Carsten Schletzke will Bürgermeister in Borken werden

Platz mit guten Aussichten: Für Carsten Schletzke (SPD) ist der Aussichtspunkt Giesenbühl über dem Borkener See ein Platz, an dem er zur Ruhe kommen und gleichzeitig neue Perspektiven auf die Stadtteile erhält. Im Hintergrund ist Nassenerfurth zu sehen. Foto:  Brandau

Borken. Die Borkener wählen am Sonntag, 6. September, den Nachfolger von Bürgermeister Bernd Heßler. Wir stellen die beiden Kandidaten vor: Heute Carsten Schletzke (SPD).

Bis vor kurzem war es für ihn ein Gag: Mit 51 würde er nur dann noch einmal den Job wechseln, wenn sein Arbeitsweg kürzer sei als der jetzige, hat Carsten Schletzke oft gescherzt.

Wenn er aber im September zum Borkener Bürgermeister gewählt würde, wäre der Arbeitsweg tatsächlich noch kürzer: Statt der 300 Meter in die Bahnhofstraße ins Büro der SV Versicherung müsste er nur wenige Schritte ins Rathaus zurücklegen - er wohnt fast nebenan.

„Viele glauben, dass die Kernstadt goldene Wasserhähnen bekommt, während in den Stadtteilen rein gar nichts passiert.“

Und auch, wenn ihm bereits seit vier Jahren klar sei, dass er möglicherweise Nachfolger vom jetzigen Bürgermeister Bernd Heßler werden würde, sei mit dessen Rücktritt im Frühjahr der Zeitpunkt der Wahl wesentlich schneller gekommen als gedacht.

Dennoch wirkt Schletzke entspannt. Er ist überzeugt davon, dass die SPD auch nach der Kommunalwahl im kommenden März die Mehrheit im Borkener Parlament stellen wird. Und das sei wichtig: „In der Politik braucht man Mehrheiten, wenn man die Dinge gut gestalten will - vor allem aber dann, wenn man unbequeme Entscheidungen treffen und verantworten muss.“

Schletzke ist SPD-Fraktionsvorsitzender. Wird er damit nicht automatisch als Ziehkind von Amtsinhaber Bernd Heßler angesehen? Manche sähen ihn so, sagt Schletzke. Er selbst aber nicht: „Natürlich hatte Bernd Heßler Einfluss auf meine politische Arbeit. Wir haben schließlich über Jahre hinweg in den Gremien zusammengearbeitet.“

Deshalb aber den Begriff Ziehkind zu bemühen, sei völlig unangebracht, sagt er. Genauso unangebracht sei das Konkurrenzdenken, auf das er oft treffe: „Viele glauben, dass die Kernstadt mit goldenen Wasserhähnen versehen wird, während in den Stadtteilen rein gar nichts passiert.“

Bestes Beispiel sei der Ausbau der Bahnhofstraße nach den Kanalbauarbeiten vor kurzem gewesen. Die aber seien nicht mehr zu verschieben gewesen, hätten schlicht und einfach endlich erledigt werden müssen. Schletzke warnt vor diesem Schwarz-Weiß-Denken in Sachen Konkurrenz Stadt-Dorf: „Borken ist das Versorgungszentrum - das muss man sich auch bewusst machen.“

Sich selbst macht Schletzke gerade bewusst, dass sein Leben tatsächlich mit 51 nocheinmal eine andere Richtung nehmen könnte. Auch wenn der Arbeitsweg kürzer werden würde - ist das nicht eine große Herausforderung? „Ich müsste und würde nicht den Job wechseln, wenn ich nicht genau diese Herausforderung wollte.“

"Wahl birgt viele Chancen"

Der Wahlkampf, den Schletzke in diesen heißen Sommerwochen führt, ist eher unauffällig, fair und leise. Für Carsten Schletzke ist das selbstverständlich: „Wir haben genug Sachthemen, da muss man nicht persönlich werden und die emotionale Karte spielen.“

Dringliche Themen sind für Schletzke: 

• die Kinderbetreuung werde die Stadt weiter fordern

• , genau wie das Schaffen von Arbeitsplätzen und Gewerbeansiedlungen und

• dem Sicherstellen der ärztlichen Versorgung.

• Borken brauche zudem noch viel mehr seniorengerechte Wohnungen

• und im Bereich des Tourismus müsse die Stadt endlich „Gas geben“ und unter anderem den touristischen Bereich am Gombether See entwickeln.

Es sind viele Themen, die auch schon in der Vergangenheit auf der Agenda der politischen Gremien in Borken standen. Tritt er also doch in die Fußstapfen von Bernd Heßler? Jein, sagt Schletzke: „Ich würde vielleicht in seine Fußstapfen treten, aber dennoch auf anderen Pfaden wandeln.“

Diese Pfade, sagt er, würden ihn näher zu den Ortsbeiräten führen, mit denen er enger zusammenarbeiten will. Auch die Kooperation mit der Verwaltung wäre für ihn wichtig. „Wir haben gute Leute im Rathaus, nur müssen wir deren Kompetenz und Kreativität mehr fördern und fordern.“ Dafür müsste sich der neue Bürgermeister aber auch das Vertrauen der Mitarbeiter erarbeiten. Das wäre für ihn eine der schwierigsten Aufgaben: Die Verwaltung an einen neuen Arbeitsstil zu gewöhnen. Wird es nach der langen Bernd-Heßler-Ära Zeit für einen Schnitt in Borken? Schletzke zögert: „Wenn ich gewinne, bietet ein Schnitt viele Chancen und wenige Risiken.“

Seine Frau hat ihn gefragt, ob er denn wüsste, was das für die Familie bedeutet, wenn er am 6. September gewählt würde. Er habe die gleiche Antwort gegeben: Viele Chancen, wenige Risiken.

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