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Krieg in der Ukraine: Verein Indimaj und Feuerwehr Borken richten Flüchtlingsunterkunft ein

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Von: Claudia Brandau

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Indimaj-Geschäftsführer Arras Marrika, Bürgermeister Marcel Pritsch, Yvonne Hanschke-Nowak vom Forst- und Umweltdienst und Wehrführer Mario Diehl stehen zwischen Feldbetten und halten Bettbezüge in der Hand.
Warten auf die Ankunft der Flüchtlinge: Von links Indimaj-Geschäftsführer Arras Marrika, Bürgermeister Marcel Pritsch, Viola Hanschke-Nowak vom Forst- und Umweltdienst und Wehrführer Mario Diehl in der Unterkunft. © Claudia Brandau

Die Feuerwehr Borken richtete in den Räumen des Bildungsträgers Indimaj in der Bahnhofstraße 26 Betten, Spiel- und Aufenthaltsmöglichkeiten für Menschen aus der Ukraine her, die vor dem Krieg fliehen müssen. 

Borken – Es war eine ungewöhnliche Aufgabe, die die Feuerwehr Borken da jetzt übernommen hatte: Sie räumte die Unterrichtsräume und Werkstatt des Bildungsvereins Indimaj an der Borkener Bahnhofstraße leer – und stattete sie für die ersten Geflüchteten aus der Ukraine mit Betten, Stühlen, Sofas, Spielbereich und gleich zwei Küchen aus.

26 Betten stehen nun in mehreren Räumen im Haus an der Bahnhofstraße. Die Kriegsopfer aus der Ukraine, die ab heute erwartet werden, können sich auf zwei Etagen und noch dazu im Hof verteilen, zurückziehen, zusammensitzen oder -spielen. „Wir sehen uns einfach in der Verpflichtung zu helfen“, sagt Arras Marika, Geschäftsführer von Indimaj, der Gesellschaft für Bildung und Soziales, die ihren Sitz nicht nur in Kassel, sondern auch in Borken hat.

Und es war leicht, zu helfen. Ein Dutzend Mitglieder der Feuerwehr stand bereit, um Betten aufzuschlagen, Decken zu beziehen, einen kleinen Willkommensgruß zu beschriften. Wie motiviert man Menschen bei bestem Frühlingswetter für solche Aufgaben weit außerhalb des eigentlichen Aufgabenspektrums? „Wir mussten niemanden motivieren oder überreden“, sagt Wehrführer Mario Diehl: „Wir haben im vorigen Jahr im Ahrtal gesehen, wie schnell es einen treffen kann, dass man alles verliert, was man hat. Und diese Menschen sind nicht von einer Flut, sondern von einem Krieg betroffen – das ist noch mal schlimmer. Das wissen alle – deshalb steht die Truppe in solcher Not immer Spalier.“

Die Borkener Feuerwehrleute haben aber nicht nur ein Herz, sondern auch Mitgefühl: „Wer schon einmal mehr als zwei Nächte auf einem Feldbett geschlafen hat weiß, dass das nicht besonders gemütlich ist“, sagt Diehl. Und so besorgte die Feuerwehr fix matratzenähnliche Auflagen, damit die Menschen, die ab heute aus der Ukraine anreisen, erst einmal gut ankommen und durchatmen können – ohne jede Angst, dass Bomben fallen.

Noch dazu gibt es viele Ansprechpartner. Neun der insgesamt 84 Mitglieder von Indimaj sprechen russisch oder ukrainisch, können im Alltag und bei Behörden helfen. „Eine Unterkunft mit Anschluss und Betreuung sei alles andere als selbstverständlich, betont Bürgermeister Marcel Pritsch, der das Engagement würdigt. Dass die Ankömmlinge in kleinen Gruppen statt riesigen Hallen untergebracht würden, sei wünschenswert und wichtig, so Pritsch. Er dankt auch allen, die eine Wohnung für die ukrainischen Flüchtlinge bereitstellen.

All das könne die Stadt keinesfalls alleine schultern, der Einsatz der Menschen und Institutionen sei unentbehrlich. Zu denen, denen er dankte, gehört auch der Recycling- und Umweltdienst Borken, der eine dringend benötigte gebrauchte Küche in Treysa abbaute und in den Räumen von Indimaj in Borken wieder aufstellte. Dessen Bildungsangebot liegt aber nun nicht etwa auf Eis, sondern wird online weiter geführt. Die Coronapandemie hatte der Digitalisierung der Angebote einen großen Schub gegeben.

Davon profitiert nun die Hilfe für die, die Hilfe und Schutz vor Raketen, Bomben, Irrsinn brauchen. Es werden nun zwar die ersten, aber bei Weitem nicht die letzten Geflüchteten sein, die im Landkreis und in Borken ankommen. Das Miteinander muss sich langsam zurecht ruckeln.

„Und wenn es doch einmal hakelig wird im Miteinander, dann müssen wir den Mut haben zu reden, um die Dinge zu verbessern“, sagt Bürgermeister Marcel Pritsch. Mit der Einschätzung steht er nicht alleine da: Die Weltenlage wird uns allen wohl noch sehr viel Mut abverlangen. (Claudia Brandau)

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