Vor 25 Jahren wurde das Borkener Kraftwerk abgeschaltet

Ein Motor des Wohlstands in Borken und der Region: Der letzte Block des Borkener Großkraftwerks ging vor 25 Jahren vom Netz. Damitendete eine stolze Firmen-Tradition. Repro: Schattner

Borken. In Borken ging vor 25 Jahren eine Ära zu Ende. Nach fast 70 Jahren wurde am 15. März 1991 der Block III des Großkraftwerks abgeschaltet.

Die Blöcke I und II waren bereits in den 1980er Jahren vom Netz genommen worden.

Das Grubenunglück von Stolzenbach am 1. Juni 1988 mit 51 toten Bergleuten war eine Zäsur gewesen, die nicht ohne Folgen bleiben konnte. Sie beschleunigte nun die Pläne der Preußischen-Elektrizitäts-AG (PREAG), den Bergbau in der Region ganz zu beenden, schließlich war es absehbar gewesen, dass die Kohle- Brennstoffvorräte nicht mehr lange reichen würden.

Lexikonwissen:

Borken im Regiowiki

Seit 1973 war ein Atomkraftwerk in Borken als Alternative diskutiert worden, doch spätestens seit der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl 1986 war dieses politisch nicht mehr durchsetzbar.

So war das Ende des Borkener Kraftwerks, welches 1923 als Großkraftwerk Main-Weser in Dienst gestellt wurde, nur noch eine Frage der Zeit.

Hier Zahlen und Fakten zur Geschichte des Kraftwerks: 

66  Millionen Tonnen Braunkohle waren seit 1923 verstromt worden, 61 Millionen Tonnen aus PREAG eigenen Betrieben im Borkener und Ostheimer Revier, fünf Millionen von benachbarten Bergbaufirmen, unter anderem von der Gewerkschaft Frielendorf.

58 Milliarden Kilowattstunden Strom erzeugte das Kraftwerk von 1958 bis 1991.

2000 Menschen verdienten zu Spitzenzeiten im Kraftwerk und im Bergbau ihren Lebensunterhalt.

39 Millionen Tonnen Braunkohle wurden in zwölf Tagebaubetrieben abgebaut. Das hat die Landschaft um Borken stark verändert.

188 Millionen Kubikmeter Abraum mussten bewegt werden. Das rechtfertigte nur die qualitativ hochwertige Kohle um Borken herum.

1400 Tonnen wog der größte Eimerkettenbagger, der beim Tagebau eingesetzt war. Er erbrachte eine Tagesleistung von 12.000 Kubikmetern. Es kamen aber auch Kabelbagger mit einer Spannweite von 250 Metern und Schaufelradbagger zum Einsatz.

6 Millionen Kubikmeter Asche und Schlacke aus dem Kraftwerk wurden zurück in die ausgekohlten Tagebaubereiche geschafft und dort verkippt. So entstand unter anderem auch das Naturschutzgebiet am Borkener See, das in diesem Jahr 45 Jahre alt wird.

281 Menschen, 73 Haushalte in 34 oder 35 Wohnhäusern, eine Gaststätte, ein Lebensmittelladen, einige Bauernhöfe, die Volksschule, das Feuerwehrgerätehaus und etliche landwirtschaftliche Nutzflächen sowie der Sportplatz von Großenenglis wurden 1950 umgesiedelt, um den Tagebau Altenburg II erweitern zu können.

Heute sind die ehemaligen Spuren des Tagebaus um Großenenglis herum kaum mehr zu entdecken. Gleich nach Beendigung der Kohleförderung wurde der Abraum aufgefüllt und Anfang 1965 mit über 70 Zentimeter Mutterboden versehen, so dass einer erneuten landwirtschaftlichen Nutzung nichts mehr im Wege stand.

131 Hektar groß ist die rekultivierte Fläche, die von einem neuen Wege- und Grabennetz erschlossen wird. So entstand um Großenenglis herum eine neu gestaltete Landschaft.

Lediglich die bewachsenen Reste der Böschungen des ehemaligen Tagebaus Altenburg II am westlichen Rand der Landstraße nach Fritzlar deuten zwischen Kleinenenglis und Großenenglis noch auf die Eingriffe des Bergbaus hin. Nur an einzelnen Stellen, wie etwa bei Gombeth kann man heute noch deutlich die Spuren des Bergbaus sehen.

Die Erinnerung an die Bergwerksgeschichte der Region lebt zudem im Borkener Bergbaumuseum sowie im Themenpark „Kohle & Energie“ des Museums fort.

Von Thomas Schattner

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