Klemm.

Alle Backrezepte von Bloggerin Ivonne Rode alias "Die Nordhessin" auf Sieben gibt es hier. 

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