Brüder finden keine Fahrgelegenheit

Kein Heimkommen nach der Party: Taxis fahren nicht zum Borkener Club Rom

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Wenn Robin Klehm (rechts) und Marvin Klehm feiern, lassen sie das Auto lieber zuhause. So wie am Samstag im Club Rom in Borken. Doch kein Taxi-Unternehmen wollte sie wegbringen.

Borken/Fritzlar. Wer feiern geht, möchte sich keine Sorgen um seinen Heimweg machen. Das gilt auch für die Besucher der Diskothek Club Rom in Borken. Viele würden nachts gerne mit einem Taxi nach Hause fahren. Sie können es jedoch nicht.

Sie haben gefeiert, getrunken, getanzt. Sie hatten einen fröhlichen Abend und viel Spaß. Die Brüder Robin und Marvin Klehm waren am Samstag im Club Rom in Borken unterwegs und morgens um 6 Uhr die letzten auf dem Parkplatz. „Es war kalt, es hat geregnet, wir wollten einfach nur nach Hause“, sagt Robin Klehm. Die Freunde wollten mit einem Taxi zurück nach Fritzlar fahren – doch kein Unternehmen wollte sie abholen.

Robin Klehm hat es bei drei Unternehmen versucht. Bei Taxi-Schmidt in Fritzlar sei das Telefon besetzt gewesen. Schon die Hinfahrt hatten die Klehms mit Taxi–Schmidt bestritten. Und schon dort habe der Fahrer klargemacht, dass sich die Fritzlarer um eine andere Rückfahrgelegenheit kümmern sollten. „Wir fahren nicht mehr nach Borken, es gab zu viel Ärger“, soll der Fahrer gesagt haben.

„Wir fahren nicht mehr nach Borken, es gab zu viel Ärger.“
Der Fahrer eines Taxis

Blieben für Klehms zwei andere Taxiunternehmen übrig. Taxi-Schulz in Borken sei um sechs Uhr nicht mehr gefahren und Taxi-Hämel in Fritzlar habe abgesagt. „Zum Club Rom fahren wir nicht mehr“, soll es geheißen haben.

Robin und Marvin Klehm haben dafür kein Verständnis. Sie fühlen sich im Regen stehen gelassen. „Wenn man bei einem Taxiunternehmen anruft, geht man davon aus, dass man auch abgeholt wird“, sagt Robin Klehm. Er kann die Ablehnung nicht verstehen. „Wir waren nicht betrunken, wir waren nicht aggressiv.“ Nach Hause gefahren hat sie schließlich ein Freund.

Für Mandy Ernst ist die Geschichte der Brüder kein Einzelfall. Die 27-Jährige betreibt den Club Rom seit November. Von Anfang an habe es Probleme gegeben. „Die Gäste kommen mit dem Taxi nicht nach Hause.“ Ernst sei auf die Unternehmen zugegangen, habe eine Kooperation und die Errichtung eines Taxistandes vor der Diskothek vorgeschlagen. Ohne Erfolg.

Club-Betreiberin Mandy Ernst

Ernst sorgt sich um ihre Gäste. „Gerade wenn man als junge Frau feiern geht, will man sicher sein. Unsere Security passt super auf. Aber man weiß nicht, was danach passiert“, erklärt Ernst mit Blick auf die unsichere Heimfahrt. Im Schnitt feiern bei Ernst 600 Besucher. Einige lassen sich abholen, andere laufen nach Hause, trampen – oder werden von den Clubmitarbeitern gefahren. Das sei jedoch keine Dauerlösung. „Wir sind im ländlichen Raum, wenn dann die Taxen nicht mitspielen, ist es schwierig“, betont Ernst. Sie spricht von einer Schande für die Taxiunternehmen.

Das sagt Taxi-Schmidt: Oft gibt's Probleme

"Wir bedienen Borken seit vielen Jahren und es gibt immer wieder Probleme", sagt Ute Schmidt vom gleichnamigen Taxiunternehmen. Betrunkene Partygäste pöbelten und seien oft aggressiv. Prinzipiell gilt: Kunden, die sie hinbringt, hole sie auch wieder ab. Warum das im Fall Klehm nicht gemacht wurde, will Schmidt klären.

Das sagt Taxi-Hämel: Schlag auf Hinterkopf

Die Fahrer von Taxi-Hämel aus Fritzlar haben schlechte Erfahrungen mit der Disko gemacht. Oft würden sich Gäste das erstbeste und nicht das bestellte Taxi schnappen. Dann bliebe das Unternehmen auf den Kosten sitzen. Ein Problem sei die zunehmende Aggressivität, sagt Brigitte Cabanes. Ein Fahrer habe sogar schon einen Faustschlag auf den Hinterkopf erhalten.

Das sagt Taxi-Schulz: Nur ein Auto fährt

Taxi-Schulz aus Borken ist derzeit nur mit einem Wagen unterwegs. Daher könne es schwierig sein, ein Taxi zu bekommen, erklärt Bianca Schulz. Die große Nachfrage der Diskobesucher könne sie zurzeit nicht abfangen. Wenn das Taxi jedoch frei sei, würde es auch den Club Rom im Kraftwerk anfahren. Die Bestellung laufe generell nur telefonisch.

Fragen und Antworten: Betrunkene haben kein Recht aufs Taxi

Es ist praktisch und bequem: Wer nicht selbst mit dem Auto fahren möchte oder kann, ruft einfach ein Taxi. Für eine Fahrt gelten jedoch bestimmte Regeln.

Muss ein Taxifahrer jeden Kunden mitnehmen?

Innerhalb bestimmter Gebiete, der sogenannten Pflichtfahrgebiete, haben Taxifahrer eine Beförderungspflicht. Das heißt, der Fahrer muss auch Kurzstrecken anstandslos fahren.

Gibt es Ausnahmen von der Pflicht?

Ja. Ist der Kunde allerdings angetrunken oder aggressiv, darf der Fahrer sich weigern, ihn zu befördern.

Welche Wünsche des Fahrgastes muss der Taxifahrer erfüllen?

Er muss das Fenster öffnen und die Lautstärke des Radios regulieren, falls der Kunde das möchte. Generell dürfen ohne Einverständnis des Fahrgastes auch keine fremden Personen mitgenommen werden.

Muss ein Taxifahrer immer die kürzeste Strecke fahren?

Grundsätzlich ja. Es sei denn, er vereinbart mit dem Fahrgast einen anderen Weg. Auf Wunsch des Kunden muss eine Quittung ausgestellt werden. Aus dieser sollten zumindest Start- und Zielort, der Preis sowie das Kennzeichen oder die Ordnungsnummer des Taxis hervorgehen.

Quelle: www.adac.de

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