Stehende Ovationen

Kleine Kirche, gro0e Kunst: Konzert mit Ludwig Güttler begeisterte das Publikum

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Meister ihres Fachs: Trompeter Ludwig Güttler und Organist Friedrich Kircheis spielten in der Borkener Stadtkirche.

Borken. Musikalische Strahlkraft bescheinigte der Kritiker dem Trompeter Ludwig Güttler, der zusammen mit Organist Friedrich Kircheis in der Borkener Stadtkirche ein Konzert gab.

„Er ist der vielleicht bekannteste Musiker der Welt, zu dem einem nur wenig Musik einfällt. So sehr haben sich seine Leistungen vom Ursprung seiner Karriere emanzipiert.“

Diese Einschätzung konnte man im Juni 2013 im Feuilleton der Tageszeitung „Die Welt“ in einem Artikel über den Klassik-Trompeter und Dirigenten Ludwig Güttler lesen.

Damit provozierte der Autor die Frage, ob Güttlers künstlerisches Schaffen oder sein medienwirksames Engagement für den Wiederaufbau und die Pflege der Dresdener Frauenkirche den größeren Eindruck hinterlassen wird.

Von der musikalischen Strahlkraft Ludwig Güttlers konnten sich am Samstag die vielen Gäste in der evangelischen Kirche in Borken bei einem Duo-Konzert mit dem Organisten Friedrich Kircheis überzeugen. Ein Konzert, dass, durch direkte Raumakustik geprägt, den Musikern höchste Konzentration abverlangte. Professionell ausgemessene Konzertsäle oder die natürlichen Hallräume in großen Kirchen bieten völlig andere Klangspektren, und das müssen Musiker während ihrer Performance immer wieder antizipieren.

Zu Beginn wirkte Güttlers Ton etwas untemperiert und brüchig. Auch der kleine Fauxpas, bei dem ihm ein falscher Ton im Allegro der C-moll Sonate von Jean Baptiste Loeillet (1637 - 1707) aus dem Ventil rutschte, ließ sich nicht kaschieren. Im Biathlon würde man sagen, der Schütze hatte unkonzentriert nicht nachgehalten. Doch im Laufe des Konzertes spürte man von Stück zu Stück, wie er sich akklimatisierte, wie sich die Kontur seines Tones entwickelte und das barocke Klangmaterial mit Leben füllte.

Meisterliches Ineinander

Und dabei konnte er sich auf einen Organisten Kircheis verlassen, der auch für die virtuos dargebotenen solistischen Höhepunkte sorgte. Die Passacaglia von Dietrich Buxtehude (1637-1707) und das Präludium und die Fuge in h-moll von Johann Sebastian Bach (1685 - 1750) präsentierte er mit einer geschmeidigen Leichtigkeit, ohne dabei die kompositorische Tiefe zu ignorieren. Ein meisterliches Ineinander von Register-, Manual- und Pedalarbeit, das die Zuhörer sichtlich begeisterte.

Bei dem Konzertarrangement in D-Dur von Henry Purcell (1659 - 1695) zeigte sich auch Güttler erstmals von seiner temperamentvollen Seite. Der ausgewogene und auf lineare Reinheit gepegelte Ton wich einer sprunghaften Lebendigkeit, die beim Publikum für stehende Ovationen sorgte. Dieses wurde von den Musikern mit drei Zugaben belohnt.

Von Andreas Köthe

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