Jedes Jahr neues Volk unter alter Königin

Hornissennester wurden Opfer von Frost

So sieht ein intaktes Hornissennest aus: In diesem Jahr aber ist keines mehr bewohnt. Die meisten Tiere verendeten in der Kälte der vergangenen Tage. Foto:  Archiv

Borken. Dieser Fund löste bei Jost Eggert und seiner Frau Bestürzung aus: Das Frielendorfer Ehepaar stieß beim Spaziergang am Borkener See auf die Trümmer gleich mehrerer Hornissennester.

Die hatten die Insekten bereits im Sommer unterm Dach des Aussichtsturms am See bei Trockenerfurth gebaut, deshalb war der Turm für Besucher gesperrt und mit Warnschildern versehen.

Trotzdem lagen jetzt die Nester zerstört am Boden, berichten die Spaziergänger. Noch dazu hatten sich neben den Resten vom Nest ungezählte tote Hornissen befunden.

Das Ehepaar geht von einer mutwilligen Zerstörung der Nester aus - und ist entsetzt über solchen Frevel. Es wandte sich mit der Geschichte und mit der Frage an unsere Zeitung: „Wer tut so etwas?“

Kälte killte Insekten

Diese Frage kann auch Dr. Klaus Lambrecht von der Unteren Naturschutzbehörde beim Landkreis nicht beantworten. Auch er geht nach Schilderung der Dinge davon aus, dass die Nester mit Absicht vom Turm abgeschlagen wurden.

Allerdings, so seine Einschätzung, seien die Tiere zu diesem Zeitpunkt schon tot gewesen. Für diese Annahme spreche allein der Blick auf den Kalender, sagt der Experte. Nach dem Kälteeinbruch am vergangenen Wochenende sei es sehr unwahrscheinlich, dass die Tiere noch gelebt hätten, als das Nest zerstört wurde.

Falls das aber doch der Fall gewesen sein sollte, seien die Übeltäter garantiert sofort bestraft und viele Male gestochen worden: Hornissen und Wespen setzten sich Angreifern gegenüber massiv zur Wehr.

Dr. Lambrecht weist darauf hin, dass Hornissen unter Naturschutz stehen. Das angebrachte Sperrschild am Aussichtsturm sei deshalb richtig und wichtig. Damit werde vermieden, dass die Tiere beunruhigt, Menschen gestochen würden - auch wenn Hornissen eigentlich genau wie Wespen eher friedliebende Tiere seien, auch wenn viele das Gegenteil vermuteten.

„Das Wissen um die Bedeutung vieler Tierarten für die Natur geht verloren, stattdessen setzt Ängstlichkeit ein,“ stellt Lambrecht fest. Er verweist darauf, dass sowohl Wespen als auch Hornissen nützliche Insekten seien - hätten allerdings einen schlechten Ruf, auch wenn sie den absolut nicht verdienten.

Neues Volk

Hornissen bilden jedes Jahr ein neues Volk: Unter der Regie der alten Königin. Die überlebt als einzige den alten Staat. Sie überwintert irgendwo im Totholz, an geschützter Stelle. Und sorgt im nächsten Frühjahr dafür, dass sich ein neues Volk bildet.

Töten verboten

Das Bundesnaturschutzgesetz verbietet es klar und eindeutig wildlebende Tiere mutwillig zu beunruhigen oder ohne vernünftigen Grund zu fangen, zu verletzen oder zu töten. Dabei besitzt die Hornisse, wie auch Hummeln und Solitärbienen, einen besonderen Status, da sie laut Bundesnaturschutzgesetz zu den besonders geschützten Arten gehört. 

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