Biologe hofft auf Rückkehr der Vögel

Horst am Borkener See soll Störche locken

Hass und Liebe liegen ja oft dicht beieinander: In Borken kämpften im vorigen Jahr ein Storchenpaar und zeternde Nilgänse um den Horst am See. Die Störche gewannen - und blieben bis in den Herbst.
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Hass und Liebe liegen ja oft dicht beieinander: In Borken kämpften im vorigen Jahr ein Storchenpaar und zeternde Nilgänse um den Horst am See. Die Störche gewannen - und blieben bis in den Herbst.

Eigentlich muss so ein Storch doch glauben, dass er einen Direktflug ins Paradies genommen hat, wenn er am Borkener See landet. Der dümpelt seit 31 Jahren von Menschen unangetastet im Naturschutzgebiet vor sich hin, bietet viel Natur und Ruhe und noch dazu mit jeder Menge Fröschen, Mäusen, Amphibien auch viel Futter.

Borken - Das Problem: Es kam kein Storch. Bis im vorigen Jahr: Im Sommer landete dort ein Paar – Biologe David Schomberg hofft, dass es die sensationelle Horst-Lage zu schätzen gelernt hat und wiederkommt. Der Kleinengliser ist ehrenamtlicher Naturschutzbeauftragter am Borkener See, kennt die Bemühungen, Störche dort anzusiedeln.

2003 sollte sozusagen eine echte Luxusimmobilie Störche herbeilocken: Damals wurde ein 13 Meter hohes und 1,90 Meter breites Nest nahe der Flachwasserzone errichtet. Aber alle Mühe half nicht, Störche flogen es an – und flogen wieder weiter.

Schomberg sieht dafür gleich mehrere Gründe: Räuber wie Waschbären kletterten hoch, Fotografen steuerten Drohnen dicht übers Nest – und Nilgänse bedrohten die Neuankömmlinge. Denn Nilgänse nisten tatsächlich, ähnlich wie heimische Singvögel, in Baumnestern. „Der Horst Bau war also begehrt“, sagt Schomberg.

Ist oft mit Kamera und Fernrohr in der Natur unterwegs: Biologe David Schomberg aus Kleinenglis.

Erst im Sommer änderte sich die Situation: Ein Storchenpaar kam, bezog das Nest – und ließ sich auch keinen Fatz von den Nilgänsen beirren, die es als eigenes Zuhause ansahen.

Schomberg hat den Kampf der Vögel um den Horst durchs Fernglas verfolgt. Und war beeindruckt von der Gelassenheit der Störche, die neben zeternden Nilgänsen entspannt zur Paarung ansetzten. Mit Erfolg: Erst zogen Nilgänse entnervt von dannen, dann zog ein Jungstorch ein. Schomberg verteidigt aber den Entenvogel und sein schlechtes Image: Die Nilgans sei nicht selbst in den Landkreis eingewandert, sondern sei von Menschen angesiedelt worden.

In ihrer afrikanischen Heimat sei ihr aggressives Verhalten bei der Brut überlebenswichtig, da es dort viel mehr Konkurrenz und räuberische Tiere gebe. Damit lasse sich auch ihre Vorliebe für übersichtliche Grünflächen wie Parks und Freibäder leicht erklären. Aggressiv sei sie nur während der Brutzeit und unter Stress – das sei beim Schwan nicht anders.

Den beiden Störchen, die da im Sommer so hartnäckig auf ihren Horst bestanden, mag die Frage, ob Nilgänse nur ihnen gegenüber oder generell schlecht gelaunt sind, gleichgültig gewesen sein: Sie wurden schnell Eltern. Hinter vielen Baumkronen vor den Gästen des Sees verborgen, wuchs der Jungvogel ungestört heran und stolzierte zwischen den Galloway Rindern auf der Wiese an der Nordspitze des Sees umher. Damit hatte es 17 Jahre gedauert, bis sich um den Borkener Horst Nachwuchs einstellte.

David Schomberg wertet das als eine tolle Naturschutzerfolgsgeschichte“. Im vorigen Jahrhundert habe die Zahl der Störche rapide abgenommen, ihre Zahl habe bei unter 3000 gelegen, heute belaufe sie sich auf 7000. Ob das Borkener Paar vielleicht von Wabern an den See wechselte, kann Schomberg nicht sagen. Er setzt darauf, dass die Luxusimmobilie am See auch dieses Jahr wieder das Storchenpaar anlockt. Der Nachwuchs aus 2020 soll nicht der letzte am Borkener See gewesen sein. (Claudia Brandau)

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